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Eltern-Kolumne: Hotel Mama

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Kolumne  

Hotel Mama - immer geöffnet

18.02.2010, 14:41 Uhr | Simone Blaß

Eltern-Kolumne: Hotel Mama. Junge und Mädchen machen Kissenschlacht.

Hotel Mama - durchgehend geöffnet. (Bild: Archiv)

„Das ist ja jetzt wohl nicht dein Ernst, oder?“ Völlig verwirrt schaut mich meine Große an. Und das nur, weil ich ihr und ihrer besten Freundin Lilliana gerade angekündigt habe, dass ich mich zu deren Übernachtungsparty heute auch eingeladen fühle. Schließlich wäre Lilly bei mir ja ebenfalls ein willkommener Dauergast und da könne ich doch durchaus erwarten… Ich kann mir das Grinsen kaum verkneifen, während ich beobachte, wie die beiden verzweifelt versuchen, sich aus der Situation zu winden. Nichts Schlimmeres für sie als die Vorstellung, dass ich mich heute Abend in Lillianas Zimmer breitmachen könnte. Unweigerlich kommt der nächste Versuch: „Mamaaaa, das ist eine Pyjamaparty!“ „Na und - wo ist denn das Problem, meine Süße?“, frage ich so unschuldig wie ich nur kann. „Schlafanzüge habe ich doch genug.“ Ha! - Punkt für mich, aber dann legt mich Lillys Argumentation komplett lahm: „Aber Simone“, sagt sie mit verzweifelter Miene, „das ist eine Party nur für Kinder!“

Erwachsene müssen draußen bleiben

Ach so. Schade eigentlich. Denn eine der schönsten Erinnerungen meiner Kindheit sind die Nächte, in denen  meine beste Freundin Tanja bei mir übernachten durfte. Meine Mama erlaubte uns im Bett und nach dem Zähneputzen noch Gummibärchen und wir durften so lange quatschen, wie wir wollten. Unterbrochen von halbherzig vorgebrachten „Jetzt wird aber mal geschlafen!“ vonseiten meines Vaters. Das Einzige, was mich immer genervt hat, war die Tatsache, dass Tanja doch grundsätzlich vor mir eingeschlafen ist und ich mit meiner überschüssigen Restenergie alleine dasaß.

Wer ist schon gern ein Spaßverderber?

Gerade mal eine Woche ist Lillys Übernachtungsfeier her, es ist Wochenende und mein Mann und ich haben uns auf zwei ruhige Tage mit unseren Kindern gefreut. Wobei die Betonung nicht nur auf "ruhig", sondern auch auf "unsere Kinder" liegt.  Doch daraus wird wohl mal wieder nichts denn, unweigerlich kommt die Frage: „Mama, darf Lilliana heute bei  mir übernachten? Biiiiitte.“ Und ein Paar flehende Kinderaugen schauen mich groß an. Und schon fängt sich meine Persönlichkeit an, multipel zu spalten. „Ach komm!“, sagt die eine Stimme. „Das hast du doch auch immer geliebt. Du wirst doch wohl den Kindern nicht den Spaß verderben?“ Ich? Ein Spielverderber, nein auf keinen Fall! Die Sache scheint entschieden. Aber plötzlich taucht die zweite Stimme auf. „Naja“, sagt sie. „Wenn du wirklich Lust darauf hast, dass deine Tochter wieder tagelang herumquengelt und allen auf den Nerv fällt, nur weil sie mal wieder alles andere als ausgeschlafen ist, dann kannst du das schon machen. Vor eins herrscht da sicher keine Ruhe und der Tag morgen ist im Eimer.“ Während ich in meinem Kopf die Für und Wider abwäge, wird das Betteln flehentlicher und letztendlich siegt die Kindheitserinnerung. Wieder mal dürfen die Mädels ihr Lager bei uns aufschlagen.

Nie wieder - ein Vorsatz, der gerade mal eine Woche hält

„Wenn die dürfen, dann darf ich aber auch!“, schallt es sofort empört aus 1,20 Höhe. Die kleine Schwester ist bereits auf dem Weg zum Telefon, um alle ihre Freundinnen über die Nacht der offenen Tür bei uns zu informieren, als ich sie gerade noch am Schlafittchen erwische und versuche, ihr mit Engelszungen klarzumachen, dass das jetzt gar nicht geht, weil sonst der Zickenkrieg unweigerlich innerhalb der ersten Stunde ausbricht und meine Nerven das nicht mitmachen. Und erst als ich sie - pädagogisch absolut daneben aber dafür umso wirkungsvoller - mit einer neuen Figur aus dem Elfenreich ködere und die beiden Großen zähneknirschend versprechen, sie am nächsten Morgen ein bisschen mitspielen zu lassen, kapituliert sie und lässt sich auf das nächste Wochenende vertrösten. Und das, obwohl ich mir doch erst vor fünf Minuten geschworen habe, dass das jetzt definitiv für die nächste Zeit das letzte Mal war. Okay, also nächstes Wochenende noch einmal, aber dann nie wieder. Ich schwör's.

Endlich Erste!

Oder ich dreh den Spieß einfach mal um, rufe Tanja an und frage sie, ob sie bei mir übernachten möchte. Obwohl - ich fürchte, so wie früher wird es nie wieder. Und das liegt wohl erstens daran, dass ich für durchgemachte Nächte schon lange nichts mehr übrig habe, zweitens ich inzwischen sowieso jeden Tag so viele Gummibärchen im Bett essen kann wie ich will und drittens ich babybedingt immer die Erste bin, die hier die Segel streicht. Obwohl – damit allerdings hätte ich ja dann endlich mal erreicht, was mir früher nie gelingen wollte.

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