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Mutter aus Konstanz will Bundesjugendspiele abschaffen

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"Kinder werden gedemütigt"  

Mutter will Bundesjugendspiele abschaffen

26.06.2015, 16:06 Uhr | t-online.de

Mutter aus Konstanz will Bundesjugendspiele abschaffen. Beim Sport gibt es Gewinner und Verlierer - nicht alle können damit gut umgehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beim Sport gibt es Gewinner und Verlierer - nicht alle können damit gut umgehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Mutter will die Bundesjugendspiele abschaffen. Der ausgeprägte Wettkampfcharakter und der Teilnahmezwang sei für viele Schüler demütigend, formulierte sie in einer Online-Petition. Das führt zu der grundsätzlichen Frage: Wie viel Konkurrenzkampf darf man Kindern zumuten?

Christine Finke aus Konstanz ist dreifache Mutter, Stadträtin, Bloggerin und Journalistin. Sie weiß, wie man Themen zuspitzt. Als ihr Sohn weinend nach den Bundesjugendspielen nach Hause kam, weil er "nur" eine Teilnahmeurkunde erhalten hatte, beschloss sie, das Problem von Grund auf anzugehen: Sie startete eine Petition.

UMFRAGE
Sollen die Bundesjugendspiele abgeschafft werden?

12.000 Unterschriften in fünf Tagen

Mit ihrer Forderung "Bundesjugendspiele abschaffen" hat sie innerhalb von fünf Tagen 12.000 Unterstützer gefunden. "Die Bundesjugendspiele sind nicht mehr zeitgemäß", heißt es in ihrem Aufruf auf der Plattform change.org. "Der Zwang zur Teilnahme und der starke Wettkampfcharakter sorgen bei vielen Schülern für das Gefühl, vor der Peergroup gedemütigt zu werden. Daran hat auch die Einführung der Teilnahmeurkunde für diejenigen, die am schlechtesten abschneiden, nichts geändert."

Inzwischen beharrt Finke nicht mehr auf ihrer Maximalforderung. "Ich fände es schön, wenn am Ende wenigstens die Freiwilligkeit herauskäme", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Das sagen Befürworter und Kritiker

Die Forderung von Finke wird auf ihrer Website "mama-arbeitet" und "change.org" kontrovers diskutiert. Viele Leser stimmen ihr zu und verweisen auf eigene, unschöne Erinnerungen aus ihrer Kindheit. Andere geben zu bedenken, dass im Sport durch Training und Fleiß Verbesserungen möglich sind und Kinder daran auch wachsen können. Kritiker ihres Aufrufs finden, dass Wettbewerbssituationen zu unserem Leben gehören und man Kinder nicht vor unangenehmen Situationen bewahren kann und soll.

"Gutmachung für die kleine Christine"

Finke selbst hat keine guten Erinnerungen an ihre eigenen Bundesjugendspiele. Die Petition sieht sie auch als Wiedergutmachung "für die kleine Christine, die jedes Jahr, trotz eines ganz normalen Körpers, die Langsamste im Rennen, die Schlechteste im Werfen war und blamable Ergebnisse im Weitsprung hatte."

Ministerium: Bundesjugendspiele vermitteln positive Werte

Ausrichter der Bundesjugendspiele ist das Familienministerium. Dort heißt es: "Die Bundesjugendspiele sind eine in dieser Form einmalige Gelegenheit, allen jungen Menschen über den Sport positive Werte zu vermitteln. Sie sind für alle Schülerinnen und Schüler eine Chance, durch gemeinsames Erleben und Wettbewerbsstreben die verbindende Kraft von Fairplay, Engagement und Gemeinschaftsgeist zu erfahren."

Philologenverband findet die Kampagne "albern"

Der Deutsche Philologenverband kritisiert die Kampagne gegen die Bundesjugendspiele als "kurzsichtig und albern".  Die Forderung sei "auch gesundheitspolitisch falsch, weil es einer der wenigen Wettbewerbe ist, der noch zu sportlicher Bewegung anhält", sagte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Heinz-Peter Meidinger

Grundsätzlich gebe es keine Teilnahmepflicht von Schulen. Die Wettbewerbe würden "in aller Regel von den Kindern als bereichernde Abwechslung im Schulbetrieb wahrgenommen". Stress oder Versagensängste könne er nicht feststellen.

Sportjugend: Demütigungen verhindern

Die Deutsche Sportjugend sieht die Schulen in der Pflicht, Demütigungen bei den Bundesjugendspielen zu verhindern. Im Sportunterricht lernten Schüler, dass sie ihre sportlichen Leistungen verbessern können. Durch  Erfolgserlebnisse würden sie motiviert. "Der faire Umgang miteinander kann hier ebenso trainiert werden."

Mit Misserfolgen müssten Schüler nicht nur bei den Bundesjugendspielen, sondern in allen Schulfächern klarkommen. Lehrer und Eltern seien gefordert, "ein Klima herzustellen, das den angemessenen und nicht persönlich verletzenden Umgang mit solchen Situationen sicher stellt".

Darum geht es bei den bei Bundesjugendspielen

Rund fünf Millionen Kinder und Jugendliche nehmen jedes Jahr an den Bundesjugendspielen teil. Den westdeutschen Bundesjugendspielen entsprachen in der DDR die Kinder- und Jugendspartakiaden, die seit 1964 Breiten- und Leistungssport verbinden sollten.

50 Jahre nach ihrem Start wurde das Konzept der Bundesjugendspiele 2001 überarbeitet. Neben der traditionellen Form des "Wettkampfes" in den Grundsportarten Turnen, Schwimmen und Leichtathletik gibt es nun auch andere Varianten. Der eher spielerische und weniger leistungsorientierte "Wettbewerb" richtet sich vor allem an die jüngeren Jahrgänge. Wer seine Vielseitigkeit testen will, kann sich im sportartübergreifenden "Mehrkampf" beweisen.

Für jeden Schüler das passende Konzept

Die Schüler können sich entweder für eine der drei Grundsportarten entscheiden oder für eine der drei gleichwertigen Varianten. "Das Konzept der modifizierten Bundesjugendspiele geht von der Erkenntnis aus, dass junge Menschen sehr unterschiedliche Motive haben, Sport zu treiben", heißt es bei der Kultusministerkonferenz. Seit 2009 können auch behinderte Schüler gleichberechtigt teilnehmen.

Je nach Erfolg bekommen die jungen Sportler eine Teilnahme-, eine Sieger- oder eine Ehrenurkunde mit Unterschrift des Bundespräsidenten.

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