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Suizid: Wenn Teenager in Suizidforen Hilfe suchen (1)

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Suizidforen  

„Schlafmittel + Plastiktüte... ???????“

20.10.2009, 16:22 Uhr | Jenni Zwick

Suizid: Wenn Teenager in Suizidforen Hilfe suchen (1). Junge sitzt an seinem Laptop.

Wie gefährlich sind Suizidforen wirklich? (Bild: Imago)

„Ich kann nicht mehr, wer hilft mir?“, „Welche Suizidmethode ist sicher, schnell und schmerzfrei?“ - beängstigende Fragen, die in Suizidforen im Internet gestellt werden. Jugendliche und junge Erwachsene mit Nicknames, wie „BlackFallen Angel“, „Pro Suizid“ und „Blutrausch“ tummeln sich in Foren und Chats, in denen es nur ein Thema gibt: den Freitod. Über Seiten hinweg werden die besten Methoden für einen Selbstmord erörtert, Tipps fürs Sterben gegeben, über das „Leben danach“ philosophiert und Probleme ausgetauscht. Wenn Eltern mitbekommen, dass ihre Kinder auf diesen Seiten surfen und regen Kontakt mit virtuellen Freunden im Netz pflegen, bekommen viele Angst. Schließlich kennen die meisten die Geschichten von Jugendlichen, die sich im Internet kennenlernen und sich für den Gang in den Tod verabreden. Doch wie gefährlich sind diese Suizidforen wirklich? Welche Anzeichen gibt es für konkrete Lebensmüdigkeit und was können Eltern in diesen Fällen tun?

Elternängste werden wahr

In Deutschland nimmt sich durchschnittlich alle 56 Minuten ein Mensch das Leben. Alle sechs Minuten, so vermuten Fachleute, versucht es jemand. Der Einfluss von Suizidforen auf diese Taten ist bisher kaum erforscht. Allerdings sind Jugendliche und junge Erwachsene die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Rate an Suizidversuchen; bei jungen Männern dieser Alterskategorie ist Suizid sogar die zweithäufigste Todesursache, nach Verkehrsunfällen. Dies war auch schon der Fall, bevor es Internet und Selbstmordforen gab. Doch gibt es beängstigende Fälle, in denen sich Jugendliche im Internet verabredet haben, um sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Schon im Jahr 2001 stürzten sich eine 17-jährige Österreicherin und ein 24-jähriger Norweger von einer Klippe in Norwegen. Sie hatten sich erst wenige Tage vorher im Internet „kennengelernt“ und zum gemeinsamen Gang in den Tod verabredet. Ein Jahr später trafen sich zwei junge Erwachsene auf einem Parkplatz in Berlin und erschossen sich. Kennengelernt hatten sie sich in einem Suizidforum, wo sie sich mit anderen anonymen Teilnehmern austauschten. Ihre Mütter wussten, dass die beiden viel im Internet surften - auch, dass sie sich auf Seiten mit der Thematik Sterben bewegten. Doch sie ahnten nicht, dass die 22-Jährige und ihr 16-jährige Chatpartner über Wochen hinweg ihren Selbstmord planten.

Es gibt auch professionell geleitete Foren

Der Gang ins Internet, auch in Suizidforen, ist per se nichts Schlimmes - die Jugendlichen können sich austauschen, ihre Sorgen mitteilen und finden Gesprächspartner. In einigen Foren bekommen sie sogar Hilfe durch professionelle Berater, welche die Foren moderieren und gegebenenfalls eingreifen, wenn die Foren-Mitglieder zu stark in suizidale Themen abdriften oder Teilnehmer gezielt nach Selbstmordpartnern suchen. Forenbetreiber sind gesetzlich dazu verpflichtet, Straftaten, wie Aufforderung zum Suizid, Verkauf von tödlichen Medikamenten oder ähnlichem zu melden. Doch gibt es eine ganze Reihe von Angeboten an Foren, die Suizid als alleinige Problemlösung verherrlichen und Suizidgefährdete in ihrer Absicht bestärken. Hier wird die Polizei nicht benachrichtigt, wenn gesetzeswidrige Einträge geschrieben werden. Aufgrund der Vielzahl von Foren und Chats im Internet werden die Forenbetreiber selten zur Rechenschaft gezogen.

Internet als Selbsthilfegruppe

Von Jugendlichen werden Internet-Foren als eine Art Selbsthilfegruppe angesehen, wo sie sich über ihre Probleme austauschen können. Was sie mit Eltern oder Freunden aus der Schule nicht besprechen wollen, wird hier offen thematisiert. Da es den Gesprächspartnern ähnlich geht, können die Freundschaften in der virtuellen Welt oftmals intensiver sein, als die in der realen Welt. Doch das birgt Gefahren: Die Jugendlichen fühlen sich nur noch in den Foren verstanden, teilen sich im realen Leben weniger mit und verlieren sich möglicherweise immer stärker in ihren Todesphantasien - schließlich fühlen andere so wie sie. Auf diese Problematik machen auch Jugendschützer aufmerksam. Die hilfesuchenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen geraten mit ihrem pubertären Weltschmerz, ihren Problemen mit der Familie oder ernsthaften psychischen Problemen nicht an geschulte Psychologen oder Pädagogen, wie bei einem Anruf bei einer Beratungsstelle, sondern sie werden von Gleichgesinnten „beraten“ und „aufgefangen“. Dass dabei eine gefährliche Eigendynamik entstehen kann, sieht man traurigerweise an den dutzenden Fällen von gemeinsamen Suiziden oder Selbstmorden vor der Webcam.

Gefahren der Foren für Jugendliche

- Mitglieder stacheln sich gegenseitig zur Tat auf und Gefährdete werden durch Entschlossene mitgezogen. Grundsätzlich potenziert sich für bereits gefährdete Jugendliche die Gefährdung.
- Die Jugendlichen übertragen die Probleme anderer auf sich selbst.
- Sie stehen unter Rechtfertigungsdruck, wenn eine angekündigte Tat nicht ausgeführt wird.
- Suizidhandlungen werden glorifiziert.
- Es findet eine schnelle Verbreitung gefährlicher Einstellungen statt.
- Die Foren bieten die Möglichkeit, sich der realen Welt zu entziehen.
- Natürliche Hemmschwellen zum Freitod werden herabgesetzt.

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