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Fantasie fördert Sprachfertigkeiten

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Den Freund meines Kindes gibt es gar nicht

24.10.2011, 12:07 Uhr | dapd, ddp

Fantasie fördert Sprachfertigkeiten. Kinder mit Fantasiefreunden entwickeln bessere erzählerische Fähigkeiten als andere Gleichaltrige.  (Quelle: imago)

Kinder mit Fantasiefreunden entwickeln bessere erzählerische Fähigkeiten als andere Gleichaltrige. (Quelle: imago)

Kinder können sich stundenlang mit ihren Freunden im Zimmer unterhalten - auch wenn es die gar nicht gibt. Vor allem im Vorschulalter kommunizieren Kinder mit imaginären Freunden, Tieren oder Geschwistern. "Die Vorstellungskraft und Fantasie spielen in der seelischen Entwicklung von Kindern eine wichtige Rolle. Sie helfen dabei, Erfahrungen zu verarbeiten und fördern die Sprachentwicklung", erklärt Diplompsychologe Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth.

Kein Grund zur Sorge

Sorgen müssen sich Eltern darüber nicht machen. Die Imaginationen eröffnen Erwachsenen vielmehr einen Einblick in die Vorstellungskraft ihres Kindes. Manchmal werden so auch Ängste erkennbar. Eltern könnten dabei ruhig in das Spiel einsteigen, sollten dem Kind aber die Führung überlassen. Meistens bleiben die Fantasiefreunde eine Episode der Kindheit, die irgendwann durch andere Ausdrucksformen ersetzt wird.

Entgegen früheren Vermutungen sind imaginäre Freunde kein Alarmhinweis auf Entwicklungsprobleme oder besondere Ängstlichkeit. Vielmehr entwickeln Kinder mit Fantasiefreunden sogar bessere erzählerische Fähigkeiten als andere Gleichaltrige. Darauf weist der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler, unter Berufung auf eine neuseeländische Studie hin.

Fantasiefreund positiv für kindliche Sprachentwicklung

"Die Ergebnisse bestätigen, dass ein imaginierter Gefährte im frühen Kleinkindalter nicht Zeichen einer Störung ist, sondern im Gegenteil: Er wirkt sich anscheinend positiv auf die kindliche Sprachentwicklung aus", erklärt Fegeler. Erzählerische Fähigkeiten seien ein guter Prognosefaktor für die späteren Lesefertigkeiten und damit unter anderem auch für den schulischen Erfolg. Die Experten vermuten, dass Kinder mit erdachten Gestalten vielleicht mehr Übung im Erzählen haben, da sie sich zunächst selbst ausdenken müssen, was sie gemeinsam erleben, oder auch weil Eltern oder Familienangehörige sie öfter nach ihrem imaginären Freund fragen.

Zum Erzählen animieren

Offen sei aber, ob nicht auch ein umgekehrter Zusammenhang vorliege - also erzählerisch begabte Kinder eher zum Erfinden eines Begleiters tendierten. "Eltern sollten ihre Kinder nicht daran hindern, einen tierischen, menschlichen oder undefinierbaren Freund zu erfinden", betont Fegeler. Vielmehr sollten sie ihr Kind ruhig dazu ermuntern, darüber zu berichten.

Verlässliche Partner

Der Fantasiefreund trete oft im Kindergartenalter auf und begleite ein Kind manchmal für ein bis zwei Jahre. "Deshalb müssen sich Eltern keine Sorgen machen. Fantasiefreunde helfen Kindern, sich zu behaupten", sagt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Als Kleiner unter vielen Großen sei es schön, einen verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben, der einen in allen Lebenslagen unterstütze und den man mit niemandem teilen müsse.

Neue Persönlichkeitseigenschaften

Manchmal sei die Fantasiefigur auch dazu da, Eigenschaften auszuleben, die das Kind selbst gerne hätte. "Vielleicht wäre das Kind gerne mal ein bisschen frech, rebellisch oder gemein, traut sich aber nicht, das auszuleben. Hinter den vermeintlichen Aussagen des Fantasiefreunds kann es sich gut verstecken und gleichzeitig ausprobieren, wie die Sprüche bei den Erwachsenen ankommen", sagt Ulrich Gerth. Solche Experimente mit dem eigenen Charakter seien ein normaler und gesunder Teil der Persönlichkeitsentwicklung.

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