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Erste Hilfe  

Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern richtig versorgen

20.06.2012, 14:44 Uhr | Eva Neumann, dpa, dpa-tmn

Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern richtig versorgen. Bei Verbrennungen wird das Gewebe der Haut schwer geschädigt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Verbrennungen wird das Gewebe der Haut schwer geschädigt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mit schwersten Verbrennungen liegt die achtjährige Pippie aus Südafrika in der Klinik, weil bei der Grillparty der Familie der Grillanzünder explodiert war. 80 Prozent ihrer Haut sind verbrannt und die Ärzte müssen künstliches Gewebe transplantieren. Dies war ein besonders schwerer Brandunfall, doch auch leichtere Verbrennungen und Verbrühungen sind extrem schmerzhaft und für Kinder mitunter lebensgefährlich. Wie man Verbrennungen richtig behandelt und für Kindersicherheit im Haushalt sorgt.

Schon eine kippende Tasse Tee kann Kindern gefährlich werden

Typische Verbrühungsunfälle ereignen sich in der Küche. "Hier sind Kinder besonders gefährdet, zum Beispiel wenn sie einen Topf samt heißem Inhalt vom Herd ziehen oder mit dem Kabel des Wasserkochers spielen und diesen umstürzen", erläutert Stefan Markus vom Malteser Hilfsdienst in Köln. Solche Gefahren lassen sich verringern, indem man Herdschutzgitter einsetzt, die hinteren Platten verwendet und Kabel außer Reichweite bringt. Das gilt auch für Tassen mit heißen Getränken. "Eine einzige Tasse kann bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche verbrühen", erläutert Adelheid Gottwald von "Paulinchen", einer Initiative für brandverletzte Kinder.

Verbrühungsgefahr beim Händewaschen und Duschen

Falsch eingestellte Armaturen in Küche und Bad sind für Menschen jeden Alters gefährlich: Wer nicht schnell genug ausweicht, verbrüht sich schlimmstenfalls am ganzen Körper. Eine andere Temperatureinstellung oder ein eingebauter Widerstand können das verhindern. Eltern sollten immer mit der Hand die Wassertemperatur kontrollieren, wenn sie ihr Kind in die Badewanne setzen oder unter die Dusche stellen. Das Tückische an Verbrühungen: Die heiße Flüssigkeit fließt sehr schnell den Körper hinunter. Damit dehnen sich Verbrühungen schneller aus als Verbrennungen.

Viele Unfälle beim Grillanzünden

Verbrennungen sind begrenzt auf die Körperteile, die direkt mit der Hitzequelle in Berührung kommen. Bei Erwachsenen kommt es besonders häufig zu Verbrennungen bei der Grillparty. "Dabei ist die häufigste Unfallursache der unsachgemäße Umgang mit Brandbeschleunigern", sagt Markus. Dies gefährdet auch Kinder, die neugierig zuschauen, wenn der Grill angezündet wird. Außerdem ziehen sich Kinder häufig Brandverletzungen zu, weil sie in der Nähe des Grills spielen. Deshalb sollten Eltern ihnen einschärfen, stets einen Sicherheitsabstand von zwei bis drei Metern zum Grill einzuhalten.

Starke Schmerzen und Gewebeschäden

Die Art der Schäden ist bei Verbrennungen und Verbrühungen vergleichbar. Die Schwere der Hautschäden hängt ab von der Tiefe und der Größe der betroffenen Fläche. Je mehr Hitze einwirkt, desto tiefer wird die Gewebezerstörung. Die Schäden lassen sich begrenzen, wenn man schnell die richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen einleitet.

Wenn Kleidung brennt nicht auf dem Boden wälzen

Die erste Devise bei einem Brandunfall: weg aus der Gefahrenzone. Brennende oder glimmende Kleidungsreste werden mit Wasser gelöscht. "Solange verbrannte Kleidung noch nicht fest mit der Haut verbunden ist, sollte sie vorsichtig entfernt, jedoch keinesfalls in Panik abgerissen werden", rät Hans-Richard Paschen, Bundesfeuerwehrarzt und Intensivmediziner am Amalie Sieveking-Krankenhaus in Hamburg. Bei einem Personenbrand werden die Flammen mit einer Wolldecke, die keine synthetischen Fasern enthält, erstickt. Man sollte den brennenden Mensch jedoch auf keinen Fall auf dem Boden wälzen - dabei würde die brennende Kleidung auf die Haut gedrückt und könnte festbrennen. "Bei einer Verbrühung muss umgehend die durchtränkte Kleidung entfernt werden", ergänzt Gottwald.

Zu viel Kühlung kann mehr schaden als nutzen

In punkto Erste Hilfe galt lange Zeit die Empfehlung: "kühlen, kühlen, kühlen". Der Grund dafür war die Annahme, dass sich damit die Tiefenwirkung der Hitze verhindern lässt. Heute weiß man, dass das nicht der Fall ist. Bei kleinflächigen Verbrennungen oder Verbrühungen ersten Grades, etwa am Finger, kann der erste Schmerz gelindert werden, indem die betroffene Stelle einige Minuten unter fließendem, handwarmen Wasser gekühlt wird. Ergänzend kann ein Gel oder eine Salbe eingesetzt werden. Die Präparate sind allerdings nicht unumstritten. "Ein Weg ist, beim Arzt zu erfragen, ob und welche Salbe er empfiehlt, und diese dann in die Hausapotheke zu legen", rät Markus. Schädigungen ersten Grades sind mit solchen Sofortmaßnahmen meist gut versorgt.

Anders großflächige Hautschäden: "Hier birgt kaltes Wasser die Gefahr, dass der Körper durch eine Unterkühlung zusätzlich geschädigt wird", warnt Markus. Das kann Infektionen nach sich ziehen. Genau wie der Hamburger Notfallmediziner empfiehlt er, großflächige Verbrennungen ruhig zu halten, bei Bedarf mit einem sterilen Tuch abzudecken und dann vom Arzt behandeln zu lassen.

Drei Grade von Verbrennungen

Mediziner unterscheiden drei Kategorien von Verbrennungen. "Bei Verbrennungen ersten Grades ist nur die Oberhaut verletzt und stark gerötet", erklärt der Bundesfeuerwehrarzt und Intensivmediziner Hans-Richard Paschen. "Bei Verbrennungen zweiten Grades ist zusätzlich zur Oberhaut auch die darunter liegende Lederhaut verletzt." Neben der Rötung bilden sich Blasen. "Bei Verbrennungen dritten Grades sind alle Hautschichten betroffen." Die Zellen samt den Nervenzellen sterben ab. Die Haut verfärbt sich schwarz.

Wann Verbrennungen bei Kindern lebensbedrohlich sind

Größere Schädigungen zweiten Grades müssen auf jeden Fall vom Arzt behandelt werden. "Bei Kindern ist die Verletzung lebensbedrohlich, wenn fünf Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, bei Erwachsenen bei zehn Prozent", warnt der Mediziner vom Malteser Hilfsdienst. Darüber hinaus sollte ein Arzt hinzu gezogen werden, wenn Gesicht, Genitalbereich oder Gelenke betroffen sind oder wenn der Verdacht auf eine Infektion besteht - also bei Rötungen rund um die verbrannte Stelle oder bei Eiterbildung. Verbrennungen und Verbrühungen dritten Grades müssen immer ärztlich behandelt werden.

Bloß kein Mehl auf verbrannte Haut

Früher häufig genannte Hausmittel wie Zahlpasta oder Mehlteig sind nicht sinnvoll. "Darauf sollte man unbedingt verzichten", warnen Gottwald und die beiden Mediziner nachdrücklich. Denn sie erschweren oft die anschließende ärztliche Behandlung und die Wundheilung.

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