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Laute Schule und Musik aufs Ohr - Mehr Lärmschutz für Kinder nötig

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Lärm als Gesundheitsrisiko  

So fies sind die Geräusche des Alltags

28.04.2015, 13:10 Uhr | dpa

Laute Schule und Musik aufs Ohr - Mehr Lärmschutz für Kinder nötig. Lärmschutz für Kinder. (Quelle: dpa)

Lärmschutz für junge Ohren. (Quelle: dpa)

Die Straßenbahn kommt von hinten, der Jugendliche läuft weiter lässig über die Schienen und nimmt nichts wahr. Kopfhörer im Ohr, laute Musik - ein häufiger Anblick. Immer mehr Kinder und Jugendliche haben inzwischen ein Hörproblem, auch ohne Kopfhörer. Das ist nicht nur unangenehm, das kann auch die Sicherheit im Alltag beeinflussen.

Der Klassenraum brummt: Schüler arbeiten in Gruppen, rufen sich etwas zu, diskutieren lebhaft. Der Lehrer muss lauter werden, um Fragen zu beantworten und sich in dem hallenden Raum noch Gehör zu verschaffen. Schon ein ganz normaler Schulvormittag kann so zu Lärmstress führen.

Liegt die Schule dann noch in der Nähe eines Flughafens oder an einer Hauptstraße, kommt weiterer Krach hinzu. Nicht gut für die Ohren und die Konzentrationsfähigkeit des Nachwuchses. Der diesjährige Tag gegen Lärm am 29. April stellt deshalb Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt. Das Motto: "Lärm - voll nervig!"

UMFRAGE: LäRM
Welches ist in Ihren Ohren das fieseste Geräscuh?

"Kindern scheint Lärm oft relativ wenig auszumachen, aber schon der Pegel in einem Klassenzimmer kann belastend sein, noch heftiger ist die Pausenhalle, wenn es kalt ist oder regnet", sagt Professor Brigitte Schulte-Fortkamp, Akustik-Spezialistin an der TU Berlin und Leiterin des Aktionstages in Deutschland.

Denn Rufen, Lachen und Schreien der Kinder, das 80 Dezibel erreichen kann und damit deutlich über der normalen Gesprächslautstärke von etwa 60 Dezibel liegt, werden durch ungünstigen Raumhall noch verstärkt. "Akustisch und optisch kann man da einiges verbessern. Wir haben für einen Wettbewerb 800 Architekten angeschrieben, um ein leises Klassenzimmer zu gestalten", sagt Schulte-Fortkamp. Das soll nun beispielhaft an einer Berliner Grundschule geschehen.

Lärm mindert Lernfähigkeit, Leseleistung, Gedächtnisfunktion

Doch nicht nur der selbstproduzierte und dann räumlich verstärkte Lärm beschallt den Nachwuchs. Starker Verkehrslärm, vor allem durch Flugzeuge, kann schulische Leistungen mindern. So wies bereits die RANCH-Studie (2005) auf verschlechterte Lernfähigkeit und Gedächtnisfunktion bei Dauerlärm hin. Ende 2014 zeigte die langfristig angelegte NORAH-Studie, dass die Leseleistung von Kindern in fluglärmbelasteten Schulen schlechter ist als in leiseren Lernumgebungen.

Getestet wurden über 1200 Zweitklässler aus 29 Grundschulen im Rhein-Main-Gebiet mit Dauerschallpegeln zwischen 39 bis 59 Dezibel. Dabei zeigte sich: Zehn Dezibel mehr entsprachen einem Monat Rückstand in der Leseleistung. "Das erscheint vielleicht erstmal nicht so relevant, aber entscheidend ist: Man nimmt diese Verzögerung mit in die nächste Schulstufe, sie setzt sich fort", sagt Schulte-Fortkamp.

Lärm ist zum einen ein Geräusch, das subjektiv als unangenehm empfunden wird, zum anderen aber exakt messbar. Zur Einordnung helfen diese Beispiele:

  • 40 Dezibel (dB), etwa durch Flüstern, stören bereits den Schlaf.

  • 60 dB, wie bei einem Gespräch oder leisem Radio, stören die Konzentration und verursachen erste Belastungsreaktionen.

  • 80 dB entsprechen dem Geräuschpegel an einer Hauptverkehrsstraße, in einem Klassenzimmer, dem Triebwerkslärm eines startenden Jets in 300 Metern Entfernung oder bei Kirchenglocken in 200 Metern. Das sorgt bei Dauerbelastung für ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.

  • 100 dB wie in einer lauten Fabrikhalle, von einer Kreissäge oder einem Presslufthammer können bei jahrelanger Belastung Gehörschäden zur Folge haben.

  • 120 dB wie beim Überschallknall eines Flugzeugs in 100 Metern Höhe, neben einem Martinshorn oder einer Vuvuzela können Ohrenschmerzen verursachen.

  • 140 dB entsprechen einer Trillerpfeife oder dem Startgeräusch eines Flugzeugs in 40 Metern Entfernung und machen Gehörschäden schon nach kurzer Zeit möglich.

  • 160 dB etwa bei einem Gewehrschuss in Mündungsnähe können Gehörschäden schon bei einmaliger Einwirkung zur Folge haben.

Hauptproblem sind die In-Ear-Kopfhörer

Mit ausleihbaren "Lärmkoffern" will die Deutsche Gesellschaft für Akustik die Aufmerksamkeit für das, was man sich so aufs Ohr gibt, auch bei Schülern steigern: Neben Schallpegelmessgerät und Stimmgabeln finden sie in dem Koffer auch ein überdimensionales Silikonohr. Dort können sie ein MP3-Gerät anstöpseln und sehen, was dann im Innenohr geschieht. "MP3 ist nach wie vor ein großes Thema, denn für alles, was direkt ins Ohr geht, hat man keine Kompensationsmöglichkeiten - und die voreingestellten Höchstlautstärken sind leicht zu knacken", sagt die Akustikexpertin.

Fünf Minuten laute Musik seien ok. "Aber bitte nicht dauerhaft", warnt Schulte-Fortkamp. Wer stundenlang einen Knopf im Ohr hat, sollte 60 Dezibel nicht überschreiten. Auf Konzerten und in Clubs erreicht der Schallpegel sogar etwa 110 Dezibel, was ungefähr dem Tanzen direkt neben einem Presslufthammer entspricht.

Hörschäden kann man nicht therapieren

Hörschäden bei Jugendlichen sind seit Jahren schon messbar. "Auch wenn man nie genau nachweisen kann, woher sie kommen". räumt Schulte-Fortkamp ein.

Schon der Kinder-Umwelt-Survey (2003/2006) des Umweltbundesamtes zeigte, dass etwa jeder achte Heranwachsende zwischen 8 und 14 Jahren einen Hörverlust von 20 Dezibel bei mindestens einer Testfrequenz hatte. "Freizeitlärm könnte eine der Ursachen für diese Hörverluste sein", so das UBA. Therapierbar seien diese Schäden nicht.

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