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Stille Nacht ohne Elternzoff

13.11.2008, 16:22 Uhr

Weihnachtsbaum schmücken mit Papa, Heiligabend bei Mama, am ersten Festtag wieder zu Papa, wo schon die Oma wartet. Zwischendurch heißt es Taschen packen, hin- und herfahren und Geschenke auswickeln. So sieht Weihnachten für viele Kinder in Scheidungsfamilien aus. Wenn es gut läuft, ist das nur stressig. Läuft es schlecht, gibt es jede Menge Zoff, weil die Eltern die verbliebenen Konflikte nach ihrer Trennung ausgerechnet am Fest der Liebe austragen. Um das zu vermeiden, sollten Streitfragen schon lange vor dem Fest besprochen werden.

Wenn Streit abzusehen ist: Rechtzeitig kümmern

Ingeborg Rakete-Dombek, Fachanwältin für Familienrecht aus Berlin, rät sich rechtzeitig darum zu kümmern. Das gelte vor allem, wenn Streit abzusehen ist. Kurz vor Weihnachten bekomme man keine gerichtliche Entscheidung mehr. In der Rechtsprechung gilt der Grundsatz, dass Kinder den ersten Feiertag beim betreuenden Elternteil verbringen. Am zweiten Feiertag ist ein Besuchstermin beim Umgangsberechtigten üblich, erläutert der "Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung", der unter anderem vom Berliner Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) herausgegeben wurde.

Doppelfeiertage im Wechsel

Diese Feiertagsregelung habe sich in vielen Fällen jedoch als unpraktisch erwiesen, heißt es weiter. Oft sei es sinnvoll, dass Kinder die Doppelfeiertage im Wechsel ganz bei einem Elternteil verbringen. Die Eltern könnten das vereinbaren. Am besten treffen sie solche Absprachen schon bei der Trennung, sagt Regina Hirsch von der Beratung für Alleinerziehende beim Diakonischen Werk in Karlsruhe. Das schaffe für beide Seiten Klarheit und erleichtere die Planungen.

Ein paar gemeinsame Stunden

Eine solche Absprache setzt voraus, dass die Eltern nicht völlig zerstritten sind. Manche Eltern haben - trotz Trennung - ein gutes Verhältnis und möchten die Elternschaft gemeinsam tragen. "Die schaffen es zum Beispiel, zu Schulelternabenden gemeinsam zu gehen", sagt Hannspeter Schmidt, Leiter der Katholischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen im Erzbistum Köln. Solche Eltern könnten an Weihnachten vielleicht auch ein paar Stunden gemeinsam mit den Kindern verbringen. "Wenn neue Partner im Spiel sind, geht das aber meistens nicht mehr."

Geschwister niemals trennen

Bevor die Eltern dann der Kinder zuliebe völlig verkrampft zusammensitzen, feiern sie Weihnachten besser getrennt. "Die Kinder bekommen die schlechte Stimmung ja mit", sagt Hirsch. Leben die Eltern in einer Stadt, sind Wechsel der Kinder vom einen zum anderen relativ einfach zu organisieren. "Aber auch das würde ich erst Kindern im Grundschulalter zumuten", sagt Schmidt. Geschwister sollten grundsätzlich nicht getrennt werden - auch wenn das eine scheinbar faire Lösung für die Eltern wäre.

Größere Distanzen erschweren Regelung

Schwierig wird es bei größeren Distanzen: "An Weihnachten ein Kind allein in den Zug setzen, um zum Vater zu fahren, das kann ich nicht befürworten", sagt Hirsch. Also müssen sich die Eltern einigen, wo das Kind die Feiertage verbringt. "Liegen die Eltern so im Clinch, dass sie nicht miteinander verhandeln können, müssen sie eine professionelle Beratung aufsuchen", sagt Hirsch.

Ältere Kinder einbinden

Ältere Kinder können bei der Weihnachtsplanung mit eingebunden werden, etwa durch die Frage "Was magst du Weihnachten eigentlich machen?", rät Schmidt. Ist die Situation sehr angespannt, lassen Eltern solche Fragen besser bleiben. "Die Kinder sollen die schwere Entscheidung treffen, können das aber gar nicht." Im Zweifelsfall äußerten sie sich so, wie der jeweilige Elternteil es haben möchte.

Absprachen über Geschenke sinnvoll

Doch nicht nur das Wo, auch das Wie sorgt oft für Ärger. Bei der Frage, wie der Festtag gestaltet wird und welche Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen, wollen sich Mütter und Väter laut Schmidt häufig als der jeweils bessere Elternteil profilieren. "Die Geschenke werden dann missbraucht, um das Kind mehr an sich zu binden." Natürlich ist es besser, wenn sich die Eltern vor Weihnachten über die Geschenke absprechen: Was wünscht sich das Kind, und was ist sinnvoll? Verstehen sie sich aber schlecht, wird der Vater genau das kaufen, was die Mutter nicht wollte und umgekehrt, sagt Regina Hirsch. Leidtragende sind die Kinder, die mit zu vielen Geschenken überhäuft werden und dann plötzlich zwei Feuerwehrautos bekommen. Manchmal passiert auch das Gegenteil. Dann sitzen die Kinder mit ihrer Mutter vor dem Weihnachtsbaum, und vom Vater gibt es weder ein Geschenk noch eine Karte. Die Enttäuschung ist in solchen Fällen riesengroß. "Auch wenn man selbst sauer auf den anderen ist, sollte man ihn nicht schlecht machen", rät Schmidt. Ein Satz wie "Er denkt aber bestimmt an dich" könne in diesem Moment Trost spenden. Kümmert sich der Vater aber dauerhaft nicht, hilft auch kein Schönreden. "Dann muss man das gemeinsam mit dem Kind aushalten."

Weihnachten alleine: Alternativprogramm überlegen

Partner weg, Kinder weg - solch ein Weihnachten kann sehr einsam und traurig werden. Verbringen die Kinder das Fest beim Ex, sollten sich die Betroffenen rechtzeitig ein Alternativprogramm überlegen, rät Regina Hirsch von der Diakonie in Karlsruhe. "Sitzen sie bloß nicht allein zu Hause rum." Oft gebe es Freunde, in deren Haus an Weihnachten viele Leute zusammenkommen.

Literatur: Die Diakonie hat die Broschüre "Damit das Fest zum Fest wird - Feste feiern nach Trennung und Scheidung" herausgegeben. Sie kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden unter www.diakonie.de/2206_DEU_HTML.htm.





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