Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Specials >

Schulstart: Ernst des Lebens beginnt

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schulstart  

Gestatten, Ernst – Ernst des Lebens

19.08.2009, 10:23 Uhr | Simone Blaß

Schulstart: Ernst des Lebens beginnt. Kleiner Junge mit Mütze.

Meist stolz und ein bißchen ängstlich - so sehen dieses Jahr wieder viele kleine Steppkes ihrer Einschulung entgegen. (Bild: Imago)

Eine ganze Menge kleiner Steppkes tragen auch in diesem Jahr wieder eine ganze Menge großer Schultüten vor sich her. Stolz oder ängstlich, meist stolz und ein bisschen ängstlich. Wenn ich da an die Einschulung meiner beiden Töchter zurückdenke, so bin ich mir sicher, ich habe mich mehr gefürchtet als sie. Zuerst war ich ja ganz gelassen, aber spätestens wenn alle Frauen im Viertel anfangen, Amok zu laufen und es kein anderes Gesprächsthema beim Einkaufen und Kinderabholen mehr gibt, als ‚Welche-Lehrerin-hat-bereits-welchen- psychischen-Schaden-bei-welchem-Kind-hervorgerufen-und-warum‘, dann infiziert einen auch der ‚Mein-Kind-kommt-in-die-Schule‘-Panikvirus. Hinzu kommt die an jeder Straßenecke geführte Diskussion zum Thema ‚Regelschule oder Waldorf‘. In diesem Moment hilft dann nur noch ein dem Partner verzweifelt hingehauchtes ‚Hilf mir es selbst zu tun‘, um als Mutter zu überleben.

Eine gute Planung ist das A und O

Wenn man dann den Schulranzen gekauft (Februar), das Outfit gefunden (März), die Omas eingeladen (egal wann, sie halten sich diesen Tag sowieso frei) und das Lokal zum Feiern (Juli – und zwar der des Vorjahres!) rausgesucht hatte, dann blieb nur noch, die Schultüte zu basteln und der Sache offenen Auges tapfer entgegenzutreten. Und für besagtes offene Auge ein paar Taschentücher einzupacken.

Schon mal was von Stress-Akne gehört?

Doch es ging tatsächlich alles gut: tolle Lehrerinnen, prima Klassen, mehr oder weniger schöne Klassenzimmer mit ‚Wir-Eltern-haben-grundsätzlich-an-Wochenenden-nichts-anderes-vor-und-streichen-mal-wieder‘-Potenzial, gut gekleidete Kinder, die es sogar trotz Schokotorte zum Frühstück ohne Flecken auf dem neuen Kleid in die Schule schafften und der heiß begehrte Sitzplatz neben der besten Freundin, die ebenfalls unter die Erstklässler gegangen war. Was will frau mehr?  Dass ausgerechnet an diesem Tag mein Kinn ein überdimensionaler Pickel krönte und zwar sage und schreibe zwei Jahre hintereinander, war unter diesen Umständen durchaus zu verschmerzen.

Den Start ins Schulleben versüßen

Selbst die ersten Hausaufgaben wurden vom frisch gebackenen Schulkind mit Begeisterung angenommen: Der Inhalt der Schultüte sollte gemalt werden. Dass ich mir darüber im Vorfeld jedes mal wieder so viele Gedanken gemacht hatte, war übrigens völlig überflüssig. Meine ganzen wohlüberlegten kleinen Geschenkchen waren sofort vergessen, gemalt wurden nur die Süßigkeiten. Fürs dritte Kind merke ich mir das!

Rüschenkleid mit besonderem Extra

Aber immerhin war ich bei meiner Zweiten schon ein Stück besser als im Vorjahr bei der Großen. Denn da hatte ich Wochen damit verbracht, das richtige Outfit für die Abc-Schützin zusammenzustellen, bin wetterbedingt am Tag vorher noch verzweifelt auf der Suche nach den passenden Stiefeln durch die Stadt gehetzt, um dann am nächsten Tag mit Schrecken festzustellen, dass das Kind die ganze Zeit den äußerst betagten und etwas mehr als leicht ausgefransten Mantel, der lediglich die Morgenkälte auf dem Schulweg übertünchen sollte, nicht auszog. Egal, welche Verrenkungen ich inmitten der Elternmenge auch machte, sie saß fröhlich zwischen all den anderen Kindern und schien nicht im Geringsten zu schwitzen. Geschweige denn Wert auf ihr Äußeres zu legen. Eigentlich rechnete ich danach täglich mit einem netten Brief der städtischen Kleiderkammer.

Ernst steht vor der Tür und er ist mir willkommen

Ist der erste Schultag dann erst einmal glücklich hinter sich gebracht, naht aber etwas, das fast noch nervenaufreibender ist. Der zweite Schultag und damit der erste „richtige“. Logisch, man begleitet das Kind in seine Klasse, hilft noch ein bisschen hier und ein bisschen da, aber dann muss es selbst klarkommen mit der Situation. Da sitzt es dann, etwas verloren, schaut unsicher und man möchte es am liebsten wieder mit heimnehmen und beglucken. Da ist jetzt niemand mehr, der beim Toilettengang hilft und mit bunten Pflastern um sich wirft, da gibt es kein Schlummereck zum Ausruhen und der viel zitierte Ernst des Lebens beginnt, wenn auch schleichend. Und morgens vor dem Schultor werde ich das ungute Gefühl nicht los, dieses Gebäude verschlucke mein Kind. Ein komisches Gefühl. Und doch eines, das ich gerade mit etwa 99 anderen Müttern des Stadtteils teile. Und dann plauscht man auf dem Nachhauseweg gemütlich, liest nach sechs langen Wochen Sommerferien  zum ersten Mal wieder in Ruhe Zeitung, telefoniert ohne die typischen „Jetzt-seid-doch-bitte-mal-zwei-Minuten-ruhig-Verrenkungen“ und schafft es, in wenigen Stunden den Schreibtisch freizuarbeiten. Und zwar genau in den wenigen Stunden, in denen die Kinder in der Schule sind. Es lebe die Bildung!

ratgeber.t-online.de - Sprüche zur Einschulung: Gedichte und Glückwünsche

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal