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Impf-Expertin im Interview: "Masern können tödlich sein - die Impfung nicht"

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Impf-Expertin im Interview  

"Masern können tödlich sein - die Impfung nicht"

26.02.2015, 16:12 Uhr | t-online.de

Impf-Expertin im Interview: "Masern können tödlich sein - die Impfung nicht". So sieht das Masernvirus aus, wenn man es extrem vergrößert. (Quelle: imago/Science Photo Library)

So sieht das Masernvirus aus, wenn man es extrem vergrößert. (Quelle: Science Photo Library/imago)

Die jüngste Masernwelle zeigt: Nicht jeder stimmt einer Impfung bedenkenlos zu. Eltern machen sich beispielsweise Sorgen, ob die Impfstoffe ihren Kindern auf lange Sicht schaden könnten. Meist geht es dabei um Zusatzstoffe im Impfserum, wie etwa Aluminiumverbindungen. Auch die Frage, ob eine Impfung überhaupt zuverlässig schützt, wird immer wieder gestellt. Heike Thiesemann-Reith, Wissenschaftsjournalistin und Chefredakteurin des Online-Magazins impfbrief.de, nimmt zu diesen Fragen Stellung.

t-online.de: Wenn Eltern nach Nebenwirkungen von Impfungen fragen, lautet die Antwort meist: Fieber und Rötung der Einstichstelle. Impfkritische Eltern fürchten jedoch mehr die Inhaltsstoffe (wie Aluminium) oder die Langzeitfolgen für das Immunsystem. Was sagen Sie dazu?

Heike Thiesemann-Reith: Diese Befürchtungen sind ganz natürlich. Eltern möchten das Beste für ihre Kinder. Die wichtigste Frage ist, welcher Informationsquelle sie bei dieser Entscheidung vertrauen und ob sie an naturwissenschaftliche Methoden glauben oder nicht.

Konkret: MMR-Impfstoffe enthalten kein Aluminium. Sie werden seit den 1960er Jahren weltweit eingesetzt, seit rund 20 Jahren wird in vielen Staaten wie zum Beispiel Finnland oder Schweden die gesamte Bevölkerung geimpft. Dennoch konnten nur in extrem seltenen Ausnahmen bleibende Schäden durch Impfung festgestellt werden. Die Krankheiten hingegen hinterlassen wesentlich häufiger bleibende Schäden oder führen sehr selten sogar zum Tod.

Eine psychologische Erklärung: Aktiv sein Kind impfen zu lassen, fühlt sich für einen Menschen stärker nach Schuld an, als passiv das "Schicksal" der Krankheit abzuwarten. Ohne die jetzt kursierenden Medienberichte über das Kind, das in Berlin an Masern starb, würden viele Eltern Masern immer noch für harmlos halten. Kaum jemand von heute kennt einen Masernkranken in seinem persönlichen Umfeld. Da erscheinen die befürchteten oder echten Nebenwirkungen der Impfstoffe als bedrohlicher. Dass Masern in seltenen Fällen tödlich sein können, die Impfung jedoch nicht, ist schon lange bekannt, aber Statistiken sprechen nunmal keine Gefühle an.

Die folgende Tabelle fasst die möglichen Nebenwirkungen durch Masernimpfung und die Komplikationen von Masernerkrankungen zusammen.

Komplikation/

Nebenwirkung

Masern

MMR-Impfung

Tod

1 auf 1.000 bis 2.000

/

Gehirnentzündung

(20-30% bleibende Schäden)

ca. 1 auf 1.000

 

?

(weltweit in wenigen Einzelfällen beobachtet, ein Zusammenhang mit der Impfung konnte jedoch nicht belegt werden)

SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) bei Säuglingen

d.h. fortschreitender Zerfall des zentralen Nervensystems

ca. 4 bis 11 pro 100.000

(bei Kindern unter 5 Jahren 1:1.700 bis 1:3.300)

/

Fieberkrampf

7-8%

Weniger als 0,1%

Fieber verbunden mit einem schwachen masernähnlichen Ausschlag

98%

2 bis 5%

Allergische Reaktion

/

Weniger als 1 auf 10.000 Geimpfte (Allergie auf Hühnereiweiß ist keine Kontraindikation)

Quelle: Heike Thiesemann-Reith/www.impfbrief.de

Kann ein Kind, das nur eine Masernimpfung erhalten hat, dennoch erkranken? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit nach der zweiten Impfung?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass etwa fünf Prozent der Geimpften nach der erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln nicht gegen Masern immun werden. Nach zwei Impfungen sinkt dieser Anteil, so dass die Impfeffektivität auf bis zu 99 Prozent steigt. In allen Ländern in denen es gelungen ist, 95 Prozent der Bevölkerung zwei Mal gegen Masern zu impfen, konnte das Virus aus der gesamten Bevölkerung ausgesperrt werden. Auch die wenigen Ungeimpften (zum Beispiel Krebspatienten) oder Personen, bei denen die Impfung nicht anschlug, sind in so einem Umfeld geschützt. Wird das Virus neu eingeschleppt, kann es sich nicht ausbreiten.

Warum können auch geimpfte Menschen noch Masern bekommen?

Häufig wird in Medienberichten nicht unterschieden, ob die Betroffenen nur eine oder zwei Impfungen erhalten haben. Zudem werden während Ausbrüchen viele Menschen noch nachträglich geimpft, wenn sie kürzlich Kontakt zu einem Masernkranken hatten. Das hilft häufig noch, die Masern abzuwenden, oder leichter verlaufen zu lassen, aber eben nicht so sicher wie die vorsorgliche Impfung. Auch diese nachträglich Geimpften gehen als (zweimalig) geimpft, aber erkrankt in die Statistik ein.

Die wichtigsten Fakten 
Fragen und Antworten rund um Masern

Der Ausbruch ist beispiellos für Berlin: In der Hauptstadt sind mehr als 500 Menschen an Masern erkrankt. Video

Aber auch zwei vorsorgliche Impfungen schützen nicht absolut. Dazu tragen verschiedene Ursachen bei. In der Natur ist eben selten etwas hundertprozentig oder "absolut perfekt". Das gilt auch für Impfviren und das Immunsystem. Zum einen ist der Lebendimpfstoff relativ empfindlich. Wird er beispielsweise nicht korrekt gelagert (zum Beispiel in der Kühlschranktür statt im -fach), lässt die Wirksamkeit nach. Es gibt aber auch Menschen, deren Immunsystem aus bisher unbekannten Gründen keine oder keine ausreichende Immunität gegen Masern aufbaut. Daher gibt es selten auch Menschen, die zwei Mal an echten Masern erkranken.

Was halten Sie von einer Impfpflicht?

In langwierigen Diskussionen unter anderem auf inzwischen drei Nationalen Impfkonferenzen ist eines klar geworden: eine Impfpflicht ist in Deutschland derzeit nicht sinnvoll. Zudem gibt es international sowohl Länder mit Impfpflicht, die es dennoch nicht schaffen, sinnvolle Impfraten zu erreichen, als auch Länder ohne Impfpflicht, die dies schaffen. Es gibt viele andere Bereiche im Impfwesen, die noch besser zu gestalten sind. Daran wird gerade gearbeitet.

Unbedingt ist es wichtig, jede Impfung und die Krankheit, gegen die sie sich richtet, immer wieder neu differenziert zu betrachten. Beispielsweise gelten für die hoch ansteckenden Masern ganz andere Umstände als für den nicht von Mensch zu Mensch ansteckenden Tetanus. Gäbe es beispielsweise eine Ebola-Epidemie in Deutschland und einen sicheren Impfstoff, würden viele Bürger eine Impfpflicht ganz anders sehen. Es kommt eben immer auf die aktuelle Situation an.

Noch einmal zurück zur Furch vor Inhaltsstoffen - wie gefährlich sind Aluminium oder Hühnereiweiß in Impfstoffen?

Zum Hühnereiweiß: Grundsätzlich enthalten Impfstoffe, bei denen die Viren auf Hühnerfibroblasten gezüchtet wurden (MMR, Tollwut, FSME), allenfalls kaum nachweisbare Spuren von dem Hühnereiweiß, gegen das sich die Allergie richtet (Ovalbumin). Nach mehreren internationalen Studien zu dieser Frage gilt die MMR-Impfung als sicher. Faustregel: Bei Personen, die nach Genuss von Rührei beschwerdefrei sind, ist jederzeit eine Impfung möglich. Nur bei einer bekannten schweren allergischen Reaktion (Schock) sollte unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung, gegebenenfalls im Krankenhaus, geimpft werden.

Ob Aluminium schädlich sein könnte, wird aktuell verstärkt diskutiert. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat am 21. Januar 2014 eine ausführliche Bewertung der Sicherheit von Aluminium in Therapieallergenen (Hyposensibilisierung gegen Allergie per Spritze) veröffentlicht.

Wie das PEI erläutert, nimmt der Mensch Aluminium hauptsächlich mit der Nahrung und dem Trinkwasser auf. Die Werte variieren in Europa stark um 0,2 bis 1,5 mg/kg pro Woche für Erwachsene. Für Kinder (18 Monate bis 13 Jahre) würden Höchstwerte von 0,7 bis 2,3 mg/kg pro Woche beobachtet. Der Großteil des aufgenommenen Aluminiums werde vornehmlich über die Niere sehr schnell ausgeschieden. Etwa ein bis zwei Prozent einer aufgenommenen Dosis sammelten sich im Organismus an. Die lebenslang angehäufte Gesamtbelastung mit Aluminium wird auf etwa 35 (5-60) mg Aluminium geschätzt.

In welchem Verhältnis stehen Nutzen und Risiko bei Aluminium in Impfstoffen?

Die Gesamtdosis bis zum 18. Lebensjahr durch Impfungen laut Impfkalender beträgt mit den aktuellen Impfstoffen maximal 7,78 mg, wie impfbrief.de berechnete. Die Aufnahme geschieht nicht, wie bei Nahrung und Trinkwasser, über den Verdauungstrakt, sondern der Stoff wird in den Muskel gespritzt. Davon verbleiben schätzungsweise 0,15 mg im Körper. Das PEI bewertete das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Aluminiumsalzen in Therapieallergenen jedoch insgesamt als positiv. Dies lässt sich nach Ansicht von impfbrief.de auf Impfungen übertragen.

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