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Eltern-Kolumne: Aus dem Tagebuch einer Mutter

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Pädagogisch wertvoll?

09.12.2008, 14:59 Uhr | Simone Blaß

Irgendetwas ist heute Morgen anders als sonst. Sickernd dringt es in mein Bewusstsein: Es ist das Nichts, diese Stille, die mich umgibt! Keine bereits mit Fruchtjoghurt verschmierten Morgenmünder, die meinem weißen Bettzeug gefährlich nahe kommen, keine kalten, kleinen Hände, die mir die Bettdecke wegreißen und keine kleinen Füßchen, die mir, flankiert von der Frage „Mamaaaa, bist Du schon wach?“ fröhlich in den Bauch springen? Die Kinder sind nicht da, sie sind übers Wochenende bei der Oma!

Die liebe Oma...

Zufrieden grinsend drehe ich mich noch mal um, aber irgendwie ist es zu still zum Schlafen. Na, ist doch wunderbar, denke ich, dann widme ich mich jetzt in aller Ruhe meinem 700-Seiten dicken Schmöker, der schon seit Wochen neben meinem Bett ein karges Dasein führt. Zwei, drei Seiten versuche ich es und dann renn ich doch zum Telefon. Ich muss hören, ob es meinen Süßen auch wirklich gut geht. Die Oma ist dran. Ja, die Kinder wären schon eine Weile wach, sagt sie. Sie hätten schon viele schöne Bilder gemalt und mit ihr und Opa in aller Ruhe gefrühstückt. Klingt gut. Und jetzt säßen sie nur mal kurz vor dem Fernseher. Der eigentlich just in diesem Moment, in dem ich anrief, gerade erst angemacht wurde. Aha.

Mein Freund, der Fernseher

„Mädels - die Mama ist dran. Wollt ihr ihr nicht ‚Guten Morgen‘ sagen? Ein zweistimmiges Grunzen dringt durch den Hörer. Nein, das wollen sie jetzt nicht. Sie wollen fernsehen. Naja, verkünde ich daraufhin ein bisschen eingeschnappt, macht ja nichts, sie können sich ja später bei mir melden. Was sie auch machen und mir dabei freudestrahlend erzählen, dass sie bereits fünf Sendungen geschaut haben. Da frag ich mich, wann die Mädels aufgestanden sind, dass sie es dann auch noch geschafft haben, mehrere Bilder zu malen? Wahrscheinlich moderne Kunst oder doch einfach nur Schnurrbart-Verzierungen der Fernsehzeitschrift!

Ein Ausflug zum Mäc...

Gegen Abend versuche ich noch einmal, mit meinen Kindern zu sprechen. Die Große sitzt – wer hätte es gedacht – vor dem Fernseher, aber die Kleine erbarmt sich meiner. Allerdings hält sie das etwas altmodische Telefon meiner Schwiegereltern verkehrt herum, was dazu führt, dass ich wie wild in den Hörer schreie, mein Mann sich an die Stirn tippt und mich fragt, ob ich es nicht lieber mit Rauchzeichen versuchen möchte, wäre für die Nachbarn angenehmer, und das Kind trotzdem nichts hört. Aber dafür endlich mal etwas erzählt. Einen Spaziergang haben sie gemacht. Prima, denkt die Frau Mama, das klingt nach frischer gesunder Landluft. Und mit dem Auto sind sie gefahren. Zu einem allseits bekannten Fast-Food-Restaurant. Weniger prima, denn nach dem ausführlichen Bericht dessen, was sie dort alles zu sich genommen haben, wird mir schon bei der bloßen Vorstellung schlecht. Nachdem mir dann auch noch freudestrahlend erzählt wird, dass sie gestern erst um zehn ins Bett sind und heute Abend noch ins Kino gehen, langt es mir. Und da mich das Kind sowieso nicht verstehen kann, gebe ich es auf und lege auf. Ziemlich sauer.

Fettgehalt: 100 Prozent

Aber dann erinnere ich mich an meine eigene Großmutter. Ein herzensguter Mensch, der nicht nur immer Zeit für mich hatte, sondern auch eine Menge Geduld. Bei ihr gab es zum Frühstück sogar Weizenmehlbrötchen mit Sahneschmelzkäse. Fettgehalt 100 Prozent. Tabugehalt bei den eigenen Eltern ebenfalls 100 Prozent. Bei meiner Oma durfte ich das, was ich zuhause nicht durfte. Comics lesen, länger aufbleiben und ungesunde Sachen essen. Sie hatte sogar einen extra Süßigkeitenschrank, an dem ich mich jederzeit bedienen durfte. Da erinnere ich mich heute noch gerne daran.

Die liebe Oma!

Und ich komme zu dem Schluss, dass es das Privileg einer Oma ist, das zu erlauben, was es zuhause unter keinen Umständen gäbe. Und dass mein Vater recht hatte vor rund 30 Jahren, als er immer sagte: "Zwei Tage bei der Oma und drei Wochen Erziehung sind hin!" Na egal, Hauptsache, es hat Spaß gemacht. Und für die Regeln und die Vitamine bin ja schließlich ich zuständig!


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