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Eltern-Kolumne: Sozialkontakte auch mit Kind

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Sozialkontakte von Müttern  

Von der Kunst, nicht "nur" Mutter zu sein

05.07.2010, 11:40 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Eltern-Kolumne: Sozialkontakte auch mit Kind. Telefonierende Mutter ermahnt störendes Kind

Kontakt halten, trotz Kind: Kein leichter Spagat. (Bild: Imago)

Warum kann ich eigentlich nichts zu den aktuellen Kino-Filmen sagen? Warum habe ich eigentlich nicht mitbekommen, dass sich meine beste Freundin in den Verlobten ihrer Schwester verliebt hat? Und warum zum Henker kennen eigentlich alle diese neue Bar, von der mir noch nicht einmal der Name wieder einfällt? Ach so, meine Tochter ist gestern fünf Monate alt geworden. Größere Kinder und deren soziales Umfeld habe ich nicht und mein Mann verbringt seine Zeit gerade auf einer Geschäftsreise. Also: quasi-gesellschaftliche Interaktion findet maßgeblich in meinen vier Wänden statt. Aber es muss doch Mittel und Wege geben, um mit der Welt "davor“ in Kontakt zu bleiben… Ab heute wird alles anders! 

Ab ans Telefon 

Also greife ich beherzt zum Telefon und rufe meine beste Freundin an, um mich, geschickt ihre (und meine) Mittagspause ausnutzend, nach dem Befinden ihrer zwischenmenschlichen Kontakte zu erkundigen. Als wir uns gerade in Fahrt gequatscht haben, beendet das liebe Töchterlein missmutig und lauthals ihren normalerweise viel längeren Mittagsschlaf. An weiteres Telefonieren ist bei diesem Background-Chor nicht zu denken. Also vertrösten meine Freundin und ich uns gegenseitig auf den späten Abend, aber da ist dann ihr Handy aus und auf dem Festnetz niemand erreichbar. Ob sie jetzt gerade mit ihrem neuen Lover - oder Möchtegernliebhaber - im Kino sitzt und erfährt, warum Frau Bullock einen Oscar verdient hat? 

Social Networking für müde Muttis? 

Einigermaßen frustriert und müde mache ich den Rechner an. Bei Facebook treffe ich bestimmt noch auf ein paar Freunde. Und tatsächlich: Mein Mann und zwei Bekannte sind online. Ich chatte sie an, aber es stellt sich heraus, dass mein Mann gerade schreibfaul ist und nur ein paar Bilder hochladen wollte, damit ich - und der Rest seiner Facebookwelt - sehen kann, wie ausgefallen sein Hotelzimmer ist. Bei Bekannter Nummer eins fällt mir nach "wie geht´s? Was macht der Job? Und die Liebe?“ Nicht mehr viel ein. Von ihr kommt ohnehin nicht viel außer der besorgten Frage nach meinem Schlafmangel. Und bei Bekannter Nummer zwei störe ich gerade in den Ausgehvorbereitungen. Sie unterrichtet mich noch schnell über die Outfitwahl-Qual und dann geht´s auch schon los. Als alle drei offline sind, gehe ich mit dem Gefühl schlafen, dass ich den Leuten eh viel lieber in die Augen sehe, wenn ich mit ihnen rede. Also sende ich noch schnell eine SMS an meine beste Freundin, ob sie nicht morgen nach der Arbeit mal vorbeikommen möchte. Und vorsichtshalber frage ich auch gleich noch zwei andere Mädels, damit es nicht so wehtut, wenn Eine absagt. Dann lege ich mich schlafen und hoffe, dass ich mehr als zwei Stunden bekomme. 

Die gute alte Postkarte

Als um drei Uhr Nachtschicht angesagt ist, hatte ich sogar mehr als diese zwei Stunden und fühle mich gut. Stillen und Wickeln gehen eh von selbst, aber heute klappt es mit dem Einschlafen nicht. Nach einer halben Stunde wach Daliegen denke ich, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt gekommen ist, etwas Nostalgisches zu tun. Ich nehme meine Kiste mit den Postkarten, mein Adressbuch und meinen Füller und schreibe an Bekannte in aller Welt, dass ich an sie denke, gerade zu beschäftigt bin, um vorbeizukommen und hoffe, dass es ihnen gut geht. Briefmarken kann ich zwar nicht mehr draufkleben, weil ich die morgen erst besorgen muss, aber das mache ich morgen früh zu aller erst. Ganz bestimmt! 

Endlich Besuch!

Am nächsten Vormittag ruft mein Mann an, und ich sehe, dass ich drei SMS erhalten habe. Alle meine drei Einladungen sind angenommen worden. Um sechs bekomme ich Mädelsbesuch. Leute von "davor“. Vielleicht sind sie mir ja sogar eine Hilfe mit meiner Tochter. Die zeigt sich heute - angesteckt von meiner Vorfreude - in der allerbesten, ruhigen Verfassung. Wir kaufen Salat und Wein - den Wein natürlich nur für die anderen - Baguette und Käse. Ich habe große Lust, mit meinem Besuch zu schlemmen und zu reden. Egal, wie lang und egal, wie hart der Tag dann morgen werden wird. Ich unterrichte alle drei davon, dass wir heute Abend zu viert - beziehungsweise zu fünft - sein werden und vergesse nicht zu erwähnen, wie sehr ich mich freue.

Ohne Geschrei wär’s ja wirklich auch langweilig 

Und dann ist es viertel vor sechs. Ich habe mich in Schale - den Umständen entsprechend - geworfen und "Fräulein Quak“ fängt an zu schreien. Es ist zwar nicht ihre Zeit, aber stillen und wickeln, das hilft bestimmt. Um halb sieben bin ich eines besseren belehrt. Vollends zerzaust, kurz vor einem Tinnitus und nicht einmal dazu gekommen, den Wein für die Damen zu entkorken. Die helfen sich zum Glück selbst. Außerdem reden sie natürlich über den Sandra-Bullock-Film und die neue Bar - jedenfalls schnappe ich Fetzen entsprechender Unterhaltungen durch die Geschreiwolke auf. Mit meinen Freundinnen habe ich Glück. Die bleiben einfach cool und sind immer noch da, als mittlerweile "Miss Müde“ um acht ruhig schläft. Außerdem waren sie wirklich eine große Hilfe und haben in der Zwischenzeit den Salat gemacht, den Tisch gedeckt und den Wein ausgiebig getestet. 

Und das Bett ruft

Jetzt sitzen wir hier um den Tisch und ich kann mich auf Nichts konzentrieren. Nach dem Geschrei wäre mir jetzt genau eine Sache lieb: Ruhe! In den beiden nächsten Stunden lerne ich einige Neuigkeiten kennen, die in meiner Welt „davor“ sicher von größerer Bedeutung waren. Echten Zugang zur Tragweite der Information: "Wer mit wem und warum meine beste Freundin überhaupt mit dem Neuen?" stellt mein Hirn nicht her. Es ist ein schöner Abend, der allerdings nur bis um zehn dauert, weil dann noch eine Party wartet (auf die anderen versteht sich) und ich - nach Bekunden meiner Freundinnen - aussehe, als bräuchte ich Schlaf. Eins lerne ich daraus auf jeden Fall: Ich brauche besseren Concealer. Und immer noch Briefmarken.

Vorfreude ist die beste Freude 

Ich versuche es vor dem Zubettgehen doch noch einmal mit Facebook und lese, was die Freunde so erlebt haben, erleben wollen oder erleben werden. Chatten ist mir heute zu anstrengend und ich skype nur noch kurz mit dem Gatten auf Geschäftsreise. Er erinnert mich daran, dass morgen die erste PEKiP-Einheit für unsere Tochter - und ihre Mutter - ansteht. Unglaublich motiviert packe ich noch am selben Abend die Kinderwagentasche mit Allem, was man unterwegs so braucht für zwei. Und dann gehe ich schlafen -  bedauernd, dass ich nicht gleich ein neues Treffen mit den alten Damen verabredet habe.

Ein Leben "danach“ und eins "davor“?

Ich träume von meinem Leben "danach“. Träume, dass ich bei jedem Spaziergang zur besten Arbeitszeit Mütter und Väter, urlaubende und mich zurückwünschende Kollegen, außerdem verabredete "davor“-Freunde treffe, mit denen man spontan ein interessantes Gespräch abseits von Windeln führen kann, und die sich bei meinem Geburtstag kurz vor dem ersten Geburtstag meiner Tochter sofort blendend mit meiner besten Freundin und ihrem nicht mehr ganz so neuen Lover verstehen. Und ich wache auf mit dem Gefühl: Du sollst nichts erzwingen. Alles wird gut. 

P.S.: Die Postkarten habe ich ein halbes Jahr später wiedergefunden und sofort abgeschickt. Mit beeindruckend beeindruckter Resonanz.

 

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