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Computertomografie: Nicht jedes Kind muss in die Röhre

12.06.2012, 11:33 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Computertomografie: Nicht jedes Kind muss in die Röhre. Eine Computertomografie liefert im Notfall schnell eine Diagnose. Häufige Aufnahmen erhöhen allerdings das Krebsrisiko. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Computertomografie liefert im Notfall schnell eine Diagnose. Häufige Aufnahmen erhöhen allerdings das Krebsrisiko. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Lösen Aufnahmen mit dem Computertomografen bei Kindern Krebs aus? Seit Jahren streiten Radiologen über die Langzeitfolgen von Röntgenstrahlen. Jetzt liefert eine Studie erste Ergebnisse: Das Risiko steigt, Grund zur Panik gibt es aber nicht.

Schnelle Diagnose für den Notfall

Eben noch saß das Kind lachend auf der Schaukel. Doch dann verlor es plötzlich das Gleichgewicht und landete kopfüber auf dem harten Boden. Nicht immer genügt ein "Heile, heile Segen" der Eltern. Manchmal sind die Folgen eines solchen Unfalls dramatischer. Um im Notfall rasch zu wissen, was im Körperinneren passiert ist, machen Ärzte häufig eine Aufnahme mit dem Computertomografen (CT). In wenigen Sekunden durchleuchten moderne CT-Röhren den Schädel eines Kindes.

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Wie schädlich ist die Strahlenbelastung?

Damit steht die Diagnose meistens schnell fest. Problematisch sind aber die Röntgenstrahlen, die bei der CT den jungen Körper durchdringen. Seit Jahren streiten sich Radiologen darüber, wie hoch das Risiko für Kinder ist, später im Leben durch die CT an Krebs zu erkranken.

Studie deckt die Risiken auf

Jetzt gibt eine Studie erstmals Auskunft: Nach zwei bis drei Kopfaufnahmen im Kindesalter verdreifache sich das Risiko, später im Leben an einem Hirntumor zu erkranken, schreiben Ärzte um Mark Pearce von der britischen Newcastle University im Medizinjournal "The Lancet". Nach fünf bis zehn solcher Kopfscans sei auch das Risiko einer Leukämie dreifach erhöht.

Insgesamt bleibt das Risiko für beide Krebsarten aber sehr gering: Ein dreifach erhöhtes Risiko bedeutet, dass von 10.000 im Tomografen am Kopf untersuchten Kindern unter zehn Jahren ein Kind mehr an einem Hirntumor im Laufe seines Lebens und ein weiteres an einer Leukämie erkrankt, als ohne CT zu erwarten ist.

"Die Risiken der Computertomografie sind real"

"Die Ergebnisse beenden die Debatte der letzten Jahre, ob die Risiken der Computertomografie real sind oder nicht", sagt David Brenner im Gespräch mit Spiegel online. Der Physiker von der New Yorker Columbia University stieß die Debatte um Strahlengefahren durch CT-Aufnahmen im Kindesalter vor mehr als zehn Jahren mit an. "Im vergangenen Jahrzehnt gab es darüber noch viele Diskussionen, trotzdem hat sich die klinische Praxis bereits verändert. Es wird heute schon mehr Wert auf Untersuchungen mit niedriger Strahlendosis gelegt."

Daten von 180.000 Kindern ausgewertet

Die Mediziner überprüften für die aktuelle Studie die Daten von knapp 180.000 britischen Kindern ohne Krebs, die zwischen 1985 und 2002 im Computertomografen untersucht wurden. Anschließend berechneten sie, wie hoch die Strahlendosis in einzelnen Organen der Kinder war. Aus dem Zentralregister des britischen Gesundheitssystems NHS bekamen die Forscher Zahlen, wie viele der Kinder später im Leben an einem Hirntumor oder an Leukämie erkrankten. Bei ihrer Berechnung, nach wie vielen CT-Untersuchungen das Krebsrisiko ansteigen kann, berücksichtigten sie auch, dass die Strahlenbelastung durch moderne Computertomografen deutlich geringer ist, als bei jenen, die zwischen 1985 und 2002 bei den Studienpatienten eingesetzt wurden.

Jeden Einzelfall genau abwägen

Besonders in den USA schieben Ärzte auch Kinder und Jugendliche verhältnismäßig häufig in den Tomografen, berichtet Christoph Heyer, Kinderradiologe an der Ruhr-Universität Bochum. "Die Situation in Deutschland ist heute schon besser, bei uns ist das Bewusstsein für die Gefahren der Strahlen stärker vorhanden", sagt Heyer. "Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, im Einzelfall genau abzuwägen, ob eine Computertomografie wirklich notwendig ist oder nicht. Der Nutzen für den Patienten muss immer höher sein als das Risiko."

Verfechter der Computertomografie widerlegt

Es gibt Verfechter der Computertomografie, die bisher kein Krebsrisiko durch die Untersuchungen sahen. Die "American Association of Phycisists in Medicine" bestritt in einer Stellungnahme noch 2011, dass solche Risiken überhaupt bestehen, wenn Patienten ähnlichen Strahlendosen wie in der aktuellen Studie ausgesetzt sind. Vorsichtige Röntgenärzte sehen das zwar schon lange anders, hatten bisher allerdings keine harten Fakten zur Hand, mit denen sie argumentieren konnten.

Weitere Studien in Arbeit

Um endlich Klarheit zu bekommen, sammeln mehrere Forschergruppen seit Jahren Daten und untersuchen sie auf Zusammenhänge zwischen Röntgenaufnahmen und späteren Krebserkrankungen. Die "Lancet"-Studie des Teams um Pearce ist die erste dieser Untersuchungen. Unter den noch laufenden Untersuchungen ist auch eine deutsche Studie mit 140.000 Patienten, deren Ergebnisse für 2016 erwartet werden. Doch bis Ärzte sämtliche Daten ausgewertet und auch hinsichtlich anderer Krebsarten analysiert haben, werden noch Jahrzehnte vergehen. Viele Tumoren treten erst im hohen Alter auf - und haben vielfältige Ursachen. Alkoholkonsum, Rauchen, Umwelteinflüsse spielen bei der Entstehung von Krebs ebenfalls eine große Rolle und erschweren die Interpretation der Daten.

Wie soll man mit dem Risiko umgehen?

"Das absolute Risiko, an einer dieser Krebsarten zu erkranken, ist gering. Das ist für die Eltern wichtig zu wissen", sagt der Kinderradiologe Heyer. "Nicht nur wir Röntgenfachärzte, sondern auch die Kollegen, die bei uns die Untersuchungen bestellen, müssen jetzt intensiv miteinander reden, wie wir am besten mit dem Risiko umgehen."

Für Kinder gelten Grenzwerte bei der Strahlenbelastung

Bereits heute gibt es in Deutschland vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auch für Kinder Referenzwerte, wie hoch die Strahlenbelastung bei einer Röntgenuntersuchung sein sollte. Wie viele Computertomografien jährlich bei Kindern in Deutschland durchgeführt werden, weiß das BfS allerdings nicht, bekannt ist nur, dass die Zahl aller Computertomografien ständig steigt.

Nicht jede Computertomografie ist notwendig

"Für den einzelnen Patienten ist das Risiko immer ziemlich gering", sagt Strahlenexperte Brenner. "Wenn eine Computertomografie klinisch notwendig ist, dann überwiegen die Vorteile die Risiken deutlich. Eine andere Frage ist, ob jede CT, die gemacht wird, wirklich sein muss." Eine Alternative ist zum Beispiel die Kernspintomografie (MRT). Sie funktioniert ohne Röntgenstrahlen, dauert aber länger. Kinder müssen häufig in Vollnarkose versetzt werden. Brenner schätzt, dass zwischen 20 und 50 Prozent aller CT-Aufnahmen in den USA durch andere, weniger strahlenbelastende Untersuchungen ersetzbar wären.

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