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Adipositas-Therapie: Wie werden übergewichtige Kinder therapiert?

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Therapien  

Wie werden übergewichtige Kinder therapiert?

05.05.2009, 16:35 Uhr | sca

Adipositas-Therapie: Wie werden übergewichtige Kinder therapiert?. Dicke Kinder und Jugendliche stehen Arm in Arm am Beckenrand eines Schwimmbads.

Abnehmen: Die Unterstützung der Eltern ist entscheidend. (Bild: Imago)

Das übergewichtige beziehungsweise adipöse Kinder abnehmen sollten, liegt auf der Hand. Mit dem lapidaren Hinweis auf Diäten und Sport ist es da meist nicht getan, die Kinder brauchen dauerhaft professionelle Unterstützung. Auch in den Familien muss sich etwas ändern.

Wann ist Übergewicht behandlungsbedürftig?

"Formal“ gesehen, gilt auch bei Kindern der sogenannte BMI, Body Mass Index, also das Gewicht, geteilt durch die Körpergröße in Zentimeter ins Quadrat. Allerdings wird bei Kindern und Jugendlichen der sogenannte Percentile hinzugefügt, das heißt die zehn Prozent (über dem 90. Percentil) eines Jahrgangs, getrennt nach Geschlecht) gelten als übergewichtig und die drei Prozent über der 97. Percentile gelten als adipös. In der Praxis gehen die Kinder bzw. Eltern erst dann zum Arzt, wenn irgendwelche Schmerzen auftreten, in den Gelenken, Wirbelsäule, Füße, Atembeschwerden, psychische Belastungen … das ist aber meist zu spät.

Nach der Diagnose

Zunächst ist eine Ernährungsumstellung, auf ausgewogene Mischkost wichtig. Auch Sport und Bewegung spielen eine wichtige Rolle. Dabei wird zumeist mit Bewegung im Wasser begonnen, weil das die Gelenke schont und angenehmer für die Betroffen ist. Schrittweise wird dann zum Beispiel auf Walking übergegangen.

Behandlungsansätze in ambulanten Einrichtungen?

Die Adipositastherapie (ob ambulant oder stationär) beruht immer auf vier Säulen, Ernährung, Bewegung, Medizin und psychosoziale Betreuung. Alles andere ist einseitig und völlig sinnlos (zum Beispiel nur Diät). Und selbst die vorgenannte interdisziplinäre Therapie hat nur begrenzte, nachhaltige Erfolge, wenn es keine Nachsorge und Stabilisierung im Alltag gibt. "Es gibt in Deutschland fast keine umfassende, wohnortnahe ambulante Therapie, die auf den vier Säulen beruht", so der Experte Edmund Fröhlich. Und es gibt keine qualifizierte Nachsorge nach dem stationären Aufenthalt. Deshalb startet Fröhlich in Kürze das web 2.0 basierte Internetportal Fatwatch mit und für übergewichtige, adipöse Kinder und Jugendliche.

Wann ist ein Klinikaufenthalt notwendig?

Sobald ein deutliches Übergewicht festgestellt wird und der behandelnde Hausarzt oder Kinderarzt eine ambulante Behandlung nicht mehr für zielführend betrachtet.

Was passiert in Kliniken?

Zunächst muss der behandelnde Arzt und die Eltern einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Sozialversicherung stellen, in der Regel ist dafür die Rentenversicherung zuständig. Wenn die Kostenübernahme gewährt ist, wird eine geeignete Rehabilitationsklinik vorgeschlagen. Der Aufenthalt dauert etwa fünf bis sechs Wochen, hierbei wird versucht, Anregungen und Impulse für eine Lebensstiländerung zu geben, von Einkaufs- und Kochtipps bis zum gemeinsamen Essen ausgewogener Kost, Sport- bzw. Physiotherapie und Vermittlung von Grundkenntnissen über Lebensmittel und psychotherapeutische Begleitung, manchmal wird auch Musik- oder Kunsttherapie ergänzend eingesetzt.. Dabei darf es nicht um Verbote gehen, sondern es soll mit Spaß positive und realisierbare Erfolge vermittelt werden. Da gibt es unter den Kliniken durchaus Unterschiede, da sollte man sich vorher informieren und erkundigen. Auch Schulunterricht, zumindest in den Hauptfächern wird in vielen Kliniken angeboten.

Erfolgsquoten in Kliniken

Wenn die Therapie nach den fachlichen Leitlinien gut und qualifiziert erfolgt, nehmen die jungen Patienten meist ca. zehn Prozent ihres Ausgangsgewichtes ab. Entscheidend ist jedoch, ob und wie das Gelernte danach im Alltag umgesetzt wird, teilweise ja gegen die bisherigen, vom Elternhaus geprägten Strukturen, sagt der Experte Fröhlich, der jahrelang in einer Klinik für adipöse Kinder gearbeitet hat. Da bräuchten die Kinder und Jugendlichen einen Coach oder einen Trainer, der sie unterstützt, motiviert und manchmal auch tröstet, wenn es Rückschläge gibt. Denn es ist ein sehr langer und schwieriger Weg, wenn zum Beispiel ein 14-jähriger Junge bei einer Größe von 1,62 m 110 Kilogramm wiegt, bis er wieder auf ein einigermaßen vernünftiges und gesundheitlich förderliches Gewicht kommt.

Und wie geht es weiter?

Kinder und Jugendliche werden nach ihrem stationären Aufenthalt in der Regel nicht weiter betreut, in dem Sinne, dass das in der Klinik erworbene Wissen und der dadurch (hoffentlich) veränderte Lebensstil auch zu Hause weiter umgesetzt wird. Erfahrungsgemäß kümmern sich etwa zwei Drittel der Eltern überhaupt nicht um diese Problematik. Freilich können die jungen Patienten "danach" weiterhin bei ihrem Hausarzt oder Kinderarzt weiterbehandelt werden. Aber eine umfassende, interdisziplinäre, wohnortnahe Nachsorge gibt es (leider) bisher nicht.

 

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