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Eltern-Kolumne: Und plötzlich ist man uncool

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Kolumne  

Und plötzlich ist man uncool

11.02.2009, 15:02 Uhr | Simone Blaß

Ich war mir schon immer sicher, dass ich mal eine totaaaal coole Mutter sein würde. Eine, die ihre eigene Kindheit und Jugend nicht vergessen hat. Die sich noch an jedes absolute "no go" im elterlichen Verhalten erinnern kann und genau dieses sicher nieeeee wiederholen würde.

Vergebliche Liebesmüh'

Schon früh wusste ich, dass ich alles anders machen würde als meine eigene Mama. Ich wollte eine Mutter werden, die absolutes Verständnis dafür hat, dass man frühestens mit dem letzten Bus heimkommen könne, die ihren Kindern keine Vorschriften machen würde, was sie anzuziehen haben und eine, die ihnen schon bald eigene Entscheidungen zutraut. Aber irgendwie dachte ich auch, ich hätte für all das noch ein paar Jahre Zeit und bis dahin könnte ich meine Kinder einfach mit der Liebe und Fürsorge überschütten, die sie meines Erachtens nach als Grundlage für all das brauchen. Weit gefehlt. Und einzusehen, dass meine allerneueste Erwerbung bei den zu vergebenen Charaktereigenschaften ausgerechnet "uncool" ist, trifft mich wirklich hart.

Anti-Küsschen-Alarm

Der Prozess begann schleichend, eines Morgens auf dem gemeinsamen Weg zur Schule: „Mama, ich geb' Dir den Abschiedskuss schon hier“ - wir waren gerade mal auf halber Strecke - „das ist sonst so peinlich“. Peinlich???? Ich??? Jetzt schon??? Zunächst habe ich versucht, die Sache mit Humor zu nehmen. Mit schwarzem. Und immer, wenn sie versuchte, dem Küsschen komplett zu entkommen, habe ich ihr mit einem dicken Grinsen im Gesicht gedroht, ihr in die Klasse nachzukommen und sie vor 28 anderen Zweitklässlern abzuknutschen. Gemacht hätte ich das nie, dass sie mich trotzdem ernst genommen hat, hätte mir aber bereits zu denken geben sollen.

Mütterliche Fürsorge unerwünscht

Plötzlich erschienen "Betreten verboten"-Schilder an der Kinderzimmertür, wenn Freundinnen zu Besuch waren, mein Patenkind wollte lieber allein als mit der ganzen "Weibertruppe‘ zur Aikido-Vorführung und das Fräulein Tochter tobt, nur weil ich es gewagt habe – von mütterlicher Sorge um ihre Gesundheit getrieben – ihr ein Stirnband zum Reiten nachzutragen. Es hatte immerhin minus elf Grad!!! Sie hat sich so aufgeführt, dass ich mich tatsächlich entschieden habe, unverrichteter Dinge den Reitplatz wieder zu verlassen. Ich war dermaßen sauer über diese peinliche Szene, dass ich vor Wut gekocht habe. Aber diese Wut hatte ich gar nicht so sehr auf meine Tochter, diese Wut hatte ich vor allem auf mich. Und nachdem ich noch eine Weile heftigst beleidigt war, wurde mir schmerzlich bewusst, dass mein Kind groß wird und auf gar keinen Fall durch mütterliche Fürsorge blamiert werden möchte. Egal, wie kalt es draußen ist. Und schließlich will sie ja auch "cool" sein, was sie dann wohl – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – auch war.

Pubertätsvorsorge

Der um einen Tipp gefragte Erziehungsberater formulierte das so: „Kinder können nur dann cool sein, wenn die Eltern uncool sind.“ Man kann es also machen, wie man will: Uncool wird man im Laufe der Erziehung immer irgendwie, irgendwo und irgendwann - wogegen sollten sich die Kinder sonst auch in der Pubertät abgrenzen? Jetzt bin ich grad am Überlegen, ob ich meine Tattoos ausweite und mir ein paar Piercings und Brandings verschaffen lasse, nur mal so zur Vorsorge. Denn wenn sie dagegen rebellieren, dann kann ich sie auf diesem Weg vielleicht vor unüberlegten Körperverstümmelungen aller Art schützen. Allerdings müsste ich dann ja auch anfangen, Drogen zu nehmen und mich mit unreifen Männern einlassen…. Auch blöd!

Fazit: Kindern wird immer etwas einfallen

Fazit: Egal, was ich tue, meinen Kindern wird schon etwas einfallen, um mich zu schocken. Aber bevor ich dieses Schreckgespenst der Zukunft vor meinem inneren Auge groß werden lasse, rufe ich lieber mal meine Mutter an und entschuldige mich für ungefähr zehn Jahre ungebührliches Verhalten! Und für meine selbstgefällige Sicherheit, ich würde erziehungstechnisch alles besser können!


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