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Organtransplantation: Drama um herzkranken Jungen Muhammet

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Drama um herzkranken Jungen  

Klinik lehnt Herztransplantation für den kleinen Muhammet ab

15.08.2014, 10:08 Uhr | Isabell Scheuplein, dpa

Organtransplantation: Drama um herzkranken Jungen Muhammet. Organspende: Seit März wartet ein kleiner Junge aus der Türkei in der Uniklinik Gießen auf die rettende Herztransplantation.  (Quelle: dpa)

Seit März wartet ein kleiner Junge aus der Türkei in der Uniklinik Gießen auf die rettende Herztransplantation. (Quelle: dpa)

Der kleine Muhammet aus der Türkei sollte in Gießen ein neues Herz bekommen. Nur eine Organspende kann das 21 Monate alte Kind retten, das an einer angeborenen Herzschwäche leidet. Nun lehnt die Uniklinik Gießen den bereits geplanten Eingriff ab. Eltern und Klinik haben sich in einen erbitterten Streit verheddert.

Grund für die Ablehnung der Organtransplantation ist ein Hirnschaden, den der Junge kurz vor dem Transport nach Hessen infolge eines Herzstillstandes erlitten hat. Ist ein anderes Organ geschädigt, untersage die geltende Gesetzeslage eine Transplantation - so sieht es das Klinikum. Für die Eltern ist die Entscheidung ein Schock.

"Auch mein Sohn hat ein Recht zu leben"

Die Eltern hatten bereits eine große Geldsumme für Behandlung an die Klinik überwiesen. Als sie nach ihrer Ankunft im März in Gießen erfahren, dass er nun doch nicht auf die Warteliste für ein neues Herz gesetzt wird, wollen sie es nicht glauben. Denn sie beobachten Fortschritte bei ihrem kleinen Sohn. Liegt tatsächlich ein dauerhafter Hirnschaden vor, wie von den Ärzten diagnostiziert? "Mein Sohn hat genauso ein Recht zu leben wie andere Kinder", sagt der Vater der "Süddeutschen Zeitung".

Drohungen gegen die Klinik in Gießen

Das Paar verlangt die lebensrettende Operation und beginnt, um Unterstützer zu werben. Einer Facebook-Gruppe schließen sich Zehntausende an. Einige davon richten schwere Vorwürfe gegen die Klinik: Das Spenderorgan werde dem Jungen nur deshalb vorenthalten, weil er aus der Türkei komme. Dazu werden Drohungen ausgesprochen.

Das Klinikum spricht von schier zahllosen Anrufen und Anfragen, die den Alltag auf der Station fast unmöglich machten. Die Mitarbeiter würden von Fürsprechern der Eltern auch körperlich bedrängt und bedroht. Das sei soweit gegangen, dass nun sogar ein Sicherheitsdienst das Kinderherzzentrum schützen müsse, sagt ein Sprecher. Auch das Vertrauensverhältnis zu den Eltern sei beschädigt.

Welche Klinik nimmt Muhammet auf?

Inzwischen teilte die Klinik mit, dass sie den Jungen verlegen will. "Für uns heißt das nun, das Kind in ein anderes Transplantationszentrum oder nach Istanbul zurück zu verlegen", wird der Ärztliche Geschäftsführer des Uniklinikums, Professor Werner Seeger, in einer Mitteilung zitiert. Die großen Zentren in Deutschland sowie in Wien und Rotterdam hätten bereits abgelehnt.

Die Eltern versuchten weltweit, ein Transplantationszentrum zu finden und hofften auf eine positive Antwort aus der Schweiz, wo ein Klinikum prüfe, ob es helfen könne. Bis dahin könne für den Jungen in Gießen am besten gesorgt werden. Einer Verlegung zurück nach Istanbul würden sie nicht zustimmen. "Dort würde das Kind nur sterben."

Der Anwalt der Eltern, Kai Wiegand, sagt, ihm sei nicht bekannt, dass es im Klinikum solch heftige Bedrohungen gebe, die eine Verlegung des inzwischen 21 Monate alten Jungen rechtfertigten. Die Eltern selbst hätten sich wiederholt von den Schmähkommentaren im Internet distanziert. Er bemühe sich auch um einen besseren Draht zur Klinikleitung, damit das Vertrauensverhältnis neu aufgebaut werden könne

Behandlungskosten übersteigen schon eine halbe Million Euro

In dem Fall geht es auch um viel Geld: 400.000 Euro haben die Eltern dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) für die ursprünglich vereinbarte Operation gezahlt. Inzwischen belaufen sich die Behandlungskosten laut Wiegand, auf mehr als 550.000 Euro - sie steigen mit jedem Tag weiter.

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