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Eltern-Kolumne: Kinderlose Freundin - Neuer Lover statt Babykotze

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Kinderlose Freundin - Neuer Lover statt Babykotze

02.06.2009, 12:46 Uhr | Jenni Zwick

Eltern-Kolumne: Kinderlose Freundin - Neuer Lover statt Babykotze. Blondes Kleinkind in der Kita mit Malstiften.

Wer kann es besser? Mama oder Kita? (Bild: Imago)

Doch es gibt sie noch – vereinzelt - die kinderlosen Freundinnen. Meine beste Freundin gehört zu dieser Gattung. Und sie führt so ein ganz anderes Leben als ich, so anders, dass ich mich manchmal frage: „Passt das eigentlich noch?“

Das schlechte Gewissen

Das fängt beim einfachen Telefonieren an. Kein gehetztes „Oh, du bist’s. Ich kann gerade nicht, muss das Nudelwasser runternehmen“. Nein, ein simples, Hi, schön, dass du anrufst.“, schallt einem entgegen. Und schon ist es da – das schlechte Gewissen, sich schon wieder zwei Wochen nicht gemeldet zu haben. Der Durchfall, das Zähnchen, der Mann, der bespaßt werden will, die immerwährende Müdigkeit – und erst dann kommt sie - die eigentlich beste Freundin. Aber heißt es nicht „Last but not least“? Es ist ja nicht so, dass ich nicht an sie denke, nur mit dem Anrufen klappt’s halt nicht so. Dass sie mich nicht mehr um 22 Uhr abends anrufen kann, um mir zu berichten, wen sie eben im Sportstudio gesehen hat, das hat sie mittlerweile verstanden. Auch, dass sie nicht mehr zwischen 18 und 20 Uhr (Schlafensgehenszeit) und nicht mittags zwischen 13 und 15 Uhr (Mittagsschlafzeit) anrufen kann, ist angekommen. Aber morgens habe ich alle Zeit der Welt. Aber da kann sie natürlich nicht – sie muss schließlich arbeiten.

Wie früher - fast

Gut, sie freut sich immer noch, dass ich anrufe, auch wenn ich erst nach zwei Wochen wieder ein ruhiges Minütchen finde. Und wenn wir dann telefonieren, ist es ja auch wie früher, fast. Als Gegenzug für ihr Verständnis, mich zu besagten Uhrzeiten nicht anzurufen, auf unsere „Desperate Housewifes“-Abende zu verzichten, auf unsere Sektfrühstücke, auf unsere Shopping-Touren, auf unsere Party-Wochenenden usw. versuche ich krampfhaft Themen zu finden, die uns beide interessieren. Schließlich kann ich mir vorstellen, dass es für sie nicht unbedingt abendfüllend ist, von den Verdauungsproblemen meiner Tochter zu hören oder sich erzählen zu lassen, was das Fräulein nun alles schon essen (und bei sich behalten) kann. Es müssen andere Themen her – also erzählt sie.

Erzählungen aus der großen, weiten Welt

Von ihrer neuen Position im Büro, von ihrer neuen Couch, von ihrer neuen Affäre – und mein Leben wird langweiliger und langweiliger. Ich hänge am Hörer und lausche, was sie aus der großen weiten Welt zu berichten weiß und denke darüber nach, wann ich das letzte Mal im Kino war und wann auf einer Party. Und dann kommt sie die Frage, „Und, was habt ihr so gemacht?“. Ich stehe vor der Entscheidung, lege ich los und erzähle von den Heb-den-Löffel-auf-Spielen, die zurzeit so aufregend sind oder von den zwei Nächten, als das dritte Zähnchen spross oder doch lieber von dem letzten Besuch beim PEKIP? Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, diese Geschichten nicht zu erzählen, aber viel anderes gibt’s da einfach nicht. Und trotzdem, wenn ich ehrlich bin, waren die letzten Wochen aufregend und erfüllend, wie kaum eine andere in meinem Leben. Doch wenn ich ihr das so sage, gelte ich doch gleich als Kampf-Mutti, die stundenlange Gespräche auf dem Spielplatz für akademische Betrachtungen hält und sich für den selbst gekochten Pastinake-Brei drei Sterne geben würde. Also lieber schweigen und nach dem neuen Lover fragen. Das Telefonat (und die Freundschaft) ist noch immer ein Highlight in meinem Leben, doch wo ist sie, die Vertrautheit von früher?

Endlich mal wieder zusammen unterwegs

Ich muss an den Blick denken, den ich geerntet habe, als ich meine Sorge um mein fieberkrankes Kind äußerte. Wir zwei, endlich mal wieder miteinander unterwegs, das Kind in der sicheren Obhut des Vaters – leider mit vierzig Grad Fieber. Ich solle mich freuen, endlich mal wieder raus zu kommen, sagte die ach so kinderlose Freundin. Prinzipiell hat sie ja recht, aber... Beste Freundin hin oder her – das versteht frau ohne Kind(er) einfach nicht. Und überhaupt, ich bekomme Herzflattern beim Gedanken an mein fieberkrankes Kind – sie beim Anblick einer neuen Handtasche – muss man da noch viel sagen?

Ob das noch passt?

Während man früher den Stress beim Job einfach beiseite schieben und erst recht ordentlich einen drauf machen wollte, kann man sich von seinem Kind nur schwer lösen – und wenn es nur für einen Abend ist. Und dann das Gefühl, dass mit der Geburt des Kindes die Coolness verschwunden ist – zumindest für die kinderlosen Menschen unter uns. Vielleicht bin ich ja gar nicht die einzige, die sich fragt, ob „das noch passt?“. Aber mal ehrlich – was sollte ich denn ohne meine Freundin machen?!? Mich drei Wochen vorher mit meinen Mama-Freundinnen verabreden, damit die eine absagt, weil ihr Kind spukt, die zweite, weil der Mann doch länger arbeiten muss und die dritte, weil sie einfach viel zu müde ist? Da sind mir ein kurzes Telefonat und ein spontanes Treffen mit meiner, zum Glück, flexiblen Freundin lieber. Und spannendere Themen finden wir allemal – schließlich kann ich die Babykotze auch auf dem Spielplatz ausgiebig besprechen.


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