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Verkürzte Schulzeit: Ist G8 ein Erfolgsmodell?

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Schulzeitverkürzung  

G8 - ein Erfolgsmodell?

24.08.2009, 11:25 Uhr | sca

Hochbegabte haben es nicht immer leicht. (Bild: Imago)Hochbegabte haben es nicht immer leicht. (Bild: Imago)Abitur in acht statt neun Jahren - ein heftig und nach wie vor kontrovers diskutiertes Thema. Jünger und gut ausgebildet in einem gestrafften Schulkonzept an die Unis, fit für den internationalen Wettbewerb - das waren die Hoffnungen, die sich an die Schulreform, die Gymnasialzeit von acht auf neun Jahre zu verkürzen, knüpften. In Hessen beispielsweise scheint die Reform gescheitert, denn viele Schulen kehren dort zur alten Form zurück. Kritik am G8 und dem "Turbo-Abi" gibt es bundesweit. Aber auch positive Bewertungen. #

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Erfolgsmodell in Nordrhein-Westfalen


Als erstes Bundesland stellte Nordrhein-Westfalen bereits vor Jahren 15 der 629 Gymnasien auf G8 um. Insgesamt begrüßen dort etwa 75 Prozent der Eltern den um ein Jahr verkürzten Bildungsgang. Ein "Erfolgsmodell" - so lautet die die aktuelle Bewertung durch Lehrer, Gewerkschaften, Ministerien und Eltern. Trotzdem bleiben Probleme: Da die Einführung von G8 dort nicht mit einer systematischen Umstellung auf Ganztagsschulen verbunden wurde, verfügen bisher nur rund 40 Prozent der Schulen über eine Mensa, in weiteren 55 Prozent sind sie im Bau oder in Planung. Auch an Räumen für eine Mittagsbetreuung fehlt es.



Wechsel für Haupt- und Realschüler erschwert

Der Chef der Lehrergewerkschaft VBE, Udo Beckmann, kritisiert, dass die Durchlässigkeit des Systems nicht bedacht wurde. In Nordrhein-Westfalen haben die ersten Erfahrungen gezeigt, dass das Turbo-Abi einen Wechsel von Haupt- und Realschülern in der Sekundarstufe I erschwert. So wechselten im Schuljahr 1008/98 nur 34 Hauptschüler auf das Gymnasium, 2005 waren es 113.

Keine Leistungseinbußen

Die befürchteten Leistungseinbußen und Überforderungen sind laut Experten - zumindest im Saarland und in Nordrhein-Westfalen - ausgeblieben. Im Saarland gab es dieses Jahr den ersten Abitur-Doppeljahrgang mit G8 und G9 parallel. Deren Ergebnisse könnten Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Denn die Notendurchschnitte waren fast identisch, nämlich der des G8 Jahrgangs 2,48 und der des G9 stand bei 2,47. Insgesamt hatten 5943 saarländische Schüler in diesem Doppeljahrgang mit G8 und G9 ihr Abitur abgelegt. Wer im "Auslauf-Modell" G9 sein Abitur nicht bestand, kann in diesem Jahrgang ausnahmsweise eine Nachprüfung ablegen.

Warum G8?

Im Schuljahr 2009/2010 haben mit Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein die beiden letzten Bundesländer das Gymnasium auf acht Jahre Schulzeit bis zum Abitur verkürzt. In den anderen Bundesländer wurde das verkürzte Abitur nach und nach seit 2003 eingeführt. Die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre lag vor allem in dem hohen Altersdurchschnitt deutscher Abiturientinnen und Abiturienten begründet. Mit 18,5 Jahren überstieg der Altersdurchschnitt in Deutschland jenen in vergleichbaren europäischen Ländern erheblich. In Europa erwerben 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler ihr Abitur mit 18 Jahren. Mit einer Anpassung an dieses Alter sollten die Erfolgsaussichten der deutschen Studierenden im internationalen Wettbewerb gesteigert werden.

An der Umsetzung hapert's

Die Idee der Schulzeitverkürzung stößt im wesentlichen auf Zuspruch. Kern der Kritik ist nur die Umsetzung, die teilweise überstürzt, teilweise undurchdacht vollzogen wurde. In Nordrhein-Westfalen begrüßen 75 Prozent der Eltern das achtjährige Gymnasium, so die Landeselternsprecherin. Auch der Bielefelder Pädagoge Hurrelmann befürwortet die Umstellung auf die international üblichen Zeitabläufe. Verpasst worden sei aber eine wirkliche Änderung der Lehrpläne, die nicht mehr alles im Detail festlegen. In Hessen wird vor allem der Stoffdruck, die fehlende Zeit für eine dritte Fremdsprache, die verkürzte Freizeit für Kinder, die Überfrachtung der Lehrpläne mit sinnlosen Inhalten kritisiert. Die Stofffülle sei nicht gestrafft und neu strukturiert worden, sondern in weniger Schulstunden gepresst worden. Wichtig sei vor allem, dass für Eltern, Lehrer und Schüler Sicherheit einkehre. Es dürfe kein Systembruch innerhalb eines Jahrgangs entstehen.

Gesamtschulen stürzen Reform

Aus der Unzufriedenheit zogen viele Schule ihre Konsequenzen. Jede sechste Kooperative Gesamtschule (KGS) in Hessen kehrte in diesem Schuljahr kurzfristig zum G9 zurück, das sind 21 von 123 Schulen, das berichtete die Frankfurter Neue Presse und berief sich auf das hessische Kultusministerium. Schon im letzten Jahr hatten sich 21 KGS dagegen entschieden und sind zum alten System zurückgekehrt, das bedeutet ein Drittel aller Kooperativen Gesamtschulen bietet den längeren Weg zum Abitur an. Es gibt eine neue Verordnung, die es den kooperativen Gesamtschulen ermöglicht, die Schuldauer bis zum Abitur wieder um ein Jahr auf neun Jahre auszudehnen, die rund 80 Integrierten Gesamtschulen hielten sowieso an der neunjährigen Laufbahn bis zum Abi fest, die Gymnasien dagegen sind verpflichtet, die achtjährige Schulzeit beizubehalten. Kooperative Gesamtschulen vereinen unter einem Dach getrennte Schulzweige, integrierte Gesamtschulen bieten eine schulformübergreifende Ausbildung. Damit ist die von Anfang an heftig umstrittene Reform an einem Tiefpunkt, dabei galt sie als die wichtigste Reform der gymnasialen Ausbildung, die zum Schuljahr 2005 / 2006 überstürzt und unausgereift, wie Kritiker sagen, auf den Weg gebracht wurde. Selbst Nachbesserungen hätten nichts gebracht. "Man hat einen ersten Schritt bei der Überarbeitung der Lehrpläne gemacht, aber dabei blieb es bislang", zitiert die Frankfurter Neue Presse die Elternbeiratsvorsitzende Kerstin Geis.


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