Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Gesundheit >

Impfstoffe knapp: Das müssen Eltern jetzt wissen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Mangelware Impfstoff  

Was Eltern tun sollen, wenn Impfungen nicht verfügbar sind

24.11.2016, 08:16 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Impfstoffe knapp: Das müssen Eltern jetzt wissen. Immer wieder werden Impfstoffe knapp. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer wieder werden Impfstoffe knapp. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer wieder sind in Deutschland Impfstoffe über Wochen oder sogar Monate nicht lieferbar. Solche Engpässe betreffen auch Standardimpfungen für Kinder. Welche Präparate betroffen sind und warum das Dilemma regelmäßig wiederkehrt, erklärt eine Expertin des Paul-Ehrlich-Institutes.

"Ausverkauft!", "Vergriffen", "Zur Zeit nicht lieferbar!" -  solche Attribute kennt man normalerweise nur von innovativen und heiß begehrten Konsumartikeln. Doch dass solche Marktengpässe auch bei Medikamenten, insbesondere bei Impfstoffen vorkommen, ist den meisten nicht bewusst.

Umso größer ist bei vielen die Sorge - insbesondere bei Eltern von Babys und Kleinkindern - dass nötige Immunisierungen nicht vorgenommen werden können, weil ein bestimmter Wirkstoff einfach nicht erhältlich und damit für den Arzt nicht verfügbar ist.

Paul-Ehrlich-Institut informiert über Engpässe

Als wichtige Anlaufstelle bietet hier die Webseite des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI) eine erste Orientierung: http://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoff-impfstoffe-fuer-den-menschen/lieferengpaesse/listen-lieferengpaesse-humanimpfstoffe/listen-node.html).

Das Institut, das als Bundesbehörde unter anderem auch zuständig ist für die Zulassung und Bewertung von Impfstoffen, informiert dort seit Oktober 2015 über die aktuelle Verfügbarkeit der immunisierenden Mittel gegen Infektionskrankheiten beim Menschen. In Übersichtstabellen erfährt man außerdem, wann ein Impfstoff voraussichtlich wieder verfügbar ist und welche Alternativ-Mittel es gibt. Zusätzlich sind die Kontaktadressen der Pharmafirmen angegeben.

Bei seinen Angaben beruft sich das PEI immer auf die Informationen der Zulassungsinhaber, die sich zu einer Meldung verpflichtet haben: Das heißt, ein Lieferengpass wird durch ein pharmazeutisches Unternehmen gemeldet, sobald die Kette für die Auslieferung eines Impfstoffes von Seiten des Herstellers für einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen unterbrochen ist.

Handlungsempfehlungen der Stiko: Nichtmediziner brauchen "Übersetzungshilfe"

Wie groß der Bestand an verfügbaren Impfstoffdosen in den Filialen des Apothekengroßhandels beziehungsweise in einzelnen Apotheken und Arztpraxen ist, werde allerdings nirgendwo zentral erfasst, heißt es dazu beim Robert-Koch-Institut (RKI). Zu dessen Aufgabenbereich gehört die regelmäßige Veröffentlichung der Handlungsempfehlungen der Ständigen Impf-Kommission (Stiko). Diese Ausführungen richten sich vorrangig an Ärzte und sind für Laien auf Anhieb nur schwer verständlich.

Impfstoffe unterliegen hohen Qualitätsanforderungen

Wie aber kann es in einem medizinisch hoch entwickelten Land wie Deutschland überhaupt dazu kommen, dass Standard-Medikamente wie Impfpräparate, die zur gesundheitlichen Grundversorgung gehören, zur Mangelware werden? "Es gibt viele Ursachen für eine zeitweilige Knappheit von Impfstoffen", erläutert Susanne Stöcker vom PEI.

"Dazu muss man sich klarmachen, dass Impfstoffe, die ja gesunden Menschen verabreicht werden, ganz besonders hohen Qualitätsanforderungen genügen müssen und daher auch besonders intensiv überprüft werden - sowohl bei den Herstellern als auch bei den Behörden.

In Deutschland ist dafür das Paul-Ehrlich-Institut verantwortlich. Vor allem aber sei die Herstellung von Impfstoffen sehr komplex und (zeit)aufwändig. So habe beispielsweise der Grippeimpfstoff eine Herstellungsdauer von rund sechs Monaten. Bei den Impfstoffen, die gleichzeitig gegen vier, fünf oder sechs Krankheiten schützen, dauere die Herstellung noch sehr viel länger, etwa zwei bis drei Jahre, so Stöcker.

Produktionsmengen erhöhen ist kompliziert

Ausgebremst wird das System, wenn sich zum Beispiel bei der Herstellung beziehungsweise bei den damit einhergehenden strengen Qualitätskontrollen auffällige Ergebnisse zeigen. Das kann dann im schlimmsten Fall dazu führen, dass ganze Chargen von bis zu mehreren 100.000 Impfstoffdosen verworfen werden müssen. Dies könne dann nicht einfach schnell und problemlos aufgefangen werden, ergänzt die Expertin. Die bis dahin aufgewendete Zeit sei verloren.

Ausweichen auf Alternativ-Produkte hilft nur kurzzeitig

Erschwerend kommt hinzu, dass sich aufgrund der komplexen Abläufe bei erhöhtem Bedarf auch die Produktionsmenge nicht einfach vervielfachen lässt. "Aktuell ist es so, dass sich die Engpässe gegenseitig hochgeschaukelt haben", sagt Stöcker.

"Zunächst konnte ein Engpass bei einem Impfstoff durch ein identisches Produkt eines anderen Herstellers aufgefangen werden, was dort zu einer erhöhten Nachfrage führte. Die Folge: Der Bestand war schneller abverkauft. Leider konnte in dieser Zeit aber noch nicht ausreichend neuer Impfstoff nachproduziert werden. So kam es schließlich beim Alternativprodukt ebenfalls zu einem Engpass."

Viele Pharmakonzerne scheuen das komplizierte Geschäft mit Impfstoffen

Eine weitere Ursache des Impfstoff-Dilemmas ist, dass trotz kontinuierlich wachsender Weltbevölkerung nur noch wenige Hersteller Vakzine (Impfstoffe) produzieren: Im Wesentlichen teilen sich vier große Konzerne in Europa und Nordamerika über 95 Prozent des globalen Marktes: Dazu gehören GlaxoSmithKline (GSK), Sanofi, Pfizer und Merck.

Als weitere große Firma hatte Novartis 2015 den größten Teil dieser Geschäftssparte aufgegeben. Dass in naher Zukunft weitere große Arzneimittelproduzenten hinzukommen, ist eher unwahrscheinlich. Denn die Ansprüche an Sicherheit und Verträglichkeit - immerhin handelt es sich um den Umgang mit äußerst sensiblen Mikroorganismen - sind hier wesentlich höher und damit auch kostenintensiver als bei anderen Pharmazeutika.

"So komplex wie die Produktion eines Space Shuttle"

"Die Herstellung eines herkömmlichen Arzneimittels ist ähnlich schwierig wie ein Auto zu bauen", erklärte kürzlich ein GSK-Manager in der Ärztezeitung. "Die Herstellung eines Biological (Anmerkung: eine neue Klasse von Medikamenten. Sie greifen in das immunologische Geschehen im Körper ein, indem sie vor allem Entzündungsvorgänge blockieren) ähnelt vom Schwierigkeitsgrad her der Produktion eines A 380. Die Produktion eines Kombinationsimpfstoffes ist aber so komplex wie der Bau eines Space Shuttle."

Für die Patienten und Ärzte haben die immer wiederkehrenden Impfstoffengpässe zur Folge, dass Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Dabei ist die Versorgung nicht nur bei den klassischen Kinderimpfungen schwierig. "Betroffen sind Impfstoffe aus allen Kategorien, also sowohl Standardimpfstoffe zur Grundimmunisierung wie auch zur Auffrischung, aber auch Reise- und Indikations-Impfstoffe. In manchen Fällen sind aber auch nur einzelne Packungsgrößen nicht verfügbar - das kann sich laufend ändern", weiß Stöcker.

Die Grundimmunisierung hat Vorrang

Besonders alarmiert reagieren Eltern von Babys auf die Situation. Sie befürchten, dass ihre Kinder nicht im vorgesehenen Zeitfenster gegen gefährliche Erreger immunisiert werden können. Doch die Expertin des PEI beruhigt. Es sei bisher glücklicherweise nicht vorgekommen, dass Impfungen ganz ausfallen mussten.

"So gibt es aktuell zwar - auch für längere Zeit - keine 5-fach-Impfstoffe (Anmerkung: gegen Tetanus, Diphterie, Polio, HiB und Keuchhusten). Aber es ist möglich, die Babys mit dem 6-fach-Impfstoff zu impfen. Dieser enthält zusätzlich noch die Komponente gegen Hepatitis B. Bisher ist es - auch mit Hilfe der Handlungsempfehlungen der Stiko - immer gelungen, einen echten Versorgungsengpass zu vermeiden." Dabei habe, betont Stöcker, die Grundimmunisierung von Säuglingen und Kleinkindern immer einen besonders hohen Stellenwert. Auffrischungen könne man dagegen oft problemlos auch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Grund zur Sorge gäbe es auch nicht, ergänzt die Expertin, wenn die in den Listen des PEI angegebenen Ersatzimpfstoffe zum Einsatz kämen. Dabei handele es sich nämlich um identische Impfstoffe eines anderen Herstellers, so dass die Wirksamkeit, Qualität und Verträglichkeit zu hundert Prozent dem gerade nicht verfügbaren Original-Mittel entsprechen würden.

"Grundsätzlich raten wir immer allen betroffenen Eltern, sich zunächst auf den Internetseiten des PEI in der Übersicht zu den Lieferengpässen zu informieren und dann gegebenenfalls mit ihrem Arzt die Handlungsempfehlung der Stiko zu besprechen."

Sie finden uns auch auf Facebook - jetzt Fan unserer "Eltern-Welt" werden und mitdiskutieren!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal