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Eine Tasse Tee hat lebenslange Folgen für die kleine Jaziba

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Verbrennungen bei Kindern  

Eine Tasse Tee hat lebenslange Folgen für die kleine Jaziba

06.12.2013, 11:19 Uhr | Monika Hillemacher, dpa

. Brandverletzungen: Die 16 Monate alte Jaziba, die bei einem Unfall im Gesicht verbrüht wurde, wird im Zentrum für Schwerstbrandverletzte in Offenbach behandelt. (Quelle: dpa/Daniel Reinhardt)

Die 16 Monate alte Jaziba, die durch ein Glas Tee im Gesicht verbrüht wurde, wird im Zentrum für Schwerstbrandverletzte in Offenbach behandelt. (Quelle: Daniel Reinhardt/dpa)

Einige tausend Kinder erleiden Jahr für Jahr schwere Verbrennungen durch heiße Getränke, brennende Kerzen oder am Kaminfeuer. Die meisten leiden ein Leben lang. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, wie das Schicksal der kleinen Jaziba zeigt.

Es sind manchmal die kleinen Dinge, die den größten Schaden anrichten. Der Leidensweg der 16 Monate alten Jaziba begann mit einem Becher Tee. "Es war im Zug von Ulm nach Wiesbaden. Ich wollte trinken, sie hat heftig die Arme bewegt, mir ist der Becher aus der Hand gefallen", erzählt die aus Pakistan stammende Mutter. Das heiße Getränk ergoss sich über Gesicht und Oberkörper ihrer Tochter. Die Haut verbrühte.

Verbrennungen sind häufigste Unfallursache bei Kleinkindern

Mehr als 6000 brandverletzte Kinder kommen jährlich ins Krankenhaus, wie die Initiative "Paulinchen" aus Norderstedt bei Hamburg schätzt. Sie hat daher den bundesweiten "Tag des brandverletzten Kindes" am 7. Dezember ausgerufen, um auf die Risiken für die Kleinen hinzuweisen. Denn sie sind am stärksten gefährdet.

"Etwa 80 Prozent aller Unfälle passieren zu Hause. Verbrühungen und Verbrennungen sind damit die häufigste Unfallursache bei Kleinkindern", sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin, Bert Reichert. Er fordert mehr Prävention. Der Leiter des Zentrums für Schwerbrandverletzte am Klinikum Offenbach, Henrik Menke, hat beobachtet: "Die Verletzungen steigen sprunghaft mit Krabbeln und Laufenlernen." Deutschlandweit gibt es rund 30 spezielle Zentren für Brandverletzungen.

Für Erwachsene warm, für Babys viel zu heiß

Die Kinder verletzen sich wie Jaziba meist in Alltagssituationen. Typisch sind die umgekippte Tasse Kaffee, Tee oder Glühwein, heißes Wasser aus Hahn und Wasserkocher, die Wärmflasche, die Herdplatte. Temperaturen ab 50 Grad richten Schaden an. "Was Erwachsene als angenehm warm empfinden, ist zum Beispiel für Babys glühend heiß", erläutert Markus Rose, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Der jüngste Patient, den er in Offenbach zusammen mit Menke betreute, war drei Monate alt. Dem Säugling verbrannte die im Mikrowellengerät zu stark erhitzte Babynahrung den Mund. Kein Einzelfall, wie Rose sagt. Kamine, Weihnachtskerzen, Silvesterknaller und der Grill gehören zu den saisonalen Gefahrenquellen. Bei Jugendliche häufen sich Stromschlagverletzungen beim sogenannten S-Bahn-Surfen oder Klettern auf Bahnwaggons - ein lebensgefährlicher Leichtsinn.

Verbrennungen können lebensgefährlich sein

Wie stark die Haut geschädigt wird, hängt von Hitze und Einwirkzeit ab. Schon acht Prozent zerstörter Körperoberfläche können lebensgefährlich sein. Operationen und unzählige Verbandswechsel machen die Behandlung ebenso langwierig wie schmerzhaft. Oft sind Transplantationen erforderlich.

Der kleinen Jaziba verpflanzten die Ärzte jüngst ein Stück Kopfhaut auf den rechten Arm. "Man sieht es hier. Aber es wird alles gut", hofft ihre Mutter und deutet auf die abheilende Wunde zwischen den schwarzen Locken ihrer Tochter. Viele Kinder kämpfen ihr Leben lang mit den Folgen. "Gelenke werden in Mitleidenschaft gezogen, nach Verbrühungen sind die Beine verkürzt, Arme und Hals können oft wegen der Narben nicht mehr richtig bewegt werden", zählt Menke auf. Manche Patienten seien dauerhaft auf spezielle Kompressionskleidung angewiesen.

Eltern kämpfen mit Schuldgefühlen

Die Eltern gehen unterschiedliche mit den Unfällen um. "Sie kämpfen mit Schuldgefühlen und machen sich Vorwürfe, weil sie vielleicht einen Moment nicht aufgepasst haben", sagt Anneliese Stapelfeldt von "Paulinchen". Die Initiative sieht sich als Anlaufstelle für betroffene Familien. Sie bekommen praktische Tipps, aber auch Trost.

Verzweifelte Väter und Mütter reagierten aber auch mit Aggressionen gegen sich und andere, manche würden depressiv, berichtet Mediziner Menke. Familien werden deshalb psychologisch betreut. Ab und zu müssen die Ärzte ihre jungen Patienten jedoch auch vor den eigenen Eltern schützen - wenn der Verdacht auf Misshandlungen bestehe.

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