Schnarchen
Schnarchkonzert im Kinderzimmer nicht unterschätzen11.09.2013, 14:40 Uhr | Simone Blaß, t-online.de
Wenn Kinder schnarchen, sollten Eltern handeln, denn es kann gefährliche Folgen haben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Kinder, die zu wenig geschlafen haben, sind unausstehlich. Quengelig, schlecht gelaunt und unaufmerksam. Doch was, wenn das Kind jeden Abend früh genug ins Bett geht und morgens doch nie ausgeschlafen ist? Dann könnte es am Schnarchen liegen. Denn was viele Eltern nicht wissen: Es kann dabei zu Atemaussetzern kommen, die den Schlaf und damit die Erholung des Kindes massiv stören. Und das kann gravierende Folgen für die Entwicklung haben.
Jedes Kind schnarcht mal, aber immerhin acht Prozent aller Kinder zwischen einem und sechs Jahren sägen Nacht für Nacht Wälder nieder. Betroffen sind mehr Jungs als Mädchen. Der Hauptgrund für kindliches Schnarchen ist eine Vergrößerung der Gaumen- beziehungsweise Rachenmandeln, den sogenannten Polypen und die dadurch entstehende schlechte "Belüftung". Die nächtlichen Atembeschwerden wirken sich schnell nachteilig aus: Die kleinen Schnarcher sind überdurchschnittlich häufig von Erkältungskrankheiten und Ohrinfektionen betroffen und sollten dann von einem Spezialisten untersucht werden.
"Es kann zu ausgeprägten Infekten kommen, wie zum Beispiel dauernden Mittelohrentzündungen und Ergüssen im Ohr", erklärt der Freiburger HNO-Arzt Michael Deeg. "Die Kinder hören dann schlecht und das wirkt sich auf die Sprachentwicklung aus. In manchen Fällen kommt es durch die nächtliche Störung der Atmung sogar zu Entwicklungsverzögerungen."
Der allnächtliche Kampf um Luft kann bei Kindern zu Verhaltensauffälligkeiten und zu Schwierigkeiten in der Schule führen. Sowohl amerikanische als auch deutsche Studien belegen, dass zum Beispiel der Anteil der Kinder mit schlechten Noten in der Gruppe der Schnarcher mit rund 30 Prozent fast doppelt so hoch ist wie in Kontrollgruppen.
"Bedenklich wird es, wenn zum Schnarchen eine komplette Verlegung der Atemwege kommt, was zu sogenannten Apnoen, also Atemaussetzern, führt", warnt die Schlafmedizinerin Dr. Barbara Schneider, Leiterin des Kinderschlaflabors in der LAndshuter Kinderklinik St. Marien. "Der Körper bemerkt diese missliche Lage und weckt sich selbst für einen Moment aus dem tiefen Schlaf auf. Durch eine Veränderung der Körperposition bekommt man wieder besser Luft. Das Problem ist aber, dass durch häufiges Selbstwecken der erholsame Schlaf empfindlich gestört wird."
Während Erwachsene bei Tagesmüdigkeit durchhängen und sich von einem Kaffee zum nächsten schleppen, kommt es bei Kindern zu einer Reaktion, deren Interpretation schlimme Folgen haben kann: "Die Kinder reagieren anders, überspielen ihre Müdigkeit mit einem aufgedrehten Verhalten", so die Schlafforscherin Dr. Sabine Scholle. Sie werden unruhig, hibbelig und zeigen ein Verhalten, das von der Umgebung als anstrengend empfunden wird. Die Leiterin des Zentrums für Schlaf- und Beatmungsmedizin am Robert-Koch-Krankenhaus Apolda kritisiert immer wieder, dass die Kinder dann aufgrund ihres zappeligen und unaufmerksamen Verhalten in Kombination mit schlechten schulischen Leistungen in die ADHS-Ecke gestellt und daraufhin fälschlicherweise mit Medikamenten behandelt werden.
Es gibt in Deutschland zahlreiche Schlaflabore, bei denen auch der kindliche Schlaf beobachtet wird. Nötig ist das allerdings nur in besonderen, begründeten Fällen. "Denn sehr oft sind die Gründe für das Schnarchen der Kleinen so offensichtlich", so Michael Deeg, dass die Untersuchung beim HNO-Arzt bereits Klarheit schaffe. "Und bei den meisten Kindern könnten die Eltern nach einer Behandlung fast schon schlagartig eine Verbesserung sehen."
Ein Schnuller für zwei Babys? Überhaupt kein Problem!
Deeg beschreibt, wie die Operation abläuft: "Die Behandlung besteht in der Regel darin, die vergrößerte Rachenmandel aus dem Nasenrachenraum abzutragen und in begründeten Fällen den überschüssigen Teil der Mandeln mithilfe eines Lasers zu entfernen. Unter Narkose, aber ambulant."
So behält das verbleibende Mandelgewebe seine Abwehrfunktion gegenüber Viren und Bakterien und bleibt weiter ein wichtiger Unterstützer des kindlichen Immunsystems. Zumindest sofern die Eltern nicht rauchen, denn auch Passivrauchen kann Schnarchen auslösen und das Immunsystem schwächen. "Die Polypen, die zum Immunsystem gehören, reagieren mit Abwehr gegen das Gift in der Luft und werden größer", so Barbara Schneider. Selbst, wenn nur ein Elternteil raucht und dazu sogar auf den Balkon geht, liegt das Risiko, dass das passiert, bei immerhin rund 60 Prozent.
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11.09.2013, 14:40 Uhr | Simone Blaß, t-online.de
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