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Gebärmutterhalskrebs: Warum HPV-Impfung auch für Jungen gefordert wird

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Auch Jungen sollten die HPV-Impfung bekommen

30.08.2012, 11:30 Uhr | dpa

Gebärmutterhalskrebs: Warum HPV-Impfung auch für Jungen gefordert wird. HPV: Die HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs. Auch Jungen sollen geimpft werden, weil sie die Viren übertragen können. (Quelle: dapd)

Die HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs. Auch Jungen sollen geimpft werden, weil sie die Viren übertragen können. (Quelle: dapd)

Humane Papillomaviren (HPV) können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Seit einigen Jahren gibt es eine Impfung gegen die Viren, die bislang aber nur Mädchen bekommen. Nun setzen sich Experten, darunter der deutsche Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen, dafür ein, dass auch Jungen die HPV-Impfung erhalten. Doch selbst die bisherige Impfempfehlung für Mädchen ist stark umstritten.

Der Impfstoff gegen Humane Papillomaviren (HPV) könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern auch Jungen vor gefährlichen Krankheiten schützen. Mädchen soll die Immunisierung vor Gebärmutterhalskrebs, der durch die HP-Viren ausgelöst werden kann, bewahren. Doch auch für Jungen und Männer sind die Erreger gefährlich, schreibt die Pathologin Margaret Stanley von der britischen Universität Cambridge im Fachjournal "Nature".

Medizin-Nobelpreisträger: Nur so lassen sich die Viren ausrotten

Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen (76) vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg setzt sich schon länger für die Impfung von Jungen ein. "Wenn wir wirklich die Viren in einem vorhersehbaren Zeitraum drastisch reduzieren oder ausrotten wollen, können wir das nur, wenn beide Geschlechter geimpft werden", sagte zur Hausen. Der Wissenschaftler hatte 2008 für seine Entdeckung, dass Papillomaviren Gebärmutterhalskrebs verursachen können, den Nobelpreis bekommen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Insituts (RKI) empfiehlt seit 2007 die Impfung für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren, vor dem ersten Geschlechtsverkehr.

HPV können mehrere Krebsarten auslösen

Die Viren seien auch die Hauptursache für Anal-, Mandel- und Zungenkrebs, schreibt die Expertin Stanley. Außerdem hätten sie oft wesentlichen Anteil an der Entstehung bösartiger Tumore an Penis und Kehlkopf. "Man vermutet, dass sie der Haupterreger von fünf Prozent aller menschlichen Krebserkrankungen sind." Hinzu kommt: Männer können die Viren beim Sex auf Frauen übertragen.

Stanley warnt in ihrem Beitrag vor allem vor den bösartigen Analtumoren. Diese Krebsart sei selten, doch die Zahl der Betroffenen steige vor allem bei den 20- bis 49-jährigen Männern. Am höchsten sei das Risiko für Homosexuelle. Bislang befürworteten jedoch nur die USA, Kanada und Australien die Impfung von Jungen.

Zur Hausen weist auf eine weitere mögliche Folge der Viren hin: "Genitalwarzen, vor denen zumindest einer der Impfstoffe schützt, sind eine äußerst unangenehme und unerfreuliche Infektion."

Impfquote bei Mädchen ist noch zu gering

Doch was spricht dagegen, einen Impfstoff, der bereits auf dem Markt ist, auch Jungen zu verabreichen? Es gebe die Annahme, der sogenannte Herdeneffekt reiche aus, meinte zur Hausen. Das sei aber "etwas naiv", wegen der zu geringen Impfraten bei Mädchen. "In Deutschland sind wir mit etwas unter 40 Prozent von der notwendigen Rate entfernt, in Österreich liegt sie bei knapp fünf Prozent."

Vom Herdeneffekt (Herdendimmunität) sprechen Experten, wenn Impfungen einzelner Personen die weitere Verbreitung einer Krankheit stoppen oder bremsen - und so auch nicht geimpfte Menschen geschützt werden.

Mediziner kritisiert: HPV-Impfung ist noch zu teuer

Außerdem seien die Kosten sehr hoch - zu hoch, wie zur Hausen findet. "Die sollten eigentlich durch Verhandlungen der Gesundheitsministerien oder Krankenkassen mit den Firmen auch reduziert werden können." In Ländern wie Großbritannien oder Vietnam sei das schon erfolgreich passiert.

Eine Möglichkeit, die HPV-Impfung für Jungen kosteneffektiv zu gestalten, wäre Stanley zufolge, nur die homosexuellen zu impfen. Doch das sei nicht nur ethisch kaum vorstellbar, die Impfung käme dann wohl in den meisten Fällen zu spät. Zur Hausen empfiehlt sie für 9- bis 14-Jährige "vor Einsetzen der sexuellen Aktivität".

Humane Papillomaviren gefährden auch Männer

Funktionieren würde die HPV-Impfung für Jungen genau wie bei den Mädchen. Die bekommen bislang drei Spritzen mit einem der beiden zugelassenen Impfstoffe. "Jungen reagieren völlig gleich darauf, mir sind keine Besonderheiten bekannt", sagte zur Hausen.

Stanley hält in ihrem Beitrag ein wahres Plädoyer für die Impfung der Jungen: "Alle Männer, unabhängig von der sexuellen Orientierung, begegnen einem erheblichen und steigendem Risiko HPV-assoziierter Krankheiten." Es sei nicht ethisch, fair oder sozial verantwortungsvoll, Männer dazu zu zwingen, sich auf eine Herdenimmunität zu verlassen, die für Jahrzehnte nicht erreicht werde.

Gegner der Impfung kritisieren, dass Geimpfte nur vor bestimmten Krebsvorstufen geschützt seien. Außerdem bestehe die Gefahr einer Sicherheitsillusion: Geimpfte könnten weitere Früherkennungsmaßnahmen ignorieren.

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