Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Specials >

Eltern-Kolumne: Krank ist nicht gleich krank

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Eltern-Kolumne  

Krank ist nicht gleich krank

18.01.2010, 13:12 Uhr | Simone Blaß

Eltern-Kolumne: Krank ist nicht gleich krank. Vater und Sohn krank im Bett.

Krank ist nicht gleich krank. (Bild: Archiv)

Impfen gegen die Schweinegrippe: ja oder nein? Als diese Frage vor einigen Wochen im Raum stand, da ging es mir wahrscheinlich nicht anders als allen anderen Eltern: Die Angst und der Hausarzt sagten ja, der Bauch, der Verstand und der Kinderarzt sagten nein und ich sagte: vielleicht! Oder vielleicht lieber nicht? Und wenn impfen, dann wen? Und was ist mit dem Baby? Und wie ist das eigentlich, wenn man stillt? Also doch gar keinen impfen? Und was, wenn….??? Das Kopfkarussell war tagelang in voller Fahrt. „Schluss jetzt. Ich lass mich impfen und wenn ihr krank werden solltet, dann kann ich euch ja versorgen!“ Gerade mal wenige Wochen ist es her, dass mein Mann der Dauerdiskussion um die Schweinegrippenimpfung im Hause Blaß rigoros ein Ende bereitete und sich tapfer für uns opferte. Theoretisch.

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss

Denn als es dann so weit war und H1N1 bei uns an die Tür klopfte, erjagte das Familienoberhaupt gerade 400 Kilometer weit weg den Lebensunterhalt. Was wahrscheinlich auch besser so war. Denn: Die Herren der Schöpfung sind, das ist unter uns Frauen kein Geheimnis mehr, wenn es um Krankheiten geht, alles andere als "das starke Geschlecht". Das fängt schon bei den Krankheiten anderer an. Ein Mann muss handeln, das scheint ihm im Blut zu liegen. Wenn die Kinder mal über Schmerzen klagen, dann schwanken unsere besseren Hälften doch grundsätzlich zwischen der Gabe von Medikamenten, dem Ruf nach dem Notarzt und dem Verklagen des Kinderarztes. Hauptsache, es geschieht etwas. Und wehe, es erwischt sie selbst. Die einzigen, bei denen sie grundsätzlich davon ausgehen, dass beim Jammern übertrieben wird, sind die eigenen Frauen. 

Couchpotato

So wie bei meiner Freundin Susanne, die ich an einem Montag im Dezember wie immer zum regelmäßigen Wochenenderlebnisaustausch anrufe. Doch nicht sie, sondern ihr Mann geht ans Telefon. „Was macht der denn um diese Zeit zu Hause?“, frage ich mich. Doch er gibt mir gleich selbst die Antwort. Stöhnend und auch stimmlich sehr leidend teilt er mir mit, dass er gerade von einer Grippe dahingerafft wird und nur mit letzter Mühe den Gang zum Telefon geschafft habe. „Dann geh halt wieder ins Bett, anstatt mir hier im Weg rumzuliegen“, schallt es reichlich entnervt und ziemlich heiser aus dem Hintergrund. „Ui“, denke ich, „harte Worte, wo der Arme doch so krank ist“. Ich entschließe mich, ein paar Brötchen vorbeizubringen und zu fragen, ob ich helfen kann. Doch als ich ankomme, sitzt der angeblich gerade Dahinsiechende vor der Glotze und ruft meiner Freundin, die, ihr Baby auf dem Arm und den Zweijährigen im Schlepptau, gerade mit dem Wischmop durch die Küche fegt, zu, ob sie ihm nicht erstens mal die Fernbedienung für den DVD-Player geben könnte, weil ihm das Aufstehen schwer falle, außerdem vielleicht doch noch mal schnell einen Lindenblütentee aufbrühen würde und ein, oder zwei belegte Brote wären auch nicht schlecht. Er müsste schließlich wieder zu Kräften kommen. Außerdem bräuchte er noch die Medikamente aus der Apotheke und vielleicht sogar ein Fußbad, ob sie nicht… Sein Anblick schwankt zwischen theatralisch und lächerlich, wie er da, eingewickelt in eine Decke, mit einem dicken Schal um den Hals und Penatencreme auf der Nase seine Wünsche äußert. Ein Blick auf meine Freundin und ich verzieh mich lieber wieder.

H1N1-Alarm

Kaum zuhause klingelt das Telefon. Meine Tochter ist krank, ich solle sie bitte von der Schule holen. Verdacht auf Schweinegrippe, es gäbe bereits ein paar getestete Fälle in ihrer Klasse. „Oh nein!“, denke ich, und befürchte das Schlimmste. Jetzt ist es soweit. Und alle Horrormeldungen der letzten Tage und Wochen gehen mir im Eiltempo durch den Kopf. Doch tatsächlich ist bei meiner Tochter von einer Grippe nicht viel zu spüren. Ein bisschen Kopfweh, ein wenig blass - nach drei Tagen ist alles wieder im grünen Bereich. Bei ihr. Nicht aber bei ihrem kleinen Bruder. Denn ausgerechnet das Baby hat es voll erwischt. Das Fieber rast rauf und runter, alles scheint ihm weh zu tun und der Arzt entschließt sich nach ein paar Tagen, doch zu testen. Drei harte Tage und vor allem Nächte später der Anruf: Es ist die Schweinegrippe! Beziehungsweise: Es war die Schweinegrippe, denn inzwischen war der Spuk längst vorbei. Am darauffolgenden Tag fand ich einen Brief vom örtlichen Gesundheitsamt in unserem Briefkasten, in dem mir - sehr förmlich - unter anderem folgendes mitgeteilt wurde: „Enger Kontakt (weniger als zwei Meter) zu Patienten sollte vermieden werden“ und „Der Patient sollte während der Pflegemaßnahmen (…) einen Mund-Nasen-Schutz tragen.“ Was für ein Glück für den Säugling, dass ich den Brief nicht ein paar Tage vorher erhalten habe. Die Schweinegrippe hätte ihn sicher nicht dahingerafft, wohl aber die Tatsache, dass ich mir aufgrund des vom Amt vorgeschriebenen Zweimeterabstandes und der Maske, die ich ihm hätte über den Mund stülpen müssen, nicht mehr hätte stillen können.

Eine Frage der Relation

Was übrigens meine Freundin angeht, so schleppte sie sich rund zwei Wochen mit stärksten Erkältungssymptomen und Fieber durch die Welt, immer begleitet von ihren beiden kleinen Kinder, auf die der Begriff "Rotzgören" ausnahmsweise mal ziemlich exakt zutraf. Ihr Mann war nach vier Tagen wieder erholt an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt und erzählte jedem, der es hören wollte und auch denen, die es nicht hören wollten, wie todesmutig er gerade mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Schweinegrippe durchgestanden habe. Von seiner Frau kein Wort. Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen ist, aber bei uns ist das auch immer so: Der Herr der Schöpfung hat die Grippe und ich den Schnupfen!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages
Wahnsinn 
Cleverer Hund überwindet Gartenzaun mit Trick

Kaum zu glauben, wie der Hund es schafft zu seinen Freunden zu gelangen. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Auf flachen Sohlen - Schuhe für die kühle Jahreszeit

Angesagte Stiefel, trendige Schnürer, klassische Stiefeletten u.v.m. jetzt entdecken bei BAUR.

Shopping
Mit dem Multitalent wird jedes Kochen zum Erlebnis

Krups Multifunktions-Küchenmaschine HP5031: Ihr Partner für kreative Kochideen! bei OTTO.de

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal