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Herzfehler: Telemedizin als Lebensretter für Kinder

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Telemedizin: Daten vom Kinderherz auf das Arzt-Handy

24.08.2012, 12:18 Uhr | Wolfgang Duveneck, dapd, dapd

Herzfehler: Telemedizin als Lebensretter für Kinder.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kranke Kinderherzen brauchen eine zuverlässige und lückenlose Überwachung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Rund 6000 Kinder kommen jedes Jahr in Deutschland mit einem Herzfehler zur Welt. Die moderne Medizin macht es möglich, dass die meisten von ihnen später ein Leben ohne größere Beeinträchtigungen führen können. Neben modernen Behandlungsmöglichkeiten und Therapien wird inzwischen die Telemedizin immer mehr zum Lebensretter - auch für die Jüngsten. Dieser Trend in der Kindermedizin ist sogar noch ausbaufähig.

Telemedizin als Lebensretter für Kinder

Marc L. wurde vor zehn Jahren mit einem Herzfehler geboren. Als er sechs wurde, korrigierten die Ärzte in einer komplizierten Operation den Defekt. Der Eingriff verlief zwar erfolgreich, jedoch litt das Kind danach unter schweren Herzrhythmusstörungen. In der Asklepios-Klinik Deutsches Kinderherzzentrum im nordrhein-westfälischen Sankt Augustin pflanzten die Ärzte dem Kind einen Schrittmacher ein, um das Herz wieder in den richtigen Takt zu bringen.

Daten direkt vom Kinderherz zum Arzt-Handy

Gleichzeitig wurde der Herzschrittmacher an ein sogenanntes Home-Monitoring-System angeschlossen. Damit werden Kreislauf- und Systemdaten vom Schrittmacher zu festgelegten Zeiten automatisch über ein Mobiltelefon an die behandelnden Ärzte übertragen. "Sobald Unregelmäßigkeiten auftreten, werden wir alarmiert", sagt Kinderkardiologe Peter Zartner.

Zwei Jahre arbeitete der Schrittmacher bei Marc problemlos. Doch als Zartner eines Morgens die übermittelten Informationen auswertete, sah er sofort, dass eine Elektrode Probleme bereitete. "Ursache war das Wachstum des Kindes - das Kabel vom Schrittmacher zum Herzen wurde zu kurz", berichtet der Kinderkardiologe. Mit einem kleinen Eingriff wurde die Gefahr schnell beseitigt.

Medizin-Trend aus Deutschland

So wie bei Marc überwacht die Asklepios-Klinik in Sankt Augustin zurzeit 74 von insgesamt 210 Patienten, denen ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator (Elektroschockgerät) implantiert wurde. Unter ihnen sind auch Kinder aus Russland, den baltischen Ländern und der Slowakei. Der jüngste Patient ist gerade zwei Monate alt. "Vor sieben Jahren waren wir weltweit die ersten Anwender der Fernübertragung solcher Daten von Patienten im Kindesalter", sagt Zartner. "Inzwischen nutzen auch andere Kliniken in Deutschland diese Technik."

Unkompliziert und zuverlässig

Wichtig ist den Ärzten in Sankt Augustin, ein unkompliziertes Verfahren nutzen zu können. "Qualität und Praktikabilität waren entscheidend", sagt Zartner. "Gerade bei Kindern war es wichtig, ohne irgendwelches Knöpfedrücken eine einfache Datenübermittlung möglich zu machen." Eine Berliner Firma lieferte die beste Lösung, die auch die Eltern der betroffenen Kinder nicht über Gebühr fordert.

Automatisch erfasst das Telemonitoring-System am Tag alle Daten des Herzschrittmachers und sendet sie nachts an einen Server. "Je nach Bedarf haben wir die Möglichkeit, uns die Infos per Fax, E-Mail oder SMS schicken zu lassen", erklärt Zartner. "Größter Vorteil für unsere kleinen Patienten und ihre Eltern: Sie müssen nicht mehr, teils von weither, in die Klinik kommen - sondern nur dann, wenn es Unregelmäßigkeiten gibt."

Dauerüberwachung beruhigt die Eltern

In der Erwachsenenmedizin erfreut sich die Telemedizin seit etlichen Jahren großer Beliebtheit und zahlreiche Studien und Projekte bescheinigen ihr gute Ergebnisse. In der Kindermedizin ist das System nach Ansicht von Zartner dagegen noch deutlich ausbaufähig. "Viele Kollegen haben noch Vorbehalte - auch wegen rechtlicher Unwägbarkeiten", sagt er. "Auch ist die Kostenträgerschaft noch uneinheitlich geregelt. Doch das soll nicht das Problem der Patienten sein. Auch die Eltern fühlen sich besser, wenn sie wissen, dass ihr Kind quasi ständig gesundheitlich überwacht wird."

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