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Foodwatch protestiert gegen Quengelkassen

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Profit auf Kosten von Eltern  

Supermärkte machen satte Gewinne mit Quengelkassen

13.06.2014, 08:38 Uhr | Annika Graf, dpa

Foodwatch protestiert gegen Quengelkassen. Verbraucherschützer wollen "Quengelware" aus der Kassenzone verbannen. (Quelle: dpa)

Verbraucherschützer wollen "Quengelware" komplett aus der Kassenzone verbannen. (Quelle: dpa)

Ein Einkauf im Supermarkt mit kleinen Kindern ist meistens anstrengend, aber die größte Herausforderung erwartet Eltern an der Kasse. Die Wartezeit ist lang, die Regale sind voll mit bunten Süßigkeiten in Kinderaugenhöhe, schon geht das Quengeln los und Erziehungsprinzipien werden auf eine harte Probe gestellt. Verbraucherschützer fordern, dass Süßwaren von den Kassen verbannt werden. Dazu sind die wenigsten Handelsketten bereit.

Das Geschäft kurz vor dem Ausgang ist für den Handel besonders lukrativ: Obwohl der Kassenbereich in der Regel nur ein Prozent der Ladenfläche einnimmt, liegt der Umsatzanteil in Supermärkten nach Daten des Handelsinstituts EHI bei sechs bis sieben Prozent. Neben Süßigkeiten machen laut einer Untersuchung des Instituts Tabakwaren den größten Anteil der Waren an Kassen aus."Impulsware" heißen solche Produkte im Fachjargon, weil Kunden einfach ohne nachzudenken zugreifen.

Foodwatch-Protestaktion gegen Quengelkassen bei Lidl

Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch hat kein Verständnis für solche Interessen. 15 Prozent der Kinder in Deutschland gelten als zu dick. Huizinga macht dafür auch das Überangebot an Süßigkeiten verantwortlich. Foodwatch sieht die Handelskonzerne deshalb in der Verantwortung und startete jüngst eine E-Mail-Aktion, um den Discounter Lidl dazu zu bringen, Süßigkeiten an deutschen Supermarktkassen abzuschaffen.

UMFRAGE
Sollten Süßigkeiten von Supermarktkassen verbannt werden?

In Großbritannien hat Lidl das schon getan. Statt Süßigkeiten werden dort Nüsse und Obst angeboten - offiziell, um Eltern den Einkauf zu erleichtern. In Deutschland sei man aber erst in einer "Projektphase", sagt eine Sprecherin. Ob und wann der Süßkram auch hier von den Lidl-Kassen verschwindet, ist also noch offen.

Wo es schon Kassen ohne Süßwaren gibt

Andere Einzelhändler sind da schon weiter: Bei der ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehörenden Kaufland-Kette gibt es seit Jahren in jeder Filiale eine extra gekennzeichnete süßwarenfreie Kasse. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kunden mit kleinen Kindern diese Serviceleistung gerne annehmen", erklärt eine Sprecherin. Stattdessen würden dort Artikel des täglichen Bedarfs wie Batterien, Handyladekabel, Drogeriewaren oder auch Einkaufsgutscheine platziert.

Auch bei der Warenhauskette Real verzichtet man an einzelnen Kassen auf Schokolade und Kaugummis. Das ergebe sich ganz von selbst, da das Unternehmen auch viele andere Produkte wie Telefonkarten, Tabak oder Batterien anbiete, sagt ein Real-Sprecher.

Bei Aldi Süd gibt es nach Unternehmensangaben keine grundsätzliche Festlegung in der Süßwarenfrage, ebenso wie bei den genossenschaftlich organisierten Edeka-Märkten. Märkte mit süßwarenfreien Kassen seien zwar noch nicht die Regel, würden aber bei Neu- oder Umbauten immer häufiger gewählt, so ein Edeka-Sprecher.

"Es gibt zunehmend Händler, die sagen 'ich halte mir die Kasse frei'", sagt Einzelhandels-Experte Marco Atzberger vom EHI. Es gehe im Handel immer mehr nicht nur um Produkte, sondern um das gesamte Einkaufserlebnis. Beim Discounter könne der Verzicht auf Quengelware beispielsweise ein Konzept sein, den sorgfältig geplanten Einkauf zu unterstützen.

"Es wäre Wahnsinn, auf diese Umsätze zu verzichten"

Dass die Kassenzone allerdings komplett von Kaufanreizen freigeräumt wird, ist nicht zu erwarten. "Ein Händler wäre wahnsinnig, wenn er auf diese Umsätze verzichten würde", heißt es bei einem der großen deutschen Handelskonzerne. Nach Einschätzung des Branchenkenners lässt sich mit anderen Produkten dort viel mehr Gewinn machen als mit Süßigkeiten - etwa mit Tabak, Alkohol oder Batterien.

"Ich kann mir vorstellen, dass verstärkt andere Produkte angeboten werden", sagt auch Joachim Pinhammer vom Analystenhaus Planet Retail. Eine andere Entwicklung könnte seiner Meinung nach dafür sorgen, dass in Zukunft weniger Quengelware angeboten wird: Selbstbedienungskassen. Die seien zwar in Deutschland noch kaum verbreitet. Sollte sich das Konzept durchsetzen, werde es schwieriger, an der Kasse Umsätze zu generieren. "Der Kunde hat dann keine Wartezeit mehr, die er sich vertreiben muss."

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