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Kindersicherheit: "Das Entscheidende ist gesunder Menschenverstand"

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Kindersicherheit  

"Das Entscheidende ist immer gesunder Menschenverstand"

10.06.2015, 09:22 Uhr | dpa

Kindersicherheit: "Das Entscheidende ist gesunder Menschenverstand". Spielende Kinder bringen sich leicht in Gefahr - Eltern sollten immer wachsam sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Spielende Kinder bringen sich leicht in Gefahr - Eltern sollten immer wachsam sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Jedes Jahr verunglücken in Deutschland rund 1,67 Millionen Kinder. Viele Unfälle wären mit einfachsten Mitteln zu vermeiden. Eine Expertin erklärt wie.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" möchte auf unnötige Gefahren aufmerksam machen. Stefanie Märzheuser (46) ist Präsidentin des Vereins und Oberärztin an der Klinik für Kinderchirurgie der Berliner Charité.

Der Kindersicherheitstag wurde vor 15 Jahren ins Leben gerufen. Warum braucht es diesen Tag?

Stefanie Märzheuser: Unfälle sind der häufigste Grund, warum ein Kind ins Krankenhaus oder zum Arzt muss. Aber Unfälle kann man verhindern.

UMFRAGE
Haben Sie Ihre Wohnung kindersicher gemacht?

Wie können die größten Gefahren vermieden werden?

Das Beste ist, vorausschauend zu denken - als Eltern, als Erzieher, als Betreuungspersonal. Wenn Sie überlegen, welche Entwicklungsschritte wird mein Kind als nächstes nehmen, dann können Sie auch überlegen: In welche Gefahren wird es sich bringen? Und dann können Sie diese Gefahrenstellen ausräumen.

Zum Beispiel?

Ganz kleine Kinder fallen oft vom Wickeltisch - das kann man einfach vermeiden, indem man immer eine Hand am Kind lässt. Im Auge behalten genügt nicht, denn mit dem Auge kann man nicht festhalten. Ältere Kinder haben andere Unfälle. Mit zunehmender Mobilität können sie aus dem Fenster fallen - auch das ist vermeidbar. Sie dürfen ein Kind im Lauflern- und im Kletteralter nicht alleine in einem Raum mit geöffnetem Fenster lassen. Gehen wir noch einen Schritt weiter. Kinder zwischen fünf und 15 Jahren haben oft Sport- und Freizeitunfälle. Darauf zielt das Motto des diesjährigen Tags ab.

Das Motto lautet "Kinder und Tiere. Sicher geht das" - weshalb sollte das nicht gehen?

Das ist genau das, was wir sagen: Es geht, aber manche Kombinationen sind gefahrenträchtig. Wenn Sie ein kleines Kind und einen großen Hund alleine lassen, kann das Kind Fehler machen, die den Hund dazu bringen, das Kind zu beißen. Darüber müssen Eltern sich im Klaren sein: Großer Hund, kleines Kind - da muss ich aufpassen.

Müssen Eltern einfach mehr aufpassen? Ist das alles?

Ich glaube, das Entscheidende ist immer gesunder Menschenverstand. Unser Motto ist "Sicher geht das", wir sagen nicht "Lass das sein". Kinder sollen sich ausprobieren, aber unter vernünftigen Bedingungen, es soll ein kalkulierbares Risiko sein.

Jährlich verunglücken rund 1,67 Millionen Kinder. Was ist die häufigste Unfallursache?

Die häufigste Unfallursache von 0 bis 15 Jahren ist der Sturz. Dazu zählt alles: Ob man über seine eigenen Füße stürzt und sich eine kleine Beule zuzieht oder eben der Fenstersturz.

Sind Jungen stärker gefährdet als Mädchen?

Schon bei den ganz Kleinen passieren mehr Unfälle bei Jungen. Je älter die Kinder werden, desto größer wird die Jungenlastigkeit. Ich glaube, Jungen sind durch ihr Testosteron und ihr Y-Chromosom mehr gefährdet. Sie sind unvorsichtiger.

Zur Person
Stefanie Märzheuser (46) ist Oberärztin an der Kinderklinik für Kinderchirurgie der Berliner Charité und Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder". Sie studierte Humanmedizin und Archäologie in Mainz sowie Bonn und engagiert sich seit 1997 für Kindersicherheit in Deutschland. Seit 2001 ist sie Mitglied im Steuerungsgremium der European Child Safety Alliance. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Fehlbildungschirurgie.

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