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"Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an"

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Debatte um Masernausbruch  

Rückkehr zur Impfpflicht vorerst kein Thema

23.02.2015, 15:43 Uhr | dpa, AFP

"Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an". Immer mehr Politiker halten die Impfpflicht für eine denkbare Option. (Quelle: imago)

Immer mehr Politiker halten die Impfpflicht für eine denkbare Option. (Quelle: imago)

Die Masern-Impfung bleibt vorerst freiwillig - daran ändert auch die aktuelle Krankheitswelle in Berlin nichts. Bundesgesundheitsminister Gröhe setzt auf verstärkte Aufklärung.

Mit verstärkter Aufklärung will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Kampf gegen die Masern gewinnen. Eine Impfpflicht schließt er aber nicht generell aus. Die bestehende Impflücke müsse durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und aller anderen Verantwortlichen geschlossen werden, sagte Gröhe bei einem Besuch des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg. "Wenn das nicht gelingt, ist eine Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an."

Mehr als 570 Fälle in Berlin

Hintergrund der Debatte ist ein schwerer Ausbruch von Masern in Berlin, wo seit Oktober mehr als 570 Fälle gemeldet wurden. Im Februar starb ein Kleinkind an der Krankheit. Im Ortsteil Lichtenrade blieb eine Schule vorsorglich für einen Tag geschlossen. Grund sei ein schwerwiegender Verlauf der Infektionskrankheit bei einem Jugendlichen, sagte eine Sprecherin des Berliner Senats. Sie bestätigte damit Medienberichte.

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"Irrationale Angstmacherei ist verantwortungslos"

Gröhe setzt auf eine verstärkte Aufklärung: Der Entwurf des Präventionsgesetzes sehe vor, dass Eltern vor der Anmeldung ihrer Kinder in der Kita eine Bescheinigung über eine Impfberatung vorlegen müssen. "Es geht auch darum, manchem Ammenmärchen und mancher Panikmache von Impfgegnern entgegenzutreten."

Gröhe rät dazu, den Impfstatus überprüfen zu lassen und die empfohlenen Impfungen nachzuholen. "Die irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner ist verantwortungslos", sagte der Minister der "Welt am Sonntag".

Die Masern-Impfung ist nach Ansicht internationaler Experten sicher. Das minimale Restrisiko durch Nebenwirkungen sei um ein Vielfaches geringer als die zum Teil dramatischen und lebensbedrohlichen Risiken einer Masern-Erkrankung. Wer sein eigenes Kind nicht impfen lasse, gefährde auch den Gruppenschutz in Kita oder Schule, verhalte sich also auch anderen Kindern gegenüber verantwortungslos.

"Selbstbestimmungsrecht der Eltern muss weiter gelten"

Grüne und Linke hatten Überlegungen zu einer Impfpflicht deutlich zurückgewiesen: "Das will wohl überlegt sein", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir. "Das ist ein ziemlich scharfes Geschütz, was man da auffährt." Vermutlich müsste dafür das Grundgesetz geändert werden. Gegenwärtig sei man nicht an dem Punkt. Auch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Harald Weinberg, sprach sich gegen einen Impfzwang aus. Das Selbstbestimmungsrecht der Eltern müsse weiter gelten, sagte Weinberg der "Saarbrücker Zeitung".

"Impfpflicht wird sich nicht durchsetzen lassen"

Kinderärzte halten eine Impfpflicht für unrealistisch. "Eine generelle Impfpflicht wird sich wegen der Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzen lassen", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, der "Welt". Allerdings fordert er, dass alle Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule einen Impfnachweis vorweisen sollten.

Hochansteckend und schwächend

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Infektion ist hochansteckend und schwächt das Immunsystem. Folgen können zum Beispiel Gehirnentzündungen sein - manchmal mit lebenslangen Schäden wie geistigen Behinderungen. Laut Statistik sterben zwei von 1000 Patienten an den Folgen einer Masern-Infektion.

 (Quelle: dpa)

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