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So lässt sich ein ausgeschlagener Zahn retten

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Bruchstücke einsammeln  

So lässt sich ein ausgeschlagener Zahn retten

16.11.2016, 08:48 Uhr | dpa-tmn

So lässt sich ein ausgeschlagener Zahn retten. Beim Sport, durch einen Unfall oder eine Prügelei: Wenn ein Zahn abbricht, ist eine Zahnrettungsbox optimal - sie enthält eine Zellnährlösung, die das Gewebe auf der Wurzeloberfläche erhält. (Quelle: dpa/tmn/proDente e.V.)

Beim Sport, durch einen Unfall oder eine Prügelei: Wenn ein Zahn abbricht, ist eine Zahnrettungsbox optimal - sie enthält eine Zellnährlösung, die das Gewebe auf der Wurzeloberfläche erhält. (Quelle: proDente e.V./dpa/tmn)

Es leicht passiert: Beim Toben oder beim Sport geht es so rabiat zu, dass ein Zahn abbricht. "Jedes zweite Kind bis zum 16. Lebensjahr erleidet einen Zahntrauma", sagt der Zahnmediziner Dietmar Oesterreich. Dann gilt es, schnell und besonnen zu reagieren, um den Zahn zu retten.

"Bei 70 Prozent der Zahnunfälle sind die mittleren Schneidezähne des Oberkiefers betroffen", erklärt Oesterreich, der der Initiative Prodente angehört und und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer ist. Die Lücke sieht nicht nur hässlich aus, das Ganze kann auch Jahre später noch Probleme machen.

Bei Kindern kommt es häufiger vor, dass der ganze Zahn mitsamt Wurzel ausbricht. Bei ihnen ist der Knochen noch recht weich, so dass der Zahn schneller herausfällt, erklärt Yango Pohl von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund - und Kiefernheilkunde in Düsseldorf. Als Laie könne man nicht erkennen, was herausgebrochen ist - also ob nur ein Stück Zahn, eine Füllung, nur ein Stück des natürlichen Zahns, der ganze Zahn oder eine Krone.  

Schnell mit Kind und Zahn zum Zahnarzt

Ebenso können Zähne erschüttert oder gelockert sein. In jedem Falle sollten Eltern umgehend mit dem Kind zum Zahnarzt gehen. "Man sollte vorab telefonisch nachfragen, ob Zeit ist für eine Behandlung und genau beschreiben, was passiert ist", rät Christian Öttl vom Freien Verband deutscher Zahnärzte. Entscheidend ist es dabei, die Zahnteile einzusammeln und zum Arzt mitzubringen. Teile der Zahnkrone können meist wieder an den Zahn angeklebt werden. Auch bei ausgeschlagenen Zähnen kann es möglich sein, sie wieder in den Kiefer einzusetzen. Damit dies möglich ist, müssen die Zahnteile allerdings richtig gelagert werden, bis man beim Arzt eintrifft. Dabei kommt es auf jede Minute an.

Abgebrochene Zähne bloß nicht abspülen

Die Bruchstücke dürfen auf keinen Fall gesäubert werden, weder mit Wasser noch mit Alkohol. Sie dürfen jedoch nicht austrocknen, denn sonst halten sie schlechter und verfärben sich mit der Zeit, wie Pohl erklärt. Ist die Wurzel des Zahns mit ausgebrochen, darf der Zahn nur an der Krone angefasst werden. Denn an der Wurzeloberfläche sitzen Zellen, die empfindlich sind und an trockener Luft binnen drei bis fünf Minuten absterben, so Pohl. Ein Taschentuch ist auch schlecht - es trocknet den Zahn aus.

Idealerweise wird der verloren gegangene Zahn in eine Zahnrettungsbox gegeben. Diese kleinen Gefäße sind in Apotheken erhältlich. Sie enthalten eine Zellnährlösung, die das Gewebe auf der Wurzeloberfläche erhält. "So kann der Zahn wieder in sein Knochenfach gesetzt werden, und die erhaltenen Zellen können für ein Anwachsen des Zahns sorgen", erläutert Oesterreich.

Nun ist die nächste Apotheke nicht immer gleich um die Ecke. Da mag sich manch einer denken, die Zahnbruchstücke seien in ihrer natürlichen Umgebung - im Mund - am besten verwahrt. Sind sie aber nicht: Denn auf dem Weg zum Arzt kann es passieren, dass man die Teile aus Versehen verschluckt oder einatmet. Besser, wenn auch nicht ideal, ist der Transport in einer Plastiktüte oder Plastikfolie oder in H-Milch. "Sie ist keimfrei, sollte aber gekühlt und fettarm sein", rät Pohl. Sobald man die Zahnrettungsbox gekauft hat, kommen die Zahnstücke dann dort hinein.

Ist der Zahn noch zu retten?

Und dann ist es am Zahnarzt, die Verletzung zu untersuchen. Röntgenaufnahmen zeigen, inwieweit der Zahn, die Wurzel und seine Umgebung beschädigt worden sind. Der Arzt kann feststellen, ob der Zahnnerv verletzt ist. Auch besteht die Gefahr, dass Bakterien in die Dentinkanälchen eindringen. Der Mediziner prüft durch Klopfen und einem Kältetest, ob der Nerv reagiert. Ist er verletzt, kann er sich entzünden und absterben. "Der Arzt entscheidet, ob er den Nerv mit einem speziellen Medikament abdeckt und ob auch eine Wurzelbehandlung nötig ist", sagt Oesterreich. "Bei Längsfrakturen oder einem ungünstigen Bruch der Wurzel ist der Zahn aber kaum noch zu retten."

Ist nur eine Ecke des Zahns abgebrochen und der Zahn nicht weiter geschädigt, kann diese meist mit zahnärztlichem Kunststoff angeklebt werden. Ist der Zahn verloren, wird der Arzt die Lücke komplett aufbauen. "Je nach Ausgangslage muss der Zahnarzt entweder eine Füllung anfertigen, vielleicht erst eine Wurzelbehandlung durchführen oder eine Zahnersatzmaßnahme einleiten", erklärt Öttl.

"Komplikationen können noch Jahre danach auftreten"

Auch in den Tagen nach dem Ausbrechen des Zahns muss der Patient zur Nachkontrolle. Denn Schäden können sich auch erst mit der Zeit bemerkbar machen, zum Beispiel, wenn der Nerv erst Wochen später abstirbt, weil Bakterien eindringen. Auch eine Erschütterung des Zahns kann Schäden nach sich ziehen, ohne dass der Patient es gleich merkt. "Komplikationen können noch Jahre nach dem Unfall auftreten", erklärt Pohl.

Der Zahnarzt dokumentiert die Schäden bei der Untersuchung, so dass Verletzungen und Schäden noch Jahre später auf das Ausbrechen des Zahns zurückgeführt werden können. Dies ist vor allem mit Blick auf die Versicherung und Übernahme von Kosten wichtig.

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