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Studie: Kinder lernen beim Schlafen mehr als Erwachsene

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Was passiert im Schlaf?  

Kinder lernen beim Schlafen mehr als Erwachsene

28.03.2014, 13:56 Uhr | dpa, t-online.de

Studie: Kinder lernen beim Schlafen mehr als Erwachsene. Für das Lernen und ein funktionierendes Gedächtnis ist ausreichender Schlaf unverzichtbar. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für das Lernen und ein funktionierendes Gedächtnis ist ausreichender Schlaf unverzichtbar. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mit der Zeitumstellung naht für so manchen auch ein Schlafproblem, zumindest kurzfristig. Doch genügend Schlaf ist nicht nur für die Gesundheit von großer Bedeutung. Wenn Kinder und Jugendliche vor einer schwierigen Klausur noch bis in die Puppen lernen, ist das die falsche Strategie. Denn ausreichender und guter Schlaf ist wichtig, um Gelerntes zu festigen, das steht fest. Wie das jedoch im Detail passiert, ob der Traum- oder Tiefschlaf dafür den Ausschlag gibt, ist auch für Experten noch ein Rätsel.

Das Gehirn bei Nacht ist wesentlich weniger durchleuchtet als das bei Tag. "Aber es arbeitet nachts mindestens ebenso kompliziert, wahrscheinlich sogar noch komplizierter", sagt Dieter Kunz, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin am St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin.

Die Bedeutung der REM-Phase

Etwa im 90-Minuten-Rhythmus wechseln beim Menschen Tief- und Traumschlaf ab, wobei zu Beginn der Nacht die Tiefschlafphasen und gen Morgen die Traumschlafphasen länger sind. Kunz und sein Team veröffentlichen in Kürze eine Studie im Fachjournal "Sleep", die zumindest für das prozedurale Lernen, also das Erlernen automatisierter Vorgänge wie Radfahren oder Laufen, die Bedeutung des Traum- oder REM-Schlafes hervorhebt.

UMFRAGE
Wie lange sollten Kinder im oder am Bett der Eltern schlafen?

REM steht für Rapid-Eye-Movement und beschreibt die rasche Augenbewegung unter geschlossenen Lidern im Traum. "Die Probanden erhielten ein Antidepressivum, das den REM-Schlaf unterdrückt", erläutert Kunz. Nach dem Schlaf mussten sie in visuellen Tests bei bestimmten optischen Signalen blitzschnell einen Knopf drücken. Dabei schnitten die Probanden aus der Placebo-Gruppe, also mit REM-Schlaf, deutlich besser ab.

Für das Gedächtnis ist der Schlaf unverzichtbar

Für das explizite Lernen, also etwa fürs Pauken von Vokabeln oder Geschichtsdaten, ist es vermutlich gerade die Kombination der verschiedenen Schlafphasen, die die Fakten dauerhaft abspeichert. Doch Lernen heißt noch viel mehr: "Das Gedächtnis, das im Schlaf gebildet wird, ist kein passiver Prozess, wo sozusagen einfach Klebstoff über die Inhalte kommt, um sie zu fixieren. Es ist ein aktiver Vorgang, ein Abstraktionsprozess weg von der einzelnen erlebten Episode hin zum semantischen Gedächtnis", sagt der Leibniz-Preisträger und Schlafforscher Jan Born von der Universität Tübingen.

Lerneffekt im Schlaf bei Kindern besonders groß

Für seine neuesten Studien nahmen er und sein Team speziell den Tiefschlaf ins Visier. Sie ließen ihre Probanden im Erwachsenen- und Kindesalter zunächst ebenfalls ein "Button-Down-Spiel" machen, bei dem bei scheinbar willkürlichen Lichtsignalen schnell ein Knopf gedrückt werden musste. Tatsächlich waren die Lichtsignale in einem komplexen Muster geschaltet, was jedoch keinem Teilnehmer bewusst auffiel. Nach dem Schlafen kam dann der zweite Testdurchlauf - und alle schnitten deutlich besser ab.

Vor allem aber bei den Kindern, die von Natur aus mehr Tiefschlafphasen haben, fiel die Steigerung auf. Wahrscheinlich werden im Schlaf die Reize erneut durchgespielt, so Born. Vor allem die Kinder hätten die verborgenen Muster erkannt. "13 der 15 Kinder konnten die gesamte Sequenz auswendig", berichtet Born. "Und es ist die Tiefschlafphase, in der das passiert."

Je tiefer der Schlaf, desto besser die Gedächtnisleistung

In einem weiteren Versuch machte sich Born deshalb daran, die Tiefschlafphasen zu verbessern. Mit leisen Tonimpulsen, die synchron zum langsamen Deltawellen-Rhythmus des Tiefschläfer-Gehirns geschaltet wurden, gelang es, die Frequenzen weiter zu verlangsamen, die Ausschläge zu erhöhen. "Der Tiefschlaf wird tiefer, die Gedächtnisleistung wird größer", schließt Born.

Bei älteren Menschen nehmen die Tiefschlafphasen ab. Könnte ihnen ein besserer Tiefschlaf auch wieder zu mehr Gedächtnisleistung verhelfen? "Man kann den Tiefschlaf bei Älteren verbessern, aber die Effekte sind nur moderat", sagt Born. "Das alte Gehirn produziert einfach nicht mehr so viele langsame Wellen."

Wie viel Schlaf sollte es sein?

Mindestens sieben Stunden Schlaf in dunkler Umgebung und ausgerichtet an der inneren Uhr bleibt deshalb der vorrangige Rat an alle, die über Nacht etwas lernen wollen.

Experten sind sich einig, dass der Schlafbedarf bei Kindern und Teenagern höher liegt. Grundsätzlich ist Schlafen etwas sehr Individuelles. Der Tabelle lassen sich jedoch Richtwerte nach Altersgruppen entnehmen:

Alter

Schlafbedürfnis

bis zu 3 Monaten

16-18 Stunden

4 - 5 Monate

14-15 Stunden

6 - 12 Monate

13 Stunden

1 - 4 Jahre

12 Stunden

5 - 6 Jahre

11,5 Stunden

7 - 9 Jahre

11 Stunden

10 - 11 Jahre

10,5 Stunden

12 - 13 Jahre

10 Stunden

14 - 16 Jahre

9 Stunden

(Quelle: familienhandbuch.de)

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