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Indien: Befruchtungskliniken werben um Ausländerinnen

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Künstliche Befruchtung  

Indische Befruchtungskliniken werben um Ausländerinnen

06.11.2008, 15:34 Uhr | mmh

"Eizellenspenderinnen gesucht", wirbt die größte indische Befruchtungsklinik. "Unsere Patienten lassen sich Ihre Großzügigkeit viel kosten", heißt es lockend auf ihrer Website. Umgerechnet 600 Euro zahlt die Klinik Inderinnen, die sich Eizellen entnehmen lassen, um damit kinderlosen Paaren aus dem In- und Ausland den Wunsch nach Nachwuchs zu erfüllen. Das Geschäft boomt. Weil es kaum gesetzliche Vorschriften für die Mediziner gibt, ist Indien zu einem Zentrum des Befruchtungstourismus geworden.

Die Hälfte der Patienten kommt aus dem Ausland

Rund 400 Befruchtungskliniken und 30.000 Behandlungen im Jahr zählt der Branchenverband ISAR in Indien. Wie hoch dabei der Anteil ausländischer Patienten ist, kann niemand genau sagen. Doch die Nachfrage steigt. "Fast die Hälfte unserer Patienten kommt aus dem Ausland", sagt Aniruddha Malpani, dessen Klinik in Bombay zu den landesweit renommiertesten zählt. "Davon hat die Hälfte wiederum indische Wurzeln."

Die Reise lohnt sich

Für Paare mit Kinderwunsch lohnt sich die Reise nach Indien schnell. Eine künstliche Befruchtung in Malpanis Klinik, die in Indien noch zu den teuersten zählt, kostet umgerechnet rund 4500 Dollar (3500 Euro). Die Durchschnittskosten in den USA liegen dagegen laut dem US-Branchenverband bei 12.400 Dollar. In vielen indischen Kliniken ist die In-vitro-Fertilisation auch für gerade mal 2000 Dollar zu haben.

Wohlwollende Regeln

Doch nicht nur die geringen Kosten locken Paare nach Indien. "Indien hat wohlwollende Regeln", formuliert es ISAR-Präsident Manish Banker. "Es gibt keine Beschränkungen für die Eizellenspende. " In vielen europäischen Ländern - darunter auch Deutschland - ist die Eizellenspende gesetzlich verboten. In Großbritannien dürfen Spenderinnen kein Geld erhalten, und bei jeder Behandlung werden höchstens zwei Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt. In Indien dagegen sind bis zu fünf Embryonen möglich, was die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen soll.

Hausfrauen aus einfachen Familien

Auch an Spenderinnen herrscht kein Mangel. "Die Einstellung gegenüber der Eizellenspende ändert sich schnell", sagt Malpani. "Vor 30 Jahren scheuten die Inder noch davor zurück, Blut zu spenden. Das ist heute anders." Die Mehrheit der indischen Eizellenspenderinnen sind Hausfrauen aus einfachen Familien. Abhängig von ihrer Herkunft und ihrem Bildungsgrad bekommen sie umgerechnet zwischen 90 und 600 Euro für die Entnahme ihrer Eizellen. Kritiker werfen den Kliniken vor, bedürftige Frauen auszunutzen und mit ihren billigen Behandlungen die Gesundheit der Patientinnen zu gefährden. "Das Geschäft läuft so wie jede andere Outsourcing- Industrie", sagt Puneet Bedi, ein Reproduktionsexperte im Apollo-Krankenhaus von Neu Delhi. "Mit dem Unterschied, dass die Behandlung hier sehr dürftig ist."

Nur Kosmetik -Gesetzesentwurf

Die Ärzte machten es sich möglichst einfach, kritisiert Bedi. Sie pflanzten mehr Embryonen ein als notwendig, was die Risiken für die Mutter erhöhe. Auch den Gesetzentwurf zur Regulierung der künstlichen Fortpflanzung, der demnächst im indischen Parlament debattiert werden soll, hält Bedi nur für Kosmetik. "Es wurde langsam peinlich für die Regierung sagen zu müssen, dass es kein Gesetz dazu gibt. Deswegen mussten sie irgendetwas vorlegen."

Anhaltender Boom erwartet

Befruchtungskliniken und Reiseagenturen stellen sich auf einen anhaltenden Boom ein. Die Agentur Life Smile hat Pauschalpakete im Angebot, die von der Kinderwunschbehandlung bis zur Rundreise alles beinhalten, was Patienten in Indien brauchen - einschließlich des Medizinvisums, das die Regierung vor drei Jahren einführte, um den Gesundheitstourismus zu fördern. Laut einer Studie von 2004 könnte Indien bis 2012 jährlich zwei Milliarden Dollar an Patienten aus dem Ausland verdienen, unfreiwillig kinderlose Paare eingeschlossen.

Ärzte: Auch Inder profitierten

Ärzte argumentieren, davon profitierten auch die Inder selbst. Durch die steigende Nachfrage aus dem Ausland könnten die Behandlungskosten sinken. "Das ist Marktwirtschaft", sagt Klinikchef Malpani. "Die schlechten Ärzte verschwinden, und den Nutzen haben schließlich auch die Patienten in den kleineren Städten."

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