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Dicke Kinder: Ein Tsunami für das Gesundheitssystem

26.05.2011, 15:05 Uhr | dpa, Yuriko Wahl-Immel, dpa

Dicke Kinder: Ein Tsunami für das Gesundheitssystem. Aus übergewichtigen Kindern werden kranke Erwachsene. (Quelle: imago/Waldmueller)

Aus übergewichtigen Kindern werden kranke Erwachsene. (Quelle: Waldmueller/imago)

Übergewicht bei Kindern, sei ein "Tsunami für das Gesundheitssystem", warnen Experten. Deutschlands Kinder sind zu dick, zu unbeweglich und ernähren sich ungesund. Das ist seit langem bekannt. Trotz vieler Studien und Programme ist eine positive Wende nicht in Sicht. Jetzt sollen Kinder in einer Umfrage darüber Auskunft geben, was sie essen und wie viel Bewegung sie haben.

Jedes fünfte Kind hat Übergewicht

"Ich esse Vitamine und gehe zu Fuß zur Schule." Brav sagt Drittklässlerin Anna in einer Kölner Grundschule ihren Satz auf. Fakt ist allerdings: Jedes fünfte Kind hat Übergewicht, Tendenz steigend. Wissen über gesunde Lebensmittel? Fehlanzeige. Regelmäßiger Sport? Auch oft Fehlanzeige. Als Folge nehmen Krankheiten bei Jugendlichen zu - und begleiten sie manchmal dauerhaft.

Lebenslanger Kampf gegen ungesunde Gewohnheiten

"Leider werden viele Kinder durch massive Werbung und vorgelebte Fehlernährung so stark beeinflusst, dass manche ein Leben lang gegen ihre Gewohnheiten ankämpfen müssen", sagt Detlev Geiß, Ernährungsexperte des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Der Mediziner sieht die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesen auf der Kippe. "Hier rollt ein Tsunami auf unser Gesundheitssystem zu." Bisherige Studien und Programme seien oft erfolglos geblieben, weil sie zu spät im Kindesalter ansetzten, meint der Experte.

Kinder nach ihren Essgewohnheiten befragt

Eine groß angelegte Studie fragt nun erstmals junge Kinder selbst nach ihren Essgewohnheiten - was sie warum essen, wie oft es Limo, Süßes oder Pommes gibt, ob sie eine warme Mahlzeit erhalten, ob sie vor dem Fernseher oder mit der Familie speisen, ob sie Sport treiben. Die Zweit- und Drittklässler wurden in zufällig ausgewählten Schulen schriftlich befragt. Bis zu den Sommerferien sollen alle Daten vorliegen, Ende 2011 erste Ergebnisse kommen.

Experte verteufelt Kinder-Lebensmittel

"Kinder haben ein Recht auf ein Höchstmaß an Gesundheit, gesunder Ernährung und Informationen dazu", betont Friedhelm Güthoff vom Deutschen Kinderschutzbund. Das ergebe sich schon aus der UN-Kinderrechtskonvention. Die Realität sei aber eine andere. Gesundheit sei in Deutschland nicht mehr selbstverständlich für den Nachwuchs. So genannte Kinder-Lebensmittel hält der Experte für gefährlich. Der Kinderschutzbund kooperiert nun bei der Kinderstudie, um danach Forderungen an die Politik zu stellen und um Programme zur Kindergesundheit passgenauer gestalten zu können.

"Bewegung ist wichtig für Persönlichkeitsentwicklung"

"Neue Ergebnisse aus Kindermündern sind sehr wichtig", betont Klaus Balster vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen. Er erhoffe Aufschluss darüber, warum sich Jungen und Mädchen nicht ausreichend bewegen, welcher Sport sie interessieren könnte und ob sie tatsächlich immer wieder an Fernseher und Computer hängen bleiben. Es gehe nicht nur um körperliche Gesundheit: "Bewegung und Sport sind auch wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung."

Ein dickes Problem rollt auf Deutschland zu

Die Zeit drängt, meinen die Fachleute. Schon vor 15 Jahren hätte man erkennen müssen, welches Problem auf Deutschland zurollt und dass die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems ernsthaft gefährdet sei, meint Geiß. "Übergewichtige Kinder werden irgendwann übergewichtige Erwachsene mit vielfältigen Krankheitsproblemen." Ein explosionsartiger Anstieg von frühem Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ II seien bereits zu beobachten.

Kerngesunde Bio-Sprösslinge und dicke Fast-Food-Kids

Kinderarzt Geiß, der in Köln-Chorweiler seit 30 Jahren seine Praxis hat, sieht auch eine wachsende Kluft zwischen Kindern, die mit wohlüberlegter Bio-Kost aufwachsen, und anderen, die mit Fast Food und Fertigprodukten abgespeist werden. "Umso wichtiger ist es, dass die Politik bessere Bedingungen für die Versorgung aller Kinder schafft." Und er fordert: "Bei der Studie darf es nicht bleiben. Die Studie muss Einstieg in ein neues Handeln sein."

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