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Fall Muhammet: Eltern kämpfen um das Leben ihres Sohnes

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Eltern kämpfen um das Leben ihres Sohnes  

"Muhammet hat bewiesen, dass er leben möchte"

01.09.2014, 11:36 Uhr | Isabell Scheuplein, dpa

Fall Muhammet: Eltern kämpfen um das Leben ihres Sohnes. Muhammets Eltern kämpfen um das Leben ihres Sohnes. (Quelle: dpa)

Muhammets Eltern kämpfen um das Leben ihres Sohnes. (Quelle: dpa)

Sennur und Yavuz Dönmez kämpfen um das Leben ihres Sohnes, notfalls auch vor Gericht. Wegen eines Herzfehlers braucht der 22 Monate alte Muhammet Eren dringend eine Organtransplantation. Wegen eines Hirnschadens wollen die Ärzte im Kinderherzzentrum in Gießen den Jungen aber nicht auf die Warteliste setzen. Da bisher auch kein anderes Transplantationszentrum zur Aufnahme bereit ist, denken die Eltern nun über rechtliche Schritte nach.

Im deutschen Grundgesetz heiße es, alle Menschen seien gleich, sagt der Vater des Jungen, Yavuz Dönmez. "Ich werde alles versuchen und auch alle rechtlichen Wege gehen." Für ihn sei das Wichtigste, dass sein Sohn lebe.

"Wir lassen ihn nicht einfach sterben"

Muhammet Eren war Ende März aus Istanbul nach Gießen gebracht worden, wo die Spezialisten des Kinderherzzentrums die Transplantation zugesagt hatten. 400.000 Euro Spenden hatten die Eltern dazu eingeworben. Doch kurz vor der Abreise nach Deutschland streikte das Herz des Kleinkindes und es musste in Gießen an die Apparate angeschlossen werden, die es bis heute am Leben halten. Die schockierende Diagnose kam einige Wochen später: irreversibler Hirnschaden, Transplantation ausgeschlossen.

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Dagegen kämpfen die Eltern. Ihr Kind mache Fortschritte und atme wieder selbstständig, obwohl die Ärzte dies für unmöglich erklärt hätten. "Er hat bewiesen, dass er leben möchte und wir lassen ihn nicht einfach sterben", sagt Yavuz Dönmez. Die Hoffnung auf ein anderes Transplantationszentrum haben die Eltern noch nicht aufgegeben, trotz Absagen aus ganz Deutschland. Sie suchen weiter, in Europa und darüber hinaus.

Schwere Vorwürfe gegen die Klinik

Das Klima zwischen den Eltern und dem Uniklinikum Gießen und Marburg, zu dem das Herzzentrum gehört, verschlechtert sich zusehends. Die Klinikverwaltung engagierte nach Drohanrufen von Unterstützern der Familie einen Sicherheitsdienst und legte eine Rückverlegung des Kindes nach Istanbul nahe.

Die Eltern sehen ihren Sohn derzeit in Gießen am besten versorgt. Dem Uniklinikum machen sie aber schwere Vorwürfe. Die Ärzte hätten seinen Sohn früher nach Deutschland holen müssen, meint Yavuz Dönmez. Auch dass Wochen vergingen, bevor der Hirnschaden diagnostiziert wurde, kritisiert der 35-Jährige: "Warum haben sie das nicht gleich gesagt? Dann hätten wir noch das Geld gehabt und wären in ein anderes Krankenhaus gegangen." Mehr als 540.000 Euro habe die Rechnung mit Stand Ende Juli betragen. "Vielleicht wollten sie am Anfang helfen, aber im Nachhinein zeigt sich, das sich alles nur ums Geld gedreht hat."

Das Uniklinikum weist die Vorwürfe zurück. Die Behandlung werde so abgerechnet, als würde ein gesetzlich versicherter Patient behandelt. Dass die Aufnahme auf die Warteliste abgesagt worden sei, liege daran, dass der Hirnschaden den langfristigen Erfolg der Transplantation infrage stelle.

Die Erfolgsaussichten sind entscheidend

Doch auch Politiker wollen sich mit dem bloßen Verweis auf die Richtlinien nicht zufriedengeben. "Ein Spenderorgan zu bekommen, darf keine Frage des Geldbeutels oder einer Behinderung sein", so die Linken-Bundestagsabgeordnete Kathrin Vogler gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Ebenso fordert die Grünen-Abgeordnete Maria Klein-Schmeink vor dem Hintergrund des Gießener Falls, die Vorschriften zu überarbeiten.

Die Deutsche Transplantationsgesellschaft erklärt dazu, dass schon derzeit eine Behinderung oder Beeinträchtigung eines Menschen kein Hinderungsgrund für die Aufnahme auf die Warteliste sein dürften. Allerdings müssten sie bei der medizinischen Abwägung der Risiken und Erfolgsaussichten der Operation berücksichtigt werden, was dann auch zu einer Ablehnung führen könne.

Details zu dem Rechtsweg, den die Eltern von Muhammet Eren einschlagen wollen, wurden bisher noch nicht bekanntgegeben. Er wolle das für das Kind so wichtige Verfahren nicht gefährden, sagt der Gießener Anwalt der Familie, Kai Wiegand.

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