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Organspende-Special

Organspende: Ohne neue Lunge wird Torben nicht überleben

11.05.2012, 18:54 Uhr | tze

Organspende: Ohne neue Lunge wird Torben nicht überleben. Szene aus dem WDR-Film "Spenderorgan gesucht": Torben braucht dringend eine neue Lunge. (Quelle: WDR)

(Quelle: WDR)

Stellen Sie sich vor, Ihr Kind droht zu ersticken, wenn es nicht bald durch eine Organtransplantation gerettet werden kann. Aber versuchen Sie ebenso, sich vorzustellen, dass Ihr Kind verunglückt ist und Sie über eine Organspende entscheiden müssen. Die meisten würden ein Spenderorgan für ihr Kind dankbar annehmen - aber die Entscheidung, Organe zu spenden, fällt vielen ungleich schwerer. Beide Aspekte beleuchtete die Sendung "Spenderorgan gesucht" aus der WDR-Reihe "Menschen hautnah" am Beispiel des schwerkranken Torben (12), der eine neue Lunge braucht, und der Mutter Renate Greinert, die ihre Entscheidung für Organspende bereut hat.

Torben kämpft um jeden Atemzug

Jeder Atemzug strengt den zwölfjährigen Torben an. Mühsam hievt er sich aus seinem Rollstuhl und kämpft sich zehn Schritte über den Krankenhausflur. "Das fühlt sich an wie nach einem Marathon", sagt er. Eine Immunkrankheit greift seine Organe an, vor allem seine Lunge. Wenn der Junge nicht bald ein Spenderorgan bekommt, wird er ersticken. Seit mehr als 80 Tagen steht er auf der Warteliste für eine Spenderlunge. Doch seine Leidenszeit ist schon viel länger.

Zweifacher Schicksalsschlag

Zwei Jahre zuvor war Torben an Leukämie erkrankt, die er dank einer Knochenmarktransplantation zunächst gut überstanden hatte. Doch dann brach die lebensbedrohliche Immunerkrankung aus. "Ich weiß nicht, was kommen wird oder wie es zu Ende geht", sagt der Junge, der sein Leben doch noch vor sich haben sollte. Manchmal ist er kurz davor, seinen Mut zu verlieren und igelt sich im Bett ein. Dass er seinen Überlebenswillen behält und weiterkämpft, dafür sorgen seine Eltern, Ärzte, Therapeuten - und Mitschüler, zu denen er sich per Video ins Klassenzimmer zuschalten kann, um den Unterricht vom Krankenbett zu verfolgen.

"Man existiert nur noch für das Kind"

Das Leiden des Sohnes und die Ungewissheit sind eine Kraftprobe für die ganze Familie. "Man existiert nur noch für das Kind", sagt der Vater. Alle warten auf den erlösenden Anruf, dass eine passende Spenderlunge gefunden wurde. Viel Zeit bleibt nicht, Torbens Lungenfunktion ist schon auf 16 Prozent abgesackt. "Ich glaube fest daran, dass rechtzeitig ein Spenderorgan kommt", sagt die Mutter, um eine feste Stimme bemüht, ihr Schluchzen mühsam unterdrückend.

Ein Mensch verliert sein Leben, ein anderer kann weiterleben

Der schwerkranke Zwölfjährige weiß, was geschehen muss, damit er ein lebensrettendes Spenderorgan bekommt: Ein anderer Mensch ist verunglückt, er ist hirntot, sein Leben ist durch nichts mehr zu retten - doch wenn er sich als Organspender bekannt hatte, können seine Organe anderen ein neues Leben schenken. Eine tröstende Vorstellung, die sich aber nicht für jeden so klar darstellt. In dem Fernsehbeitrag der WDR-Autorin Justine Rosenkranz kommt auch eine Mutter zu Wort, die bereut, nach dem tödlichen Unfall ihres Sohnes der Organspende zugestimmt zu haben. Renate Greinert und ihr Mann haben eine Initiative gegründet, die sich kritisch mit Organspende auseinandersetzt.

Zweifel einer Mutter: Habe ich mein Kind in den Tod geschickt?

"Er war noch warm, ich konnte im wahrsten Sinne nicht begreifen, dass er tot sein soll." Heute zweifelt Greinert an der Entscheidung, weil sie ihren Sohn rückblickend nicht als tot, sondern als sterbend wahrnimmt. Es quält sie der Gedanke, ihr Kind in den Tod geschickt zu haben. Schutzlos, hilflos, überfordert - die Gefühle der Mutter zeigen, wie wichtig eine einfühlsame Beratung und Aufklärung von Angehörigen ist, wenn der Verunglückte seine eigene Haltung zur Organspende nicht klar zum Ausdruck gebracht hat. Wenn Kinder unter 16 betroffen sind, kann keiner den Eltern die Entscheidung abnehmen.

Was es mit dem Hirntod auf sich hat

In dem Beitrag kommt auch der Mediziner und Wissenschaftsjournalist Werner Bartens zu Wort, der Organspende an sich befürwortet, aber bessere Aufklärung über das Konzept des Hirntods fordert. Die Formulierung "für den Fall, dass nach meinem Tod eine Spende von Organen in Frage kommt", wie sie Organspendeausweis steht, bezeichnet er als "Mogelpackung", da ein hirntoter Mensch noch im Sterben liege.

Die Feststellung des Hirntods ist die Voraussetzung für eine Organspende. Hilal Yahya, Neurochirurg und Transplantationsbeauftragte am Klinikum Duisburg, erklärt in der WDR-Sendung "wenn der Hirntod festgestellt wurde ist es, als würde man einen Leichnam weiter beatmen." Der Körper sei noch warm, aber das bewirkten nur die Maschinen, die die Organfunktionen aufrecht erhielten. Daher sei der Tod, sonst mit Kälte und Starre verbunden, in dieser Erscheinungsform für Menschen so schwer greifbar.

Keine Heilung, sondern ein Gewinn an Zeit und Lebensqualität

Den Tod können und wollen auch die Eltern der Kinder auf der Organspende-Warteliste nicht begreifen. Sie klammern sich an die Hoffnung, ihn wenigstens hinauszuzögern. "Eine Lungentransplantation ist keine Heilung, sondern ein Gewinn an Zeit und an Lebensqualität. Das ist eine realistische Chance, aber die Zeit ist begrenzt", verdeutlicht Nicolaus Schwerk, Facharzt für Kinderheilkunde an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Statistisch betrachtet überlebe nur die Hälfte der Organempfänger die ersten fünf Jahre nach der Transplantation. Aber es gebe auch Kinder, die bereits zehn bis 15 Jahre mit einem Spenderorgan lebten. Für ihre Entscheidung müsse man Eltern die Chancen, aber auch die Risiken einer derart komplexen Operation vermitteln. "Aber es kann auch ohne Transplantation gehen. Es ist wichtig, Eltern auch auf diesem Weg Unterstützung anzubieten", betont der Mediziner, denn es gibt auch Eltern, die ihrem Kind monatelange Klinikaufenthalte und die damit verbundenen Schmerzen ersparen möchten.

Regina: Endlich wieder atmen, lachen, rausgehen können

Eine, die es geschafft hat, ist die 15-Jährige Regina. Sie litt unter Mukoviszidose, eine Krankheit, bei der übermäßige Schleimbildung schließlich zum Lungenversagen führt. Dank einer Organspende kann ihr Körper wieder alleine atmen. "Der erste Atemzug war so komisch. Das war so leicht." Als beflügelndes Erlebnis beschreibt sie auch ihr erstes Lachen, ohne husten zu müssen. Ein halbes Jahr nach der Transplantation freut sie sich auf ihr neues Leben: "Ich werde wieder anfangen zu leben. So wie es für Fünfzehnjährige normal ist - rausgehen, Freunde treffen - nicht mehr so, dass der Fernseher der beste Freund ist."

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