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Depressionen bei Kindern: Was bringen Therapien?

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Depressionen  

"Tot und du bist frei" - Hilferufe depressiver Kinder

13.12.2013, 11:56 Uhr | mmh, t-online.de

Depressionen bei Kindern: Was bringen Therapien?. "Tot und du bist frei" - Depressionen sind für Kinder und deren Eltern eine kaum lösbare Krise.  (Quelle: WDR)

"Tot und du bist frei" - Laura (17) leidet an Depressionen. (Quelle: WDR)

"Tot und du bist frei" - hat ein Teenager solche Gedanken braucht er dringend professionelle Hilfe, wie die 17-jährige Laura. Depression heißt die Krankheit hinter dem großen Weinen und der erschreckenden Aggression gegen sich und andere. Woher kommt sie und welche Chancen haben Therapien bei Kindern? Die Geschichten von Luis (10) und Laura (17) erzählt die WDR-Reportage "Kleine Seelen - großes Leid" aus der Reihe "Menschen hautnah".

"Mama, ich wein doch nur, ich weiß zwar nicht warum, und mir geht es nicht gut, ich weine zwar die ganze Zeit, aber ich bin doch nicht krank!" erklärt Laura ihren Zustand, der sie und ihre Eltern an die Grenze gebracht hat. Dann hat ihre Mutter die 17-jährige Laura in die Psychiatrie in Hamburg-Eppendorf gebracht. Hier werden Kinder und Jugendliche behandelt. Auch die Eltern finden Hilfe.

Gesichter der Depression: Aggression, Wut, Suizidgedanken

Luis ist zehn Jahre alt und zu Beginn des Films zehn Wochen dort, es sollen insgesamt sieben Monate werden. Er hatte schon drei Jahre Therapie hinter sich, ohne dass es ihm geholfen hätte. "Ich habe Depressionen, aber ich merk das gar nicht, die gehen mir an der Wäsche vorbei, das ist mir scheißegal, ob ich welche habe", sagt er in seinem Zimmer zwischen Klettern und Lego-Spielen.

"Ich wollte ja selbst schon zustechen"

Die Reportage zeigt die vielfältigen Facetten der Krankheit Depression schon bei jungen Menschen: Laura weint und hat versucht, sich das Leben zu nehmen, Luis ist oft traurig, dann wird er aggressiv, auch gegen sich selbst. "Ich wollte ja selbst schon zustechen, weil ich keinen Bock mehr hatte, habe ich dann aber doch nicht gemacht", schildert Luis. "Wenn ich tot bin, gibt es ja welche, die traurig sind", sagt er mit großen Kinderaugen in die Kamera.

Seine Mutter erzählt mit tränenerstickter Stimme: "Wie soll ein erwachsener Mensch reagieren, wenn ein Kind mit zehn Jahren sagt, es bringt sich um? Wie reagiert man da als Erwachsener? Als Mutter? Ich steh da nur fassungslos davor und weiß es nicht." Luis spielt das Erstechen, mit Gesten, mit Bastelwerkzeug.

Hautnahe Eindrücke aus den Seelen der depressiven Jugendlichen

Es sind tatsächlich hautnahe Eindrücke aus den Seelen der depressiven Jugendlichen und der Erwachsenen, die sich um sie sorgen, Eltern und Therapeuten. Über mehrere Monate durfte die Autorin Andrea P. Dubois die beiden Kinder mit der Kamera begleiten - zu Hause und in der Klinik in Hamburg-Eppendorf (UKE) - und erkennen, an welche Grenzen die Psychiater stoßen können, wenn ihre Patienten Kinder sind. Solche Filme sind immer ein Wagnis, denn der Ausgang der Geschichte ist offen und dieser Film hat kein Happy End.

Verkannte Depression: Häufig falsche ADHS-Diagnose

Oberarzt Arthur Ballin muss professionell einen Weg finden, mit Depression, mit der "Bedrücktheit" der Kinder umzugehen. Im Schulkindalter zeigt sich oft eher ein expansives Verhalten, also aggressiv, "um die Traurigkeit nicht spüren zu müssen". Wut ist ein weiterer Mechanismus, um mit diesen Gefühlen irgendwie zurecht zu kommen. "Diese Kinder erhalten dann oft eine ADHS-Diagnose, die gar nicht zutreffend ist, weil sie in Wirklichkeit eine ganz andere Erkrankung haben."

Tatsächlich tun sich viele Ärzte schwer, Depressionen bei jungen Kindern zu diagnostizieren. Denn die Kinder verhalten sich anders als depressive Erwachsene: Sie sind häufig wütend und prügeln sich mit anderen Kindern. Luis beispielsweise will dieses Gefühl von Traurigkeit, welches er in sich trägt, nicht spüren und richtet deshalb seine Aggressionen gegen die Umwelt, aber auch gegen sich selbst.

Woher kommt die Traurigkeit?

Doch woher kommt diese Traurigkeit? Ballin, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, nennt verschiedene Ursachen: Weil man etwas verloren hat, das man vorher hatte. Traurig ist auch jemand, der etwas nie hatte. "Wenn sich ein psychischer Apparat nicht so entwickeln konnte, wie er es eigentlich hätte können, dann ist das auch eine psychische Depression, eine Traurigkeit."

Luis prägten die Ambivalenzen im Verhalten der Mutter, wie der Psychiater es nennt: Einerseits Zuwendung, andererseits Überforderung und die Aussage "eigentlich solltest du gar nicht da sein", die alles entwertet, "auch das was vorher schön war". Luis leidet und wehrt sich, auch gegen die Mutter, bis er mit dem Messer vor ihr steht. Der Punkt, an dem sie nicht mehr weiter weiß.

"Er hat keinen verlässlichen Boden", sagt Ballin, die Orientierung fehlt, das Kind kann sich nicht gut entwickeln. Das Selbstwertgefühl fehlt, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit folgen.

Eltern sind überfordert

Lauras Eltern hatten Angst, dass sie sich etwas antun könnte. Sie kam zwei Wochen in die Akut-Station, dann in die offene Station. Sie schläft viel, damit die Zeit vergeht, doch dann kommen die Gedanken, dass vielleicht das Herz aufhört zu schlagen und dass man einfach einschläft, nicht mehr lebt. "Ich find es nicht schlimm, wenn ich nicht mehr da bin, ich habe sowieso das Gefühl, es interessiert sich keiner für mich, in der Schule war es genauso", diese Gedanken ziehen durch ihren Kopf. Keiner soll wissen, wo sie jetzt ist, es ist ihr peinlich.

Vor drei Monaten war ihre Welt noch in Ordnung, mit viel Spaß auf der Klassenreise, doch dann plötzlich und ungewollt, löste sie sich ab. "Ich lebe ungewollt in meiner eigenen Welt, kriege nichts mehr mit und fühle mich von denen nicht verstanden". Keiner aus der Klasse hatte nachgefragt. Zur Traurigkeit kamen Todesgedanken.

Die werden in der Therapie sogar noch schlimmer, Laura hat zu viel Zeit nachzudenken, immer wieder wird sie in der Therapie an den Grund des Aufenthalts erinnert, sie bricht die Behandlung ab. "Man wünscht sich ein Kind, das fröhlich durch die Weltgeschichte geht, zuversichtlich mit Freude am Leben. Das harte Leben kommt noch", sagt die Mutter. Alle wollen helfen, doch es fällt schwer. Statt miteinander zu reden, streitet die Familie viel, Laura fühlt sich unverstanden, ist genervt. Manchmal ist sie bis zu sieben Stunden alleine in ihrem Zimmer, dann machen sich die Eltern Sorgen, das aber empfindet Laura als Kontrolle. Lauras Mutter weiß: "Das geht nicht weg wie Masern."

Gespräche und Medikamente gehören zur Therapie

Laura und ihre Mutter machen eine ambulante Therapie, Medikamente sollen Laura unterstützen, damit sie stark genug ist, die Behandlung durchzustehen.

Auch für Luis sind die Gesprächstherapien anstrengend: "Da wird immer geredet und geredet." Das nervt ihn. Die Ärzte setzen daher auf Tiefenpsychologische Technik. Auch Spielen gehört dazu. Über das Spielen wollen die Therapeuten Luis und seine Gefühle besser verstehen.

Luis ist seit Monaten in der Klinik, er geht dort zur Schule, er hat einen Freund gefunden, es geht ihm besser, doch seiner Mutter genügt das nicht. Die Haltung seiner Mutter beeinflusst auch Luis. Die Therapeuten empfehlen für ihn eine betreute Wohngruppe, bis das Verhältnis zu seiner Mutter geklärt ist. Der Klinikaufenthalt wird auf unbestimmte Zeit verlängert. Seine Reaktion: Frust und aggressive Gedanken.

Nach sieben Monaten wird er schließlich in eine heilpädagogische Wohngruppe kommen, in die er sich gut einlebt.

"Psychotherapie macht keinen Spaß"

"Psychotherapie ist nichts Schönes, es macht absolut keinen Spaß, es ist nicht angenehm", räumt Ballin ein. "Es geht um eine Auseinandersetzung mit etwas, das so schwer war, dass man es alleine nicht hingekriegt hat, und Jugendliche sagen dann manchmal, will ich nicht, und wenn die das sagen, dann ist da so. Psychotherapie, die dann verordnet wäre, wäre wirkungslos."

Laura hatte die Situation in den Griff bekommen, sie hat den Schulabschluss in der Tasche und versucht das Leben positiv zu sehen. Würde jemand fragen, würde sie von der Depression erzählen, aber ansonsten ist sie froh, nicht daran erinnert zu werden. Ihr Berufsziel Physiotherapeutin und seelisch stabil werden. "Die Phase kam plötzlich, ich hoffe, sie ist auch plötzlich wieder vorbei", sagt Laura.

Sport tut ihr gut, Rudern und Basketball, doch sie muss die Ausbildung abbrechen, es ging ihr zu schlecht. Typisches Anzeichen: keine Mimik, nur noch körperliche Anwesenheit.

"Der eine Gedanke: Tot und du bist frei"

Lauras Antrag auf eine stationäre Therapie wurde von der Rentenversicherung abgelehnt- ohne Angabe von Gründen. "Dann kommt nur noch der eine Gedanke: Tot und du bist frei. Ich mache mir schon Gedanken, wie ich mir das Leben nehme." Der Gedanke an die Eltern hält sie zurück.

Sie will ihr Leben ordnen, will aber nicht über die Zukunft reden, "denn wenn ich das tue, merke ich, ich krieg es nicht auf die Reihe, das macht mich dann wieder depressiv." Umso wichtiger wird ihr der Klinikaufenthalt. Ballin weiß: "Die Veränderung kommt durch den Patienten, der Teile aus der Beratung annimmt und umsetzt."

Der Stand am Ende des Films: Lauras Antrag ist doch noch genehmigt worden. Sie hat sich aber gegen einen Klinikaufenthalt entschieden. Sie nimmt weiterhin Medikamente, und ihr Zustand ist seit Längerem stabil.

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