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Säugling: Was ist nur mit dem Baby los?

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Fieber und Herzrasen  

Ein rätselhafter Patient: Baby, was ist bloß los?

31.03.2014, 10:46 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Säugling: Was ist nur mit dem Baby los? . Säugling: Was ist nur mit dem Baby los?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Einem Säugling geht es plötzlich schlecht. Im Krankenhaus entdecken die Ärzte Flüssigkeit in der Lunge - und ein Problem im Blut. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Dem Säugling geht es plötzlich sehr schlecht: Er hat Fieber, erbricht sich, das Herz rast, er schnappt nach Luft. Im Krankenhaus entdecken die Ärzte Flüssigkeit in der Lunge - und ein Problem im Blut. Das bringt die Mediziner auf die richtige Spur.

Der Patient ist erst 35 Tage alt. Seine Mutter sorgt sich, weil der Säugling unruhig wirkt, seine Haut blass und zu warm erscheint, er schließlich einmal erbricht. Am nächsten Tag rast sein Herz, er erbricht erneut. Sie bringt ihren Sohn zum Kinderarzt. Das Baby fiebert, die Haut ist fleckig, ein Warnzeichen, das auf ein Problem mit der Sauerstoffversorgung hinweist. Sofort wird der kleine Patient in die Notaufnahme eines Krankenhauses gebracht.

Sein Herz rast mit 172 Schlägen in der Minute, der Blutdruck ist erhöht und der Säugling schnappt 64-mal in der Minute nach Luft - selbst für ein Baby deutlich zu hektisch. Über seinem Brustbein und zwischen den Rippen zieht sich die Haut beim Atmen zusammen, so schwer arbeitet der Körper.

Säugling bekommt Bluttransfusion

Sofort machen sich die Ärzte auf die Suche nach der Ursache, nehmen Blut ab und in einer Lumbalpunktion etwas von der das Gehirn umspülenden Flüssigkeit (Liquor). Auffallend ist der von Blut dunkelrot gefärbte Urin. Im Blut mangelt es deutlich am für den Sauerstofftransport verantwortlichen Hämoglobin. Das Blutbild zeigt den Verlust von Erythrozyten, eine Hämolyse. Noch bevor die Mediziner wissen, was genau die Ursache dafür ist, behandeln sie mit Antibiotika und Flüssigkeit, außerdem bekommt das Baby so schnell wie möglich eine Bluttransfusion.

Sobald der Patient einigermaßen stabil erscheint, schicken die Ärzte ihn mit dem Rettungsdienst weiter ins renommierte Massachusetts General Hospital in Boston, berichten Phoebe Yager und ihre Kollegen im "New England Journal of Medicine". Vor seiner plötzlichen schweren Krankheit war der Säugling gesund. Die Eltern berichten den Ärzten, sie hätten vor kurzem einen Schnupfen gehabt, sonst nichts.

Der Zustand des Babys hat sich nicht gebessert. In seiner Lunge sehen die Mediziner bei einer Röntgenaufnahme Flüssigkeit, ein Lungenödem. Außerdem ist die Milz deutlich vergrößert.

Eine angeborene Fehlbildung des Herzens?

Die Symptome können bei Säuglingen von angeborenen Fehlbildungen des Herzens oder Stoffwechselkrankheiten ausgelöst werden, das Herz aber ist für ein Kind seines Alters normal. Eine andere mögliche Ursache sind Bakterieninfektionen, weshalb die Ärzte von Anfang an mit Antibiotika behandelt haben. Doch vor allem die Ergebnisse der Lumbalpunktion machen eine bakterielle Meningitis, eine Hirnhautentzündung, unwahrscheinlich.

Die Mediziner haben einen Verdacht, was stattdessen hinter der plötzlichen, schweren Erkrankung stecken könnte. Die Ärzte im ersten Krankenhaus berichten ihren Kollegen im Massachusetts General Hospital, in einem Blutausstrich seien unter dem Mikroskop in mehr als einem Drittel der Erythrozyten ringförmige Strukturen zu sehen - mutmaßlich handelt es sich um Parasiten. Die Symptome - Fieber, Blutverlust, Erythrozytenmangel, vergrößerte Milz, Atembeschwerden, blutiger Urin und auch krankhaft erhöhte Leberwerte - sprechen für eine Infektion mit dem Erreger Babesia microti.

Der Parasit löst die Babesiose aus, die meist ohne Beschwerden verläuft. Bei Säuglingen, älteren Menschen und immungeschwächten Patienten kann es jedoch zu einer schweren Krankheit kommen. Bei manchen Patienten ähneln die Symptome einer Malaria, doch Mutter und Kind waren in diesem Fall in keinem Malariagebiet. Kopfzerbrechen bereitet den US-Ärzten der Infektionsweg: Es gibt keinen Hinweis auf einen Zeckenbiss bei dem Säugling. Wie hat er sich angesteckt?

Urlaubsreise in der Schwangerschaft

In der 32. Schwangerschaftswoche hatte die Mutter Urlaub auf einer der Inseln vor der Küste von Massachusetts gemacht. Zwar erinnert sie sich nicht an einen Zeckenbiss und war auch nicht krank - doch viele Erwachsene nehmen Zeckenbisse nicht wahr. Und bei ihnen verläuft die Babesiose meist ohne Beschwerden. Die Parasiten können anschließend monate- oder jahrelang in den Erythrozyten der Patienten bleiben und rund um die Geburt das ungeborene Kind infizieren. Entsprechend der Inkubationszeit der Babesiose würde das Kind dann wie in diesem Fall in den ersten vier bis fünf Lebenswochen erkranken. Die Ärzte halten diesen Übertragungsweg für wahrscheinlich. Die Vermutung bestätigt sich bei späteren Untersuchungen der US-Seuchenschutzbehörde CDC.

Um die Sepsis des Säuglings effektiv zu behandeln, reicht eine Antibiotikabehandlung allein schließlich nicht mehr aus. Die Ärzte befürchten, dass Bluttransfusionen die ständige Zerstörung der Erythrozyten nicht stoppen. Sie entschließen sich zu einer Austauschtransfusion: Sie entziehen dem Säugling das von Parasiten und Entzündungsbotenstoffen befallene Blut und transfundieren ihm gleichzeitig unbelastetes. Die aufwendige Prozedur wird bei Malariapatienten in schweren Fällen empfohlen, für die Babesiose gibt es zu wenige Daten, es ist ein Versuch.

Kaum Parasiten mehr nachweisbar

Nach der Austauschtransfusion hat sich die Parasitenbelastung im Blut des Babys halbiert, in den folgenden Tagen geht es ihm besser. Nach sechs Tagen kann der kleine Patient die Intensivstation verlassen, am achten Tag sind die Parasiten in seinem Körper kaum noch nachzuweisen, nach drei Wochen ganz verschwunden. Bei einer Nachuntersuchung geht es ihm gut.

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