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Lastenfahrrad: Drahtesel mit Familiensinn

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Die neuen Familienkutschen  

Multifunktionale Lastenfahrräder werden immer populärer

21.03.2016, 09:38 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Lastenfahrrad: Drahtesel mit Familiensinn. Ein zweirädriges Lastenfahrrad auf der Berliner Fahrradmesse. (Quelle: imago/Priller&Maug)

Ein zweirädriges Lastenfahrrad auf der Berliner Fahrradmesse. (Quelle: Priller&Maug/imago)

Was in Dänemark und den Niederlanden längst zum Straßenbild gehört, wird auch in deutschen Städten zum Trend: Immer mehr Menschen nutzen für den Transport von Kindern oder Einkäufen ein Lastanfahrrad, auch Cargobike genannt. Worauf es bei Sicherheit und Einsatzmöglichkeiten Familienkutschen ankommt, erklärt ein Experte.

In letzter Zeit bleibt das Auto von Oskars Eltern immer öfter in der Garage. Sie haben insbesondere für kürzere Strecken in der City umgesattelt und chauffieren nun ihren Sohn häufig mit dem Lastenfahrrad in die Kita. Manchmal werden auch Kindergartenfreunde samt Gepäck mitgenommen. Dann ist die Begeisterung bei der kleinen, mit Helmen ausgestatteten Reisegruppe groß. Denn die Knirpse lieben dieses und coole Taxi mit Cabrio-Feeling, das hierzulande lange nur von einer überschaubaren Minderheit als Familienkutsche beziehungsweise Einkaufstransporter genutzt wurde.

Praktische und umweltschonende Alternative zum Auto

"Bis in die 90er hielt man Lastenradler nur für Autoverweigerer oder Öko-Spinner", erzählt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Jetzt seien sie dagegen hip und nicht mehr nur öko.

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Transportieren Sie Ihre Kinder auf dem Fahrrad?

Doch das ändert sich gerade. Lastenfahrräder, die rechtlich gesehen als normale Fahrräder gelten und deshalb auch Radwege benutzen dürfen, werden immer beliebter - vor allem bei jungen Familien in Städten. Das Cargobike hat auch im Vergleich zum Auto viele Vorteile: Es schont die Umwelt, die Unterhaltskosten sind gering, die Suche nach Parkplätzen fällt weg und häufig kommt das Fahrrad in den verstopften Innenstädten auch schneller ans Ziel.

Vorreiter dieses Trends waren schon vor Jahrzehnten die Niederländer und die Dänen. In Kopenhagen wurde das Lastenfahrrad in den 80er Jahren zuerst in der Hippie-Kommune Christiania zum Kultobjekt. Geschätzte 40.000 Lastenfahrräder sind in der dänischen Metropole mittlerweile unterwegs. Statistisch gesehen hat jede vierte Familie eins.

Familien-Lastenräder sind meist Frontlader

Doch Lastenfahrrad ist nicht gleich Lastenfahrrad, sagt Arne Behrensen vom Verkehrsclub VCD, der das bundesweite Projekt "Lasten auf die Räder!" managt. Gegenüber t-online.de erklärt er: "Familien-Lastenfahrräder für den Kindertransport sind hauptsächlich Frontlader. Das ist sehr praktisch und es dient zugleich der Sicherheit. So hat man den Nachwuchs besser im Blick. Und die Kinder haben mehr Spaß, weil sie höher sitzen und einen guten Rundblick haben. Das ist ein viel kommunikativeres Fahren als zum Beispiel in einem niedrigen Anhänger gezogen zu werden."

Kinder im Lastenrad anschnallen

Für den Transport von Kindern im Lastenrad ist lediglich vorgeschrieben, dass Sitze vorhanden sein müssen, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). "Gurte sind aber empfehlenswert", sagt er. Denn Kinder denken mitunter, dass sie aufstehen können. Das kann gefährlich werden. Zur Ausstattung gehörenmeistens Drei-, manchmal auch mit Fünf-Punkt-Gurte, die von hinten über die Schulter gelegt und dann zwischen den Beinen zugeklickt werden. 

Generell seien dreirädrige Lastenräder praktischer für den Kindertransport. "Sie bieten mehr Platz und stehen sicherer." Bei manchen Rädern ist auch ein Regenschutz an Bord, einige verfügen über Halterungen für Babyschalen.

Auch VCD-Experte Behrensen gondelt als zweifacher Familienvater mit einem dreirädrigen "Christiania-Modell" durch Berlin. "Hier passen mindestens zwei Kinder und ein Einkauf oder noch ein Laufrad samt Buddelsachen für den Spielplatz hinein."

"Hat man wenig Zusatzgepäck, finden sogar vier Kinder in der großen, offenen Transport-Box, die eine Zuladung von bis zu 100 Kilo verkraftet, auf den zwei Bänken Platz." Zudem seien die Passagiere bei schlechtem Wetter immer geschützt, denn zeltähnliche, gefensterte Regenhauben über dem Container gehören zur Standardausrüstung.

Cargobikes mit unterschiedlichen Fahreigenschaften

Neben den dreirädrigen Vorderladern gibt es noch die einspurigen, also zweirädrigen Varianten mit einem weiteren Radstand. Sie sind wegen ihrer Bauart schlanker geschnitten, so dass auch der Laderaum eine knappere Kapazität hat.

"Es ist wegen des im Vergleich zum normalen Fahrrad höheren Gewichts und dem vor dem Container gelagerten, indirekt über eine Stange gelenkten Vorderrad zunächst ungewohnt. Aber man kann mit ein wenig Übung schnell lernen, damit umzugehen", weiß Behrensen.

Größere Kurvenradien und längere Bremswege

Dieses Eingewöhnungstraining - gleich bei welchem Modell - sollte nicht mit Kindern an Bord stattfinden, warnt Behrensen. "Den meisten reichen ein paar Proberunden, um ein Gefühl für den jeweiligen Lastenfahrrad-Typ und dessen Fahrverhalten zu bekommen." Dabei wird jeder auch feststellen, dass der Kurvenradius größer ist als bei normalen Drahteseln und dass die gewichtigen Gefährte sich dank Trommel- beziehungsweise Scheibenbremsen trotzdem gut bremsen lassen.

Hochwertige Lastenfahrräder gibt es ab 2000 Euro

Lastenräder sind nicht billig. Meist liegt der Preis zwischen 1000 und 3500 Euro. Günstige Modelle seien vereinzelt ab 1000 Euro zu haben, weiß der Experte.

"Ab dieser Größenordnung kann man schon was Vernünftiges finden. Wer das Rad allerdings oft im Einsatz hat und wem Fahrkomfort wichtig ist, der sollte besser hochwertigere Modelle wählen. Diese rangieren dann mit vollständiger Ausstattung für den Kindertransport bei etwa 2000 Euro oder mehr. Man sollte deshalb das gute Stück regelmäßig beim Fachhändler, wo man übrigens immer auch kaufen sollte, durchchecken lassen."

Der Wiederverkaufswert eines gebrauchten Lastenfahrrads sei vergleichsweise hoch - und im Unterschied zum Gebrauchtwagen derselben Preisklasse zahlt man keine Versicherung, keine Steuern und keinen Sprit.

Welches Lastenfahrrad passt am besten in den Familienalltag?

Eine Investition in dieser Höhe will trotzdem gut überlegt sein. Familien, die nach einer Alternative zum Auto suchen, sollten abwägen, auf welchem Cargobike sie sich am wohlsten fühlen und welches Modell am besten zu ihrem Alltag passt.

"Wer schon vorher weiß, dass er oft viel transportieren muss und auch mal vier Kinder in den Laderaum passen sollen, ist wohl mit den mehrspurigen Klassikern besser bedient", sagt Behrensen. "Das sind nämlich perfekte Kiez-Kutschen. Damit allerdings regelmäßig lange Strecken zurücklegen zu wollen, ist eine gewisse Herausforderung - genauso, wenn das Gelände vorwiegend bergig ist. Für solche Anforderungen eignen sich eher die schnelleren Einspur-Modelle. Aber all das muss man vorher testen. Wer will, kann zur Schonung der Kräfte auch ein Lastenfahrrad mit Elektro-Antrieb wählen."

Weitere Infos unter: http://www.vcd.org/lastenraeder.html Dort findet man unter anderem auch eine Datenbank mit einem bundesweiten Verzeichnis von Händlern, die Lastenfahrräder vertreiben.

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