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Kindstötungen  

Kindstötungen: Auch die Täter trauern

29.12.2008, 11:15 Uhr | rev, dapd

Kindstötungen: Auch die Täter trauern.

In vielen Fällen sind Mütter nach der Geburt maßlos überfordert. (Bild: Archiv)

Trotz vieler aufsehenerregender Fälle in diesem Jahr nimmt die Zahl der Kindstötungen in Deutschland nicht zu. Die Fälle gehen vielmehr seit den 50er Jahren sogar zurück, wie die Sozialwissenschaftlerin Marlies Kroetsch vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in einem Interview berichtete. Die Experten untersuchen derzeit in einem großen Projekt die Motive von Eltern, ihre kleinen Kinder umzubringen.

Zahlen auf niedrigem Niveau stabil

Mehrere Fälle sorgten im Jahr 2008 für Bestürzung. Zuletzt stieß eine Frau ihre vierjährige Tochter in Stuttgart in den Neckar. In Köln wurde im Dezember die Leiche eines Babys im Müll gefunden. Gegen die Mutter wurde Haftbefehl erlassen. Trotz dieser und anderer Fälle sehen die Hannoverschen Forscher keine Zunahme der Fälle: "Das ist ein medial fokussierter Eindruck", sagte Kroetsch. Die Zahlen seien auf niedrigem Niveau stabil. Demnach werden in Deutschland im Jahr etwa 90 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren von der Mutter oder dem Vater getötet. Von einer großen Dunkelziffer gehen die Experten nur bei Tötungen direkt nach der Geburt, dem sogenannten Neonatizid, aus.

Auch die Täter trauern

Für das Forschungsprojekt befragt die Wissenschaftlerin derzeit Mütter und Väter, die ihre Kinder umgebracht haben. "Mein erster Eindruck ist, dass man die Täter sehr wohl als trauernde Eltern wahrnehmen muss", sagte Kroetsch. Sie versuchten, den Entstehungsprozess der Tat zu ergründen und auch mitzuhelfen, ähnliche Taten in Zukunft zu verhindern.

"Diese Frauen denken nicht logisch"

Nach Erkenntnissen der Forscher sind die Fälle von Kindstötungen sehr unterschiedlich, was Gründe und sozialen Status von Tätern betrifft. Sehr selten handelt es sich demnach bei den Tötungen um geplante Taten, bei denen zum Beispiel Väter ihre Kinder aus Rache umbringen. Oft wollten dagegen Mütter ihre Schwangerschaft nicht wahrhaben und seien bei der Geburt dann überfordert. "Diese Frauen denken nicht logisch", sagte die Forscherin. Deshalb nähmen sie auch keine Angebote wie Babyklappen an, wo überforderte Frauen ihre Kinder abgeben können. Auch eine anonyme Adoption nach der Geburt ist in Deutschland möglich. Laut Kroetsch wissen auch viele Frauen nicht, dass sie bei einer Babyklappe keine Strafverfolgung fürchten müssen. Bei manchen Fällen von Kindstötungen sei die Adoption zudem schon veranlasst gewesen, und die Frauen hätten ihre Kinder trotzdem aus Überforderung nach der Geburt getötet. "Da laufen die besten Hilfsangebote ins Leere."

Misshandlungen häufiger in der Unterschicht

Die Täter kommen nach Angaben der Forscher aus allen sozialen Schichten, also auch aus solchen mit gutbürgerlichem und akademischem Hintergrund. Bei Misshandlungsfällen, die auch Vernachlässigung einschließen, kämen die Täter auffallend oft aus der Unterschicht, sagte Kroetsch. "Aber auch dort gibt es etwa die Professoren-Ehefrau." Nach den Interviews mit den Tätern wird das Forschungsinstitut voraussichtlich im Mai 2009 einen Zwischenbericht vorstellen. Zudem sollen auch Mitarbeiter von Jugendämtern befragt werden.


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