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Kinderbetreuung: Betreuungsdilemma für das "Lieblingsaccessoire"

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Kinderbetreuung  

Betreuungsdilemma für das "Lieblingsaccessoire"

27.08.2010, 14:52 Uhr | Simone Blaß

Kinderbetreuung: Betreuungsdilemma für das "Lieblingsaccessoire". Tagesmutter spielt mit Kindern.

Manchmal ist eine Tagesmutter die einzige mögliche Betreuungform. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Mutter werden ist in. Das weiß man spätestens, wenn man die Illustrierten der letzten Wochen aufschlägt. Da kann man dann nämlich Frau Jolie mit sechs (oder sind es inzwischen sieben oder acht?) Kindern im Schlepptau durch die Welt rasen sehen, Claudia Schiffer mit Mega-Bauch und ohne eine Delle im Oberschenkel bewundern und bemerken, dass man mit ein bisschen mehr Selbstdisziplin, einer vor allem beim Stillen extrem gesunden Nulldiät und dem richtigen Personaltrainer wie Fräulein Bündchen, Madame Klum und Co bereits drei Wochen nach Geburt in Size Zero passen kann. Oder zumindest wieder in 40. Alles kein Problem. Das suggerieren auch Anzeigen, die einem klarmachen, dass man, wenn man selbst momentan kindbedingt nicht so aussieht wie aus dem Ei gepellt, definitiv etwas verkehrt macht. Es gibt die tollsten Schwangerschaftsklamotten, schickstes Design fürs Babyzimmer und alles, was die moderne Frau von heute für ihr neues "Lieblingsaccessoire" so braucht.

Unsere Babys als soziale Frühgeburten

Doch was, wenn man dann seinen Babybauch stilgerecht zur Schau trug, das Kind so ganz nebenbei geworfen hat und nach ein paar Tagen wieder in die Businessklamotten passt? Komischerweise will keiner ein schreiendes Etwas bei einem Meeting dabei haben. Aber selbst das ist kein Problem, denn schließlich hat uns die Bundesregierung doch einiges versprochen. Und da soll noch mal einer sagen, Deutschland sei kinderfeindlich! Man weiß doch, was man an uns zu verlieren im Begriff ist: Wunderbar ausgebildete, extrem motivierte, junge und gesunde Rentenzahlerinnen, denen flugs die flächendeckende Kinderbetreuung bis zum Jahr 2013 versprochen wurde. Roland Koch hin oder her. Blöd nur, dass wir erst 2010 schreiben.

Das große Krippen-Kichern

Sobald das Teströhrchen zwei blaue Streifen zeigt, sollte man also so schnell wie möglich sein Kind in der Krippe anmelden. Denn die Plätze sind rar. Sehr rar. Vor allem in Ballungsgebieten. Muss man halt das Feld mit dem Geschlecht noch unausgefüllt lassen und auf die Frage, welche Sprachen das Kind denn so alles spricht, verwundert mit dem Kopf schütteln. Wenn man nämlich erst dann kommt, wenn das Kind geboren ist, dann wird man bestenfalls sofort wieder freundlich verabschiedet, schlimmstenfalls halten sich Leiter und Verantwortliche der Einrichtung vor Lachen die Bäuche.

Tagesmütter – bisweilen ein Fall für sich

Und der arbeitswilligen Frau ohne gewillter Oma bleibt nichts als die Suche nach einer geeigneten Tagesmutter und damit in der Regel der Beginn einer Odyssee. Denn da gibt es Tagesmütter, die haben so viele Kinder zuhause, dass man den Durchblick verliert und den seltsamen Verdacht nicht loswird, dass es hier nur ums Geld geht. Was es selbstverständlich nicht tut, es handelt sich um reine Kinderliebe. Bleibt zumindest zu hoffen. Und es gibt Tagesmütter, bei denen ist es so aufgeräumt, dass man sich fragt, wann diese Frauen eigentlich Zeit haben, sich mit den Kindern zu beschäftigen? Naja, wahrscheinlich alles nur eine Frage der richtigen Organisation. Und selbstverständlich darf man sich auch durch Äußerlichkeiten nicht täuschen lassen. Denn was haben schon eine türkisfarbene Jogginghose aus Ballonseide, nikotinverfärbte Finger und ein paar ungepflegte Katzen mit der Qualität der Erziehung zu tun? Wer wird denn da Vorurteile haben?

Im Märchenland der Kinderbetreuungsmöglichkeiten

Und es ist der Beginn eines seelischen Kampfes. Was, wenn keine Tagesmutter gefunden wird, die genau so ist, wie man sich die Betreuung für das eigene Kind vorstellt? Und was, wenn man eine findet, die genau so ist, wie man sich die Betreuung für das eigene Kind vorstellt und das Kind dann lieber bei ihr ist als bei der am Feierabend abgehetzten, stylisch perfekten Working Mum? Ein Glück, dass Kinder in der Regel ihre Mütter lieben - egal, wie sie sind. Pluspunkt für das neue Konzept. Irgendwie aber bekommt die eine oder andere das Gefühl nicht los, dass eine gewisse Affinität zu Hänsel und Gretel besteht und dass durchaus damit zu rechnen ist, dass Tonnen von Kieselsteinen oder Brotkrümeln mit der Zunahme der Betreuung durch Tagesmütter die öffentlichen Wege zieren werden. 

Irgendetwas läuft hier verkehrt

Und zu guter Letzt bleibt noch die Frage der Bezahlung. Zunächst ist man vielleicht erstaunt, wenn man hört, dass eine Tagesmutter nur rund vier bis fünf Euro in der Stunde verdient. Aber da wäre dann wieder die Frage der Anzahl der zu betreuenden Kinder in genau dieser einen Stunde und die Anzahl der Stunden, die das Kind bei ebenjener Frau verbringt. Obwohl, wenn ich mal ganz ehrlich bin, ich finde ja, dass meine Tagesmutter - übrigens eine sehr nette, chaotisch liebenswerte Frau mit großem Herz und einer etwas seltsamen Vorliebe für Jogginghosen - eigentlich mir etwas dafür bezahlen müsste, dass sie die Ehre hat, die Zeit mit meinem Wonneproppen verbringen zu dürfen. Oder wie sehen Sie das?


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