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Gießen: Muhammet darf nicht auf Spenderherz-Warteliste

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Eltern verlieren Prozess  

Todkranker Muhammet (2) darf nicht auf die Warteliste für ein Spenderherz

24.10.2014, 10:56 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

Gießen: Muhammet darf nicht auf Spenderherz-Warteliste. Muhammets Eltern wollen, dass ihr Sohn wieder auf die Warteliste für ein Spenderherz kommt. (Quelle: dpa)

Muhammets Eltern wollen, dass ihr Sohn wieder auf die Warteliste für ein Spenderherz kommt. (Quelle: dpa)

Die Uniklinik Gießen muss den herzkranken Muhammet nicht auf die Warteliste für ein Spenderorgan setzen. Das hat das Landgericht Gießen entschieden. Es stützte damit das Vorgehen der behandelnden Ärzte, die den Zweijährigen wegen eines schweren Hirnschadens für nicht transplantierfähig halten.

Diese Einschätzung sei nicht zu beanstanden, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Eltern wollten mit einer einstweiligen Verfügung erreichen, dass ihr Sohn auf die Liste für ein Spenderherz kommt.

Was war geschehen?

Muhammet Eren D. aus der Türkei sollte in Gießen ein neues Herz bekommen. Denn nur eine Organspende kann das Leben des Kindes retten, das an einer angeborenen Herzschwäche leidet. Doch dann lehnte die Uniklinik Gießen den bereits geplanten Eingriff ab.

UMFRAGE - ORGANSPENDE
Haben Sie mit Ihren Kindern schon einmal über das Thema Organspende gesprochen?

Der Grund für die Ablehnung der Organtransplantation war ein Hirnschaden, den der Junge kurz vor dem Transport nach Hessen infolge eines Herzstillstandes erlitten hatte. Ist ein anderes Organ geschädigt, untersage die geltende Gesetzeslage eine Transplantation - so sieht es das Klinikum. Für Muhammets Eltern Yavuz und Sennur Dönmez aus Istanbul ist die Entscheidung ein Schock.

Heftiger Streit zwischen Klinik und Eltern

Sie hatten bereits eine Summe von etwa 400.000 Euro, die sie als Spenden erhalten hatten, für die Behandlung überwiesen. Als sie nach ihrer Ankunft im März in Gießen erfuhren, dass er nun doch nicht auf die Warteliste für ein neues Herz gesetzt wird, wollten sie es nicht glauben.

Das Paar verlangte die lebensrettende Operation und warb um Unterstützer. Einer Facebook-Gruppe schlossen sich Zehntausende an und einige davon richteten schwere Vorwürfe gegen die Klinik: Das Spenderorgan werde dem Jungen nur deshalb vorenthalten, weil er aus der Türkei komme. Es kam zu Drohungen, sogar ein Sicherheitsdienst musste das Kinderherzzentrum schützen.

Richter bestätigen Transplantationsgesetz

Yavuz und Sennur Dönmez schlugen den Rechtsweg ein. Bei einer ersten Verhandlung vor dem Gießener Landgericht war Anfang September ein Zwischenvergleich geschlossen worden: Wenn innerhalb einer Frist kein anderes Transplantationszentrum für den Jungen gefunden werde, müssten die Richter entscheiden.

Das ist nun geschehen. Muhammet muss von der Gießener Klinik nicht auf die Warteliste genommen werden. Das Hindernis für eine Organtransplantation stelle nicht die Hirnschädigung an sich dar, sondern die hieraus resultierenden erhöhten Operationsrisiken, erklärte das Gericht. Es gebe keine Diskrimierung wegen der Behinderung des Jungen. Gegen die Entscheidung ist eine Berufung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main möglich. Mit diesem Urteil stärkten die Richter das bestehende Transplantationsgesetz.

Diskriminierung von Behinderten? "Das ist billiger Populismus"

Der Fall Muhammet wirft die Frage auf: Wer hat das Recht auf ein Spenderorgan und damit das Recht zu leben, und wer nicht? Dem Mainzer Medizinethiker Norbert W. Paul zufolge kommt es auf die Sichtweise an: "Man kann viel Leidenschaft, Empathie und Empörung entwickeln, wenn man den Blick des Patienten oder der Eltern einnimmt. Jedes Leben ist es wert, gerettet zu werden", erläutert Paul das Dilemma. "Doch es gibt immer auch diese Perspektive: Wir müssen mit viel zu knappen Ressourcen - Spenderorganen - so umgehen, dass die Empfänger ausgewählt werden, die den größtmöglichen Nutzen davon haben. Für den, der dann keines bekommt, ist das verständlicherweise bitter."

Leider gebe es in Deutschland nicht viele Menschen, die bereit sind nach dem Tod, ihre Organe zu spenden, und die Spendenbereitschaft sinke. "Klar ist: Wir werden nie genug Organe haben, wir haben es jetzt und in Zukunft mit Rationierung zu tun", sagt Paul.

Eine Diskriminierung von Behinderten wie Muhammet sieht der Ethiker durch das Transplantationsgesetz nicht gegeben. Allein die Prognose für die weitere Gesundheit sei entscheidend. "Es geht nicht um die Einschätzung zum Wert eines Lebens, sondern um Lebensqualität", ist Paul sich sicher. "Es ist unfair, bei einer Betrachtung von medizinischen Sachverhalten den Ärzten Diskriminierung vorzuhalten. Das ist billiger Populismus."

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