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Eltern-Kolumne: Lasst uns froh und munter sein?

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Kolumne  

Lasst uns froh und munter sein?

09.12.2008, 14:59 Uhr | Simone Blaß

Besinnlich soll sie sein, die Zeit vor Weihnachten. Mit gemütlichen Stunden am Kamin, zu den Füßen die faszinierte Kinderschar, in der Hand ein Glas Punsch und ein dickes Märchenbuch. So ist das überall, das beweisen mir täglich irgendwelche Hochglanzmagazine. Überall, bloß nicht bei uns. Bei uns ist es hektisch.

Man muss nur früh genug beginnen

Los geht es bereits im Oktober. Während andere noch ihren Kürbis aushöhlen, stehe ich bei 21 Grad Außentemperatur schwitzend und schokoladenverschmiert in meiner Küche und dekoriere Lebkuchen, die noch sechs Wochen ziehen müssen und mich daher zu einer solchen Tat regelrecht zwingen. Bis ich mit den einhundertzwanzig Exemplaren fertig bin, ist es bereits November und überall wird massiv die Weihnachtszeit eingeläutet. Mit dem Läuten ist es ja aber nicht getan, ein bisschen Dekoration erwartet man da schon von mir. Kein Problem, schließlich habe ich bereits im September äußerst vorausschauend kleine Engelsflügelchen in dunkelrot gekauft. Aber die sind nicht mehr da. Die sind einfach verschwunden und ich muss mir in Windeseile eine neue Dekoration ausdenken, die lang nicht so zufriedenstellend ausfällt wie die eigentlich geplante.

Brutale Realität contra Illusion

Nachdem der Haussegen bei der Suche nach den Flügeln ein bisschen schief hing - ich weiß gar nicht, was er mit Unordnung meint - kauf ich eben neue Flügel. Gibt aber nur noch goldene. Ach was, passen sowieso besser zur Wand! Und ärgern muss ich mich auch so schon genug. Über das Fernsehen zum Beispiel, das direkt an die romantische Übertragung vom Nürnberger Christkind und dessen Prolog anschließend das Fräulein Christkind in Alltagsklamotten beim Kochen zeigt. Und zwar so schnell, dass ich es gar nicht mehr schaffe, umzuschalten, bevor meine Kinder es merken. Schließlich war ich gerade noch mit den Tränen der Weihnachtsrührung beschäftigt, die der Satz „und wer da kommt, der soll willkommen sein“ aus unerfindlichen Gründen schon immer bei mir auslöst. „Mamaaaa, warum heißt das Christkind Rebekka?“ Danke, lieber Regionalsender für den brutalen Versuch, meinen Kindern sämtliche mühsam erhaltenen Illusionen zu rauben! Mit aller Mühe versuche ich den Zauber zu retten und rede mir den Mund fusselig. Gerade noch mal gut gegangen, sie glauben mir, dass es sich bei Rebekka um irgendjemand und beim Christkind ums Christkind handelt und der Sender sich wohl getäuscht hat. Kommt ja bei den Medien öfter vor, so was.

Geschmacksfragen

Aber kaum ist diese Hürde umschifft, naht schon die nächste Katastrophe und wieder steht der Haussegen auf dem Spiel. Es geht um den Adventskranz. Schön grün soll er sein, mit roten Kerzen und ein paar goldenen Sternen. Meine Vorstellung. Der Mann im Haus hätte es aber dieses Jahr gerne wieder so modern wie damals, als wir noch keine Kinder hatten. Also krame ich den alten Adventskranz raus, mit den heute nicht mehr ganz so weißen Federn. Wie soll ich denn den jetzt dekorieren, noch dazu mit den gewünschten weißen Kerzen? Wie sieht das denn aus? Grummelnd ziehe ich ab in den örtlichen Kindergarten, wo bereits eine Menge anderer Frauen damit beschäftigt ist, schöne grüne Adventskränze mit schönen roten Kerzen zu binden. Eine Menge Frauen, die sich kaputtlachen bei meinem verzweifelten Versuch, diesem Adventskranz noch etwas Feierliches abzugewinnen.

Die Vielseitigkeit von Ohropax

Brutal erinnert mich inzwischen der Kalender daran, dass es Zeit wird, die Flöte, die seit fast zwölf Monaten kein Licht mehr gesehen hat, auszupacken. Ich muss für den Heiligen Abend üben. Eigentlich nicht ich, sondern ich mit meinen Töchtern. Allein aus Zeitmangel und auch ein kleines bisschen aus Unlust gestaltet sich dieses Unterfangen ziemlich schwierig und ich fürchte, ich muss an Weihnachten erst mal Ohropax an die musikalischen Großeltern verteilen. Egal, der Wille zählt, denke ich und überlege, ob ich Ohropax auch gleich mit zum Weihnachtseinkauf in die Stadt nehme, um die die stille Zeit niederplärrenden Weihnachtsmänner auszuschalten.

Weihnachtliche Gaben

Obwohl, wenn ich auf meinen Einkaufszettel sehe, ist es mit der festlichen Stimmung sowieso gleich wieder vorbei. "Horrorvideo" für die bereits jugendliche Patentochter steht da! Dieser Wunsch ist ungefähr so besinnlich wie das Gehetze von einer Weihnachtsfeier zur anderen. Diese „netten“ Beisammensein führten schleichend dazu, dass ich jetzt schon drei Kilo mehr auf der Waage habe und die religiöse Fastenzeit bei mir persönlich um ein paar Wochen oder gar Monate verlängert werden muss.

Ende gut – alles gut

Aber dann wird es doch noch schön. Das ist immer so und das wird auch in diesem Jahr so sein. Wenn erst mal die Kerzen brennen, der geschmückte Baum sich in seiner ganzen Pracht zeigt und die Kinderaugen strahlen, dann ist es ganz egal, dass die Töne aus der Flöte etwas krumm waren und der Rock kneift, dann ist Weihnachten und dann wird es auch endlich genossen! Und das Federdings, das sich Adventskranz schimpft, wird kurz nach den Feiertagen auf ebenso seltsame Weise verschwinden wie die roten Flügelchen...

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