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Behörde will Wachkomakind Dylan geliebte Hündin Tascha wegnehmen

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Wachkoma  

Bürokratie contra Kinderschicksal: Hündin Tascha muss weg!

29.11.2013, 10:32 Uhr | Maria M. Held, dpa, t-online.de

Behörde will Wachkomakind Dylan geliebte Hündin Tascha wegnehmen. Hündin Tascha bedeutet für den Wachkoma-Patienten Dylan Glück.   (Quelle: Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz/dpa)

Hündin Tascha bedeutet für den Wachkoma-Patienten Dylan Glück. (Quelle: Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz/dpa)

Bürokratie kann so unmenschlich sein. Doch manchmal ist das Mitgefühl stärker als Vorschriften: Im Drama um das seit der Geburt im Wachkoma liegende Kind Dylan (10) aus Schönwalde/Glien in Brandenburg, das seinen besten Freund Kampfhund Tascha verlieren soll, gibt es Hoffnung.

Jeden Tag ist Tascha bei Dylan, seit zehn Jahren. Hündin Tascha ist die beste Therapie für den zehnjährigen Dylan. Tascha erreicht auf ihre eigene Art, auf Hundeart den Wachkoma-Patienten, mit stupsen, kuscheln, lecken, wie Hunde eben Zärtlichkeit zeigen.

Für das Amt ist Tascha ein Kampfhund

Die sechsjährige Tascha ist ein zärtlicher Hund, aber sie soll jetzt weg, ins Tierheim, weil sie ein Staffordshire-Bullterrier-Mix ist und die gelten laut Hundehalterverordnung im Land Brandenburg seit dem Jahr 2000 als "Kampfhund". Sie stehen auf einer Liste der rassebedingt gefährlichen Hunde.

Wer in Deutschland so genannte Kampfhunde hält, muss spezielle Prüfungen vorweisen: die Halter ein Führungszeugnis und eine Sachkundeprüfung, der Hund einen Wesenstest. Außerdem ist Tascha kastriert. Für Dylans Familie ist sie eine Art Therapie-Hund. Doch die Behörden in Brandenburg machen keine Ausnahme.

Der Vierbeiner kam als Welpe in die Familie, die damals in Berlin lebte. Am Anfang hatte niemand gewusst, zu welcher Rasse er gehört. Als das dann klar war, wurde unter anderem der Hundeführerschein gemacht.

Damit es Dylan möglichst gut geht, sind seine Eltern mit den vier Kindern und Hund vor zwei Jahren von Berlin aufs Land gezogen. In Berlin waren Hunde wie Tascha nicht verboten, in Brandenburg schon, selbst wenn die entsprechenden Dokumente vorliegen. Der Hund muss die Familie verlassen, so schreibt es das Gesetz vor. Notfalls sollte er auch beschlagnahmt werden.

Tascha bringt Dylan das Leben

Dylans Mutter Barbara Herrndorf und sein Vater Eckhard Gerzmehle arbeiten abwechselnd, um aufopfernd 24 Stunden am Tag ihr Kind zu pflegen, das kurz nach der Geburt ins Wachkoma fiel. Jetzt muss er künstlich beatmet werden. Wachkoma-Patienten haben zwar die Augen geöffnet, nach Angaben von Ärzten aber ein eingeschränktes Bewusstsein. Maschinen halten das Kind am Leben, Tascha bringt Leben in Dylan, das beweisen die Ausschläge an den Geräten.

Dylan litt während der Geburt an akutem Sauerstoffmangel. Das ist der Grund für sein Leid. Die Begegnungen mit Tascha machen Dylan glücklich. Seine Mutter weiß das, gegenüber der Zeitung BZ sagt sie: "Ja, Dylan ist glücklich! Dylan reagiert auf Tascha erkennbar mit einer Senkung der Herzfrequenz und einer Beruhigung der Atemforderung." Sein Vater Eckhard Gerzmehle erzählt: "Wenn Tascha beim ihm liegt, wird der Junge viel ruhiger, Puls und Atmung entspannen sich". Auch der behandelnde Arzt stimmt dem zu. Doch das Ordnungsamt ist gnadenlos. Immer wieder kommt jemand vorbei, um den Fall zu prüfen.

Denn leider gab es einen Vorfall, der den Stein ins Rollen brachte. Tascha verletzte einen anderen Hund, wohl getrieben vom Instinkt, die eigene Familie zu schützen. Taschas Familie übernahm die Tierarztkosten, die Verletzung heilte gut, Tascha besuchte mit Herrchen und Frauchen Auffrischungskurse in der Hundeschule. Ein Vorfall, wie er unter Hunden immer wieder vorkommt. Damit könnte alles vorbei sein.

Welle des Mitgefühls - Empörung über Behörde

Aber es half nichts: Tascha muss weg. Die Behörden erteilen keine Ausnahmegenehmigung für Tascha, obwohl dies grundsätzlich möglich wäre.

Diese Geschichte ließ den Berliner Feuerwehrmann Jürgen Töpfer nicht los. Spontan startete er vor einer Woche eine Aktion im sozialen Netzwerk Facebook. "Innerhalb von zwei Stunden kamen bereits 2000 Likes", sagt er. Jetzt unterstützen schon 163.000 Facebook-User die Aktion "Unterstützt Wachkomakind Dylan und seinen Hund Tascha“.

"Ich bin überwältigt", sagt der 48-Jährige, der selbst Vater ist. Seit der Übersetzung der Seite ins Englische kommen auch Kommentare aus England, Amerika und asiatischen Ländern.

Im Ringen um das Bleiberecht für Tascha wird die Familie von der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz unterstützt. Vorsitzender Eisenhard von Loeper hofft auf ein Einsehen der zuständigen Behörde. "Der Junge braucht Tascha", betont er.

Die Hundehalterverordnung lässt nach Angaben von Bürgermeister Bodo Oehme (CDU) keinen Spielraum, bietet aber Ausnahmen. Nach Paragraph 15 fallen Blindenführ- und Behindertenbegleithunde darunter. Oehme erwartet nun bis Montag entsprechende Bestätigungen der Familie. "Die Entscheidung über Taschas Zukunft wird dann zeitnah getroffen", kündigt er an.

Vielleicht erweicht die Welle des Mitgefühls doch noch die Herzen der Bürokraten.

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