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Foodwatch: Lebensmittelfirmen machen Werbung in Schulen

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Foodwatch entlarvt  

So dreist ködern Lebensmittelfirmen unsere Kinder

07.05.2013, 16:17 Uhr | t-online.de

Foodwatch: Lebensmittelfirmen machen Werbung in Schulen. Die fünf Kandidaten für den "Goldenen Windbeutel". (Quelle: Foodwatch)

Die fünf Kandidaten für den "Goldenen Windbeutel". (Quelle: Foodwatch)

Obwohl Werbung in Schulen in den meisten Bundesländern nicht zulässig ist, umgehen viele Lebensmittelhersteller das Verbot, wie die Verbraucherorganisation Foodwatch berichtet. Mit diesen dreisten Methoden wollen die Firmen schon Schüler für ihre Marken und häufig ungesunden Produkte ködern.

Erste Stunde Mathe, zweite Stunde "Capri-Sonne": Nachforschungen von Foodwatch haben ergeben, dass die Lebensmittelindustrie trotz Verbot direkt in Schulen und Kitas Werbung für Junkfood-Marken und -Produkte macht. Laut der Verbraucherschutzorganisation verteilten spezialisierte "Education Marketing"-Agenturen Produktproben mit Keksen oder Ketchup schon in Kindergärten und hingen Plakate mit Pizzaduft in die Schulen. Zahlreiche Hersteller träten mit Werbebannern als Sponsor bei Schulveranstaltungen auf, verbreiteten kostenlose Schulhefte mit Markenlogos und suggestives Unterrichtsmaterial, in denen Schokolade und Softdrinks als gesund dargestellt werden.

Dreiste Werbelüge von "Capri-Sonne"

Besonders aggressive Marketingstrategien in Schulen hat die Foodwatch für den "Goldenen Windbeutel 2013" nominiert. Wer den Preis für die dreisteste Werbemasche des Jahres bei einem Kinderprodukt erhält, darüber können die Verbraucher noch bis zum 15. Mai unter www.goldener-windbeutel.de abstimmen.

Einer der fünf Kandidaten ist "Capri-Sonne". In einer laut Foodwatch als Unterrichtsmappe für Grundschulen getarnten Werbebroschüre sortiert Hersteller Wild seinen zuckrigen Softdrink ganz unten in die Ernährungspyramide ein, verbunden mit der Empfehlung: "viel" verzehren. Die Ernährungsexperten des von der Bundesregierung geförderten Infodienstes aid dagegen zählen "Capri-Sonne" zur Kategorie "Extras" (Süßigkeiten) in der Spitze der Pyramide - die Empfehlung lautet hier: nur "sparsam" verzehren. Bei einer Aufgabe für Schüler werde es sogar als "richtig" bewertet, wenn man dem Erfrischungsgetränk die Eigenschaft "gut bei körperlicher und geistiger Aktivität" zuordnet.

Nach der Foodwatch-Kritik hat "Capri-Sonne" nun die werbliche Unterrichtsmappe für Grundschüler zurückgezogen. Der Bildungsverlag Care-Line, über den die Unterrichtsmappe "fit, fair und schlau" im Internet zum Download angeboten wurde, sei inzwischen gebeten worden, "die Broschüre von der Seite zu nehmen", heißt es in einem Spiegel-Online-Text.

Kinder müssen vor Vermarktungsinteressen geschützt werden

Chips-Hersteller Intersnack habe seit 2003 an mehr als 1700 Schulen mit seiner Marke "Funny-frisch" Sportprojekte gefördert - verteilt würden an den Schulen unter anderem T-Shirts mit dem Logo der Marke, so Foodwatch. Die dazugehörige Marke "Pom-Bär" ist zudem Initiator des "Deutschen Vorlesepreises". Bei den bundesweiten Aktionen ist der Kindersnack mit Produkt-Maskottchen und Schriftzug präsent.

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"Völlig ungeniert bedrängt die Lebensmittelindustrie Kinder in Schulen und Kitas hinter dem Rücken der Eltern, möglichst viele Süßigkeiten, Snacks und Softdrinks zu konsumieren", beklagt Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelwerbung bei Foodwatch. "Gerade in der Obhut staatlicher Lehrer und Erzieher müssen Kinder vor Vermarktungsinteressen geschützt werden. Schulen und Kindergärten müssen endlich werbe- und suggestionsfreie Räume werden."

So wirbt die Lebensmittelindustrie an Schulen

Foodwatch hat in einer Recherche zahlreiche weitere Beispiele für Werbeaktivitäten der Lebensmittelindustrie an Schulen und Kitas zusammengetragen:

  • "Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Schokolade glücklich macht. Vielleicht hast du ja auch schon davon gehört", heißt es in Unterrichtsmaterial von Ritter Sport. Darin werde Schokolade als "ein Stückchen Energie" dargestellt, das "schmerzlindernd" und "gut für Herz und Kreislauf" sei. In den "Hinweisen zur Verwendung" für Lehrer heißt es: "Hierfür bitte in ausreichender Menge Schokoladenstückchen für die Schüler zur Verfügung stellen, am besten auf Servietten, um das Schmelzen beziehungsweise 'Schokoladenfinger' zu vermeiden."
  • Frühstücksflockenhersteller Kölln zeigt in seiner Schulmappe zahlreiche Produktabbildungen mit Firmenschriftzug sowie eine "Leistungskurve", die nach dem Verzehr von unter anderem Kölln-Flocken steil nach oben zeigt.
  • Auch Kellogg’s, Brandt Zwieback und Ferrero sind mit Bildungsmaterial oder Sponsoringaktivitäten samt Markenlogos an Schulen präsent.
  • Die Warsteiner-Brauerei ist bei Sponsorenläufen von Schulen präsent. Bei einem Lauf mussten teilnehmende Kinder durch ein Warsteiner-Werbebanner ins Ziel laufen.
  • Nestlé veranstaltete zumindest bis 2011 Schulwettbewerbe, bei denen auch Bildtermine mit ganzen Schulklassen vor Nestlé-Logos durchgeführt wurden.
  • Dr. Oetker - mit dem "Fleckenpudding" Paula ebenfalls für den "Goldenen Windbeutel" nominiert - hat gegenüber Foodwatch erklärt, seine mit Markenlogos und Paula-Kühen durchsetzten Arbeitsblätter für die erste bis dritte Klasse künftig nicht länger zu verbreiten. Für andere Produkte, so Foodwatch, mache Oetker in Mappen für Kindergärten und Grundschulen dagegen weiter direkt und indirekt Werbung.


Lebensmittelfirmen inszenieren sich als verantwortungsbewusste Unternehmen

Foodwatch glaubt, dass Lebensmittelhersteller mit solchen Werbemaßnahmen an Schulen schon die kleinsten Kunden an sich binden wollen. Sie machten den Kindern dabei vor allem Süßigkeiten, Snacks und Softdrinks schmackhaft und stellten diese Form der Absatzförderung als "Engagement" für die Bildung dar.

"Einerseits versucht die Lebensmittelindustrie mit den perfidesten Marketingmethoden und einem gigantischen Werbebudget alles, um Kindern möglichst viel Junkfood anzudrehen. Andererseits inszenieren sich die Hersteller als verantwortungsvolle Unternehmen, indem sie Ernährungsbildung oder Sportförderung unterstützen", kritisiert Huizinga von Foodwatch.

Produktproben werden in Kitas verteilt

Bei Werbeagenturen habe sich "Education Marketing" bereits als eigener Geschäftszweig etabliert. Die Agentur Spread Blue etwa bewerbe offensiv die Vorzüge der Werbung an Schulen und Kindertagesstätten. Dort heißt es: "Es gibt kaum einen anderen Ort, an dem Sie die Kinder und junge Familien konzentrierter vorfinden oder ansprechen können. Schon im Vorschulalter beherrschen viele Sprösslinge ein erstaunliches Repertoire an Werbesprüchen und -melodien, und von diesen bleibt offensichtlich auch einiges hängen."

Die Agentur bietet an, Postkarten oder Hefte mit Schokoladen- oder Pizzaduft an Schulen zu verbreiten. Konkurrent Blattwerkmedia rühmt sich, "zur Entlastung der Kindergartenkasse" Produktpakete mit Snacks, Fleischwürstchen oder Ketchup an Kitas verschickt zu haben.

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