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Erziehung: Loslassen und beschützen

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Behüten und loslassen: Wo ist die goldene Mitte?

24.05.2011, 12:23 Uhr | mmh, t-online.de

Erziehung: Loslassen und beschützen. Für immer beschützen und Geborgenheit geben - das geht leider nicht. (Foto. imago)

Für immer beschützen und Geborgenheit geben - das geht leider nicht. (Foto. imago)

Loslassen, abnabeln, bloß nicht überbemuttern, das nehmen sich alle Eltern vor. Vor Schlimmen bewahren, vor Bösem behüten, das Schreckliche ersparen, auch das wollen wohl alle Eltern. Doch an manchen Tagen hat man schreckliche Angst um das eigene Kind, um ihre Zukunft, um ihre Seelen und ihre Körper. Man wollte sie am liebsten in Watte packen. Doch dann würde ihnen auch all das Schöne in der Welt verwehrt bleiben. Wo ist der goldene Mittelweg in der Erziehung?

Kichern, Tränen und Happy Slapping

Tränen rinnen über das Näschen des Erstklässlers, der fast unter seinem Schulranzen verschwindet. Am liebsten würde ich ihn in den Arm nehmen, als er an der Haltestelle so an mir vorbeischleicht. Hat er Schulangst? Hatte er Ärger mit seinen Freunden? Stress zuhause? Ich steige in meine Bahn und muss schmunzeln über die Teenager, die mir gegenüber sitzen, zurecht gemacht wie für eine Modenschau, aber auf dem Weg in die Schule. Das Kichern wirkt anfangs harmlos. Sie drängeln sich  um ein Handy und gucken ein Video. “Happy Slapping” schießt es mir durch den Kopf. Ist es das, worüber sie lachen? Oder einfach nur ein Filmchen von der letzten Klassenfahrt. Umsteigen: Ein Betrunkener torkelt mir entgegen über den zentralen Platz, nicht viel älter als die Schulkids aus der Straßenbahn. Was bringt seine Zukunft?

Nachrichten die traurig machen

In der Zeitung lese ich Nachrichten von Eltern, die ihre Kinder misshandeln, von Kindern, die nichts zu essen haben, von Jugendlichen, die andere zu Tode prügeln, ich lese die Zahlen der Drogentoten, der Kinder mit angeborenem Herzfehler, lese von Frauen, die sich so sehr ein Kind wünschen und keines bekommen können.

Behüten und loslassen: Wo ist der Mittelweg?

Zwischendurch eine SMS von den Kindern: “Ich bleibe noch in der Stadt”, “ich geh zu meinem Freund” - hoffentlich sind sie in guten Händen, hoffentlich begegnet ihnen nichts Böses. Loslassen - ja, schön, aber beschützen ist auch wichtig. Wo ist der Mittelweg?

Wieder in der Bahn: Gerade steigt ein genervter Vater mit seinem Kind aus, das er von der Kita abgeholt hatte. Er gestresst vom Job, das Kind verspielt und trödelig. Rumgemeckere auf dem ganzen Weg, aus dem Fenster sehe ich gerade noch, wie er seinem Kind eine Ohrfeige gibt.

Ich muss umsteigen. Die Dreijährige in dem süßen rosa Kleidchen hüpft über den Platz. Die Bahn kommt - gerade noch reißt die Mutter sie zurück. Glück gehabt.

Polizei und Sanitäter sind auf dem Platz, es hatte eine Messerstecherei auf dem Platz gegeben, die Blutlache ist frisch, direkt neben dem Bahn-Ausstieg. Wie hat wohl der betrunkene junge Mann von heute morgen seinen Tag verbracht?

Mit mir steigt, wie fast jeden Tag, auch die geduldige, stille Mutter mit ihrem geistig behinderten Sohn ein. Jeden Morgen begleitet sie ihn zu seiner Einrichtung, jeden nachmittag holt sie ihn ab.

Wieder eine SMS: “Mama ich bin vom Rad gestürzt!” Ich bin schon fast zuhause. Pflaster kleben, Trost spenden, es blutet wirklich ziemlich stark, momentan ist das für ihn das Allerschlimmste in der ganzen Welt, der größte Schmerz, den es gibt.  Aber mein Sohn, es gibt so viel Schlimmeres, vor all dem möchte ich Dich bewahren. Es gibt so viel Schönes zu erleben, das möchte ich Dir ermöglichen.


Pflaster für Wunden und Seelen: Zuhören und trösten

Ich höre mir den Liebeskummer meiner Tochter an und ihr Schimpfen über die Streitereien mit den zickigen Freundinnen, den Ärger über den unfairen Schiedsrichter im Sport. Egal, dass sie die Mathe-Arbeit vergeigt hat, vergessen der verlorene Geldbeutel, es gibt so viel Schlimmeres, das passieren kann. Und ich hoffe, dass sie vor möglichst Vielem verschont bleibt und wenn doch nicht, dass ich ihr dann helfen kann. Und dass sie immer spürt, wie sehr ihre Eltern sie lieben. Das wünsche ich jedem Kind.

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