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Zahnärzte fordern Vorsorgekonzept gegen "Nuckelflaschenkaries"

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Verheerende Entwicklung  

Karies ist die häufigste Erkrankung bei Kleinkindern

19.09.2014, 12:03 Uhr | AFP, dpa

Zahnärzte fordern Vorsorgekonzept gegen "Nuckelflaschenkaries". Schon die ersten Milchzähne sind anfällig für Karies.  (Quelle: dpa)

Schon die ersten Milchzähne sind anfällig für Karies. (Quelle: dpa)

Zahnärzte warnen vor einer Zunahme von Karies bei Kleinkindern. Im Vergleich zur Karies an den bleibenden Zähnen habe die Milchzahn-Karies in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Nach Angaben von Zahnärzte-Organisationen leiden zehn bis 20 Prozent der Kleinkinder in Deutschland daran. Sie fordern ein neues Vorsorgekonzept gegen "Nuckelflaschenkaries", aber die Krankenkassen sind dagegen.

Bereits bei Zwei- und Dreijährigen müssten Milchzähne gezogen oder Wurzeln gefüllt werden, sagte Christian Splieth, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde. Besonders betroffen sind Kinder von Eltern, die keine oder niedrige Schulabschlüsse haben, sowie Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund.

Das sind die Risikogruppen

In sozialen Brennpunkten komme Karies bei bis zu 40 Prozent der Kleinkinder vor. "Zwei Prozent der Kinder vereinen 52 Prozent des Kariesbefalls auf sich", schreiben die Zahnärzte-Organisationen.

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"Karies ist die häufigste Erkrankung von Kleinkindern im Vorschulalter", sagte Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Auch der Vize-Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dietmar Oesterreich, hält die Entwicklung dem Bericht zufolge für verheerend: "Wir kommen da nicht voran."

Die Karies ist an milchig-weißen bis hin zu braunen Verfärbungen erkennbar. Karies ist eine häufige Erkrankung der Zähne, bei der das sogenannte Zahnhartgewebe zerstört wird. Bei einer Kariesbehandlung entfernt der Arzt das erkrankte Zahngewebe und füllt anschließend den Zahn. Die Folgen von starkem Kariesbefall sind Probleme bei Gebiss- und Sprachentwicklung sowie beim Kauen.

Neues Vorsorgekonzept gegen Karies vorgestellt

Bei gezielter Vorsorge seien die Zahnärzte in der Lage, frühkindliche Karies zu vermeiden und erste Erkrankungen schmerzfrei zu heilen. Ein neues Vorsorgekonzept der Zahnärzteverbände sieht deshalb drei verpflichtende Früherkennungsuntersuchungen beim Zahnarzt zwischen dem sechsten und dem 30. Lebensmonat vor. Die Ergebnisse sollen wie auch die U-Untersuchungen beim Kinderarzt dokumentiert werden. Zudem sollen die Eltern über die richtige Mundhygiene und gesunde Ernährung aufgeklärt werden. Bisher ist der Zahnarztbesuch erst ab zweieinhalb Jahren vorgesehen, bis dahin sind die Kinderärzte zuständig.

Krankenkassen kritisieren das Ärztekonzept

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) reagierte mit Unverständnis auf die Forderung der Zahnärzte. "Rivalisierende Konzepte verschiedener ärztlicher Professuren helfen da also nicht," erklärte die stellvertretende Verbandssprecherin Ann Marini. Nötig sei vielmehr eine bessere Zusammenarbeit von Kinder- und Zahnärzten.

"Gerade weil Karies bei kleinen Kindern kein durchgängiges Problem ist, sondern nur bei bestimmten Elterngruppen auftritt, sollten die klassischen Früherkennungsuntersuchungen beim Kinderarzt bleiben", sagte Sprecherin Ann Mariani. Idealerweise kenne der Kinderarzt seine jungen Patienten von Geburt an, so dass er Eltern früh aufklären und beraten könne.

Viele Zahnschäden entstehen in den ersten drei Jahren

Doch die Fakten sprechen für die Forderung der Zahnärzte: Schätzungsweise die Hälfte aller Kariesschäden an den Zähnen von Erstklässlern ist Oesterreich zufolge bereits in den ersten drei Lebensjahren entstanden. Nur wenigen Eltern sei klar, dass Zahnpflege schon bei den Jüngsten erforderlich ist. Im Alter von null bis drei Jahren bestehe eine Informations- und Versorgungslücke. Dabei ließen sich Zahnschäden in diesem Alter gut vermeiden, wenn Eltern rechtzeitig vor dem Durchbruch der ersten Milchzähne systematisch aufgeklärt würden. Am besten informieren sie sich schon während der Schwangerschaft.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) weist darauf hin, dass Milchzähne besonders kariesanfällig sind, weil ihr Zahnschmelz weniger robust ist als der von den bleibenden Zähnen. Milchzahnkaries sei für die betroffenen Kleinkinder "oft sehr schmerzhaft", betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, Christian Splieth.

Schon den ersten Milchzahn putzen

Schon der erste Milchzahn braucht gründliche Pflege. Denn gesunde Milchzähne sind unter anderem die Voraussetzung dafür, dass ein Kind richtig sprechen lernt. Sie sind auch wichtig dafür, dass das Kind altersentsprechend an Gewicht zulegt und nicht Gefahr läuft, ausgegrenzt zu werden.

Die Eltern sollten schon die ersten Zähnchen, sobald sie sich zeigen, vorsichtig mit einem Wattestäbchen oder einer Kinderzahnbürste reinigen. Erst ab etwa dem dritten Lebensjahr sollte Zahnpasta zum Einsatz kommen, wenn das Kind die Masse ausspucken kann. Ab diesem Alter können Kinder sich meist schon selbst die Zähne putzen, Eltern sollten aber bis zum Schulbeginn noch einmal nachputzen.

Nuckelflaschenkaries vermeiden

Besonders gefährdet sind die Zähne von Kindern, die ununterbrochen an einer Flasche mit gesüßtem Tee oder ähnlichem nuckeln. Dadurch werden die Zähne ständig von Zucker umspült. Diese früh auftretende, gut vermeidbare Erkrankung wird auch als Nuckel- oder Saugflaschenkaries bezeichnet.

Karies an den Milchzähnen sei aber "genauso schmerzhaft wie an bleibenden Zähnen", erklärte Reinhard Schilke vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Medizinischen Hochschule Hannover. Auch entwickelten die betroffenen Kinder mehr Karies an den zweiten Zähnen.

Eltern ohne gute Bildung wüssten oft auch nicht, dass sie bereits Säuglingen die ersten Milchzähne putzen müssten. "Das sind nur ein bis zwei Minuten am Abend", sagte Eßer. "Aber man muss das wissen." Mütter und Väter müssten aber auch auf die eigene Mundhygiene achten - und sie sollten auch nicht den Nuckel ihrer Babys ablecken.

Insgesamt gehen Karieserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland jedoch zurück. Laut BZÄK zeigt sich aber eine deutliche Schieflage bei der Verteilung der Karies auf Kinder aus Familien in sozial schwierigen Lebenslagen. Es sei davon auszugehen, dass 60 bis 80 Prozent aller kariösen Zähne auf eine Gruppe von zehn bis 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen entfallen, betonte Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). Dies sei ein Signal dafür, dass es in diesen Familien am Vorsorge-Gedanken mangele und das nötige Wissen fehle.

Die Zahnärzteschaft fordert deshalb seit längerem deutlich frühere Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt. Ziel sei es, gesetzliche Rahmenbedingungen für einen Zahnarztbesuch ab dem ersten Lebensjahr zu schaffen. Bislang sind diese Kontrollen in der gesetzlichen Krankenversicherung erst bei Kindern ab zweieinhalb Jahren vorgesehen.

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