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Dyskalkulie: Wenn Rechenschwäche den Alltag belastet

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Dyskalkulie  

Wenn Rechenschwäche den Alltag belastet

31.08.2016, 15:07 Uhr | Katrin Zeiß, dpa

Dyskalkulie: Wenn Rechenschwäche den Alltag belastet. Eine Rechenstörung beeinträchtigt nicht nur die Schulnoten.  (Quelle: dpa)

Eine Rechenstörung beeinträchtigt nicht nur die Schulnoten. (Quelle: dpa)

Sie haben Zahlensalat im Kopf: Schätzungsweise vier Millionen Menschen in Deutschland kämpfen mit Dyskalkulie, einer angeborenen Rechenstörung. Das beeinträchtigt den kompletten Alltag – nicht nur in der Kindheit.

Zum Einkaufen zieht der Berliner Helge Pfeffer immer mit dem Taschenrechner los. Ohne die elektronische Rechenhilfe könnte er die Summe, die er bezahlen muss, nicht abschätzen. "Im Kopf überschlagen, das funktioniert gar nicht", beschreibt der 22 Jahre alte, ausgebildete Fremdsprachensekretär sein Problem mit Zahlen und Rechnen, das er seit seiner Kindheit hat. Pfeffer kämpft mit Dyskalkulie, einer angeborenen Rechenstörung, die die Betroffenen ein Leben lang begleitet.

Dyskalkulie - kein seltenes Phänomen

In Deutschland ist das Phänomen gar nicht so selten. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) geht von vier Millionen Betroffenen aus. Wer eine Dyskalkulie hat, kommt mit einfachsten Rechenoperationen wie Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren nicht klar. Betroffenen gehe das Verständnis für die sich hinter Zahlen verbergenden Mengen- oder Entfernungsangaben völlig ab, erläutert Verbandsgeschäftsführerin Annette Höinghaus. "Das ist, wie wenn man eine Fremdsprache nicht versteht."

UMFRAGE: DYSKALKULIE
Angeborene Rechenschwäche - müsste da mehr getan werden?

Das sind die Alltagsprobleme

Im Alltag bereitet die Dyskalkulie zum Beispiel Schwierigkeiten, Fahrpläne zu interpretieren, Kaufangebote zu checken oder den Kontostand einzuschätzen. Beim Einkaufen behelfen sich Betroffene meist mit der EC-Karte, um Problemen mit dem Wechselgeld zu entgehen. Auch die Uhrzeit ist oft eine Hürde. Helge Pfeffer zum Beispiel kommt nur mit einer klassischen Uhr mit Zeiger einigermaßen klar.

Erste Symptome für Dyskalkulie bei Schülern

Ein mögliches Anzeichen für Dyskalkulie ist, wenn Kinder auch Jahre nach dem Schuleintritt noch mit den Fingern zählen und überdurchschnittlich lange über einfachen Aufgaben brüten. Bei Helge Pfeffer wurden Eltern und Lehrer stutzig, weil er als Zweitklässler Zahlen spiegelverkehrt geschrieben hatte. Ein Test beim schulpsychologischen Dienst ergab die Diagnose Dyskalkulie. Einen Symptom-Test für Dyskalkulie finden Eltern auch auf der Seite dyskalkulie.de, die vom Verein für Lerntherapie und Dyskalkulie München betrieben wird.

Mathe pauken hilft nicht

"Meine Eltern haben sich bemüht, schnellstmöglich eine Lösung zu finden", erinnert sich Helge Pfeffer. Sie hätten viel Geld in Nachhilfeunterricht gesteckt. Doch das habe wenig gebracht. "Ich habe das Gefühl, dass ich immer dem fahrenden Zug hinterhergelaufen bin."

Bei Dyskalkulie helfe die einfache Wiederholung von Schulstoff nicht, bestätigt Höinghaus. "Nötig ist eine gezielte Lerntherapie, die den Kindern auf individuelle Weise einen Zugang zu Zahlen und Mengen verschafft."

Der Irrtum der Lehrer

Die Suche nach geeigneten Therapeuten sei auf einem immer unüberschaubarer werdenden Fördermarkt jedoch nicht einfach. Ein Berufsbild "Dyskalkulie-Therapeut" gebe es nicht. Auch in der pädagogischen Ausbildung finde Dyskalkulie kaum Berücksichtigung. "Viele Lehrer denken, dass sich das Problem mit fleißigem Lernen schon beheben lässt", hat auch Helge Pfeffer erlebt.

Für ihn waren schlechte Mathematiknoten Schulalltag, was er durchaus als bedrohlich erlebte: "Dyskalkulie gefährdet den kompletten Schulabschluss." Mit großem Willen, Ehrgeiz und Fleiß hat er es dennoch zur mittleren Reife und zum Berufsabschluss gebracht und im vergangenen Jahr sogar sein Fachabitur bestanden. "Darauf bin ich ziemlich stolz."

BVL für Nachteilsausgleich für Schüler mit Dyskalkulie

Der BVL plädiert dafür, Kindern mit Dyskalkulie in der Schule einen Nachteilsausgleich zu gewähren. Die Schüler sollten in Klassenarbeiten zum Beispiel Anleitungen für Rechenoperationen verwenden dürfen, so Höinghaus. "Ohne solche Hilfen werden die Kinder für ihre Störung bestraft." Sie wünscht sich auch, dass die Mathematiknoten bei Dyskalkulie-Schülern einen geringeren Stellenwert im Notendurchschnitt bekommen oder die Schulen bei ihnen gänzlich auf Mathematiknoten verzichten.

Helge Pfeffer hat nach langer Suche zwei Teilzeitjobs in einem Fortbildungsinstitut und einem Cateringunternehmen gefunden. An seiner Rechenstörung stößt sich hier niemand. "Für mich ist das ein Schritt auf dem Weg in die Vollbeschäftigung."

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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