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Umzug vom Heim in Pflegefamilie verbessert Hirnentwicklung

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Umzug vom Heim in Pflegefamilie verbessert Hirnentwicklung

23.07.2012, 17:37 Uhr | dpa

Umzug vom Heim in Pflegefamilie verbessert Hirnentwicklung . Zuwendung ist für die Entwicklung von Kindern immens wichtig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zuwendung ist für die Entwicklung von Kindern immens wichtig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn Kindern während ihrer Entwicklung Reize und Anregungen fehlen, verkümmert ihr Gehirn. Doch der Entwicklungsrückstand lässt sich zumindest teilweise aufholen, sobald Kinder in eine andere Umgebung kommen. Das haben Forscher bei rumänischen Heimkindern gezeigt, die in eine Pflegefamilie aufgenommen wurden.

Schub für die Hirnentwicklung

Wenn Heimkinder in eine Pflegefamilie kommen, kann das der Hirnentwicklung einen Schub geben: Das Volumen der sogenannten weißen Substanz, den Verbindungskabeln von Nervenzellen, sei bei Pflegekindern genauso groß wie bei Kindern, die in ihren eigenen Familien aufwachsen. Das berichten Neurowissenschaftler und Kinderärzte in der Fachzeitschrift "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) über eine Untersuchung mit rumänischen Kindern.

Heimkinder per Los ausgewählt

Die Studie von Forschern der Harvard-Universität und des Bostoner Kinderkrankenhauses ist Teil des "Bucharest Early Intervention Project", das vom rumänischen Staatssekretariat für Kinderschutz in Auftrag gegeben worden war. Untersucht wurden 20 normal aufwachsende Kinder sowie 54 rumänische Waisenkinder in einem Heim, in dem sich ein Betreuer um jeweils etwa zwölf Kinder kümmerte. 25 der Heimkinder wurden im Alter zwischen sechs und 31 Monaten per Los ausgewählt, in eine Pflegefamilie umzuziehen. Im Alter zwischen acht und elf Jahren wurden die Gehirne der Kinder gescannt.

Heimkinder können "aufholen"

Eine Nervenzelle wird grob unterteilt in einen Zellkörper und einen langen Zellfortsatz. Die Zellkörper bilden die graue Substanz, die auch Hirnrinde genannt wird. Die Nervenfasern bilden die weiße Substanz und liegen im Inneren des Gehirns.

Die Magnetresonanztomographie ergab: Jene Kinder, die nur im Heim gelebt hatten, hatten weniger graue Substanz und auch weniger weiße Substanz als die normal aufwachsenden Kinder. Bei jenen Kindern, die zunächst in einem Heim und dann in einer Pflegefamilie untergebracht waren, sahen die Scans anders aus: Einerseits hatten sie wie die reinen Heimkinder weniger graue Substanz, andererseits aber genauso viel weiße Substanz wie die normal aufwachsenden Kinder.

Früher Wechsel in Pflegefamilie entscheidend

Ergänzend wurde auch die Funktionstüchtigkeit des Hirns untersucht. Die Elektroenzephalographie ergab, dass bestimmte Hirnwellen bei den reinen Heimkindern schwächer waren als bei den Pflegekindern und den normal aufwachsenden Kindern. Daraus schließt das Team um die Neuroforscherin Margaret Sheridan: Die weiße Substanz habe - im Gegensatz zur grauen Substanz - das Potenzial, den Entwicklungsrückstand wegen einer Zeit in einer reizarmen Umgebung aufzuholen, wenn sich die Umgebungssituation bessert. Entscheidend sei ein früher Wechsel vom Heim in eine Pflegefamilie bis spätestens zum zweiten Geburtstag.

Wenig Betreuer für viele Kinder

Die 54 für die Studie ausgewählten Kinder waren direkt nach der Geburt oder kurze Zeit später in ein Heim gekommen. Hinzu kam eine Kontrollgruppe in ihrer Familie aufgewachsener Kinder. Mittlerweile seien die kleinen Probanden rund zwölf Jahre alt, teilten die Forscher mit. Zur Qualität rumänischer Heime hieß es: "Bis Anfang des 21. Jahrhunderts hatten die rumänischen Kinderheime eine ziemlich schlechte Qualität. Es gab wenige Betreuer für viele Kinder. Zwar hatten die Kinder genügend zu essen, bekamen Kleidung und ein Dach über den Kopf, doch ihr Leben war ziemlich reglementiert und ohne persönliche Ansprache sowie soziale Interaktion."

Mit Daten die Politik verändern

Der Skandal um die schlimmen Bedingungen in den Heimen sei zwar nicht der unmittelbare Grund dafür gewesen, die Studie in Rumänien durchzuführen, erklärte Mitautor Nathan Fox. Das rumänische Staatssekretariat habe die Studie aber durchaus mit dem Ziel angeregt, Daten zu gewinnen, mit denen die Regierung motiviert werden könne, ihre Kinderpolitik zu verändern.

Kleinkinder sollten nicht im Heim leben

Schon länger vermuten Wissenschaftler, dass es schädlich für die Entwicklung des Gehirns ist, wenn Kleinkinder ins Heim kommen. Die Umgebung biete nicht genügend Reize, so dass etwa die weiße Substanz geschädigt werde und damit wichtige Nervenverbindungen unterbrochen würden. Früheren Studien zufolge haben Heimkinder Probleme mit dem Sprachgefühl und im sozialen Umgang und sind häufiger vom sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) betroffen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass mindestens acht Millionen Kinder weltweit in Heimen leben.

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