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Lungen-Lebendtransplantation geglückt - Eltern retten Sohn das Leben

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Lungen-Lebendtransplantation geglückt - Eltern retten Marius (12) das Leben

12.09.2012, 16:22 Uhr | Josef Harnischmacher; afp, AFP

Lungen-Lebendtransplantation geglückt - Eltern retten Sohn das Leben. Die erste Lungen-Lebendtransplantation von zwei Spendern in Deutschland rettete dem zwölfjährigen Marius das Leben. (Quelle: dapd)

Die erste Lungen-Lebendtransplantation von zwei Spendern in Deutschland rettete dem zwölfjährigen Marius das Leben. (Quelle: dapd)

Marius ist zwölf Jahre jung, Schalke-Fan aus dem Sauerland - und ein Patient, den seine Ärzte stolz der Öffentlichkeit präsentieren. Denn dem Jungen, der am 12.9. im Trikot seines Lieblingvereins vor die Presse in Hannover tritt, hat ein Team der dortigen Medizinischen Hochschule (MHH) zwei von seinen Eltern stammende Lungenlappen erfolgreich eingepflanzt und ihm so das Leben gerettet. Es war die erste Organtransplantation dieser Art in Deutschland.

Es stand schlecht um Marius

Neben Marius sitzen bei der Pressekonferenz seine Mutter und sein Vater, die jeweils einen Lungenlappen gespendet haben. Der Junge, der in geschlossenen Räumen noch einen Mundschutz wegen der Infektionsgefahr tragen muss, zeigt sich nicht nur putzmunter - ihm ist auch bewusst, wie knapp es um ihn stand: "Ich bin vor allem stolz auf meine Eltern", sagt er.

Erste Lebend-Lungenspende von zwei Spendern in Deutschland

Noch nie zuvor in Deutschland sind Lungenteile von Lebenden verpflanzt worden, auch in anderen europäischen Ländern gab es dies bislang nur vereinzelt. Die Lebend-Lungenspende für den an der Stoffwechselstörung Mukoviszidose erkrankten Jungen war nötig geworden, weil Spenderorgane von Verstorbenen fehlten.

40 Chirurgen waren an der OP beteiligt

Marius war im April in lebensbedrohlichem Zustand in die Klinik eingeliefert worden. Zum Zeitpunkt der Operation musste er nicht nur künstlich beatmet werden, sondern brauchte auch eine externe Sauerstoffversorgung durch eine Herz-Lungen-Maschine. Am 26. April fanden dann zeitgleich die drei bis zu sechs Stunden dauernden Operationen mit insgesamt fast 40 Chirurgen statt.

Vater wirbt für Organspende

Den Auftritt am Mittwoch nutzten das Ärzteteam um Axel Haverich wie auch Marius' Vater, um eindringlich für Organspenden zu werben: "Wir sind froh und dankbar, dass wir und die Ärzte Marius helfen konnten. Wenn es aber genügend Organspender in Deutschland geben würde, müssten die Ärzte nicht auf Lebend-Spenden zurückgreifen", so der Vater. Dabei zeigt er nicht nur den eigenen Organspenderausweis vor, sondern fragt auch fast streng in die Runde, wer denn noch keinen solchen Ausweis habe.

Marius schwebte "zwischen Himmel und Erde"

Haverich und sein Team machen aber klar, dass Lebend-Spenden von Lungenteilen auch künftig die absolute Ausnahme bleiben werden. Gregor Warnecke, Leiter des Transplantationsbereichs in der Klinik, erläutert, wie selten alle Faktoren für eine solche Operation stimmen. Für die Lebend-Spende brauche es zwei Lungenlappen von zwei verschiedenen Menschen, die Blutgruppe müsse identisch sein, und die Lungenlappen müssten in ihrer Größe zum Empfänger passen: "Marius hatte Glück, seine Eltern erfüllten alle Voraussetzungen, für den Jungen war die Transplantation die letzte Rettung." Der Junge habe sich aufgrund seiner fortgeschrittenen Mukoviszidose bereits "zwischen Himmel und Erde" befunden, ergänzt Haverich.

Bisher sind keine Komplikationen aufgetreten

Bislang sind weder bei dem Kind noch den Eltern schwere Komplikationen aufgetreten. Marius kann anders als früher sogar Sport treiben. Stolz berichtet er über ganz neue Erfahrungen in seiner bergigen Heimat, dem Sauerland: "Ich schaffe jetzt 20 Kilometer mit dem Fahrrad und kann endlich mit meinen Eltern unterwegs sein." Auch seine achtjährige Schwester Nele freut sich über den Tatendrang des großen Bruders: "Endlich können wir richtig miteinander spielen."

Voruntersuchungen decken Herzfehler der Mutter auf

Bei den Voruntersuchungen für die Operationen im April hatten die Ärzte bei der Mutter noch einen Herzfehler festgestellt. Bei der Lungenentnahme wurde zugleich auch dieses Problem operativ behoben. Die sportliche Mutter lobt die Ärzte: "Gott sei Dank konnte das in einem Aufwasch mit erledigt werden."

Mukoviszidose: Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 20 Jahren

Mukoviszidose führt dazu, dass der Schleim in der Lunge immer zäher wird, nicht abgehustet werden kann und sich immer neue schwere Infektionen ausbreiten. Noch in den 70er Jahren starben laut MHH die meisten Patienten im Kindesalter an der Krankheit, auch heute liege die durchschnittliche Lebenserwartung nur bei 20 Jahren. Wenn jetzt alles gut geht, wachsen die beiden Lungenlappen mit Marius weiter. Haverich sagt zu den Touren des Jungen im Sauerland: "Dann kann er da jeden Berg rauffahren."

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