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Ausgehen  

"Nachtwanderer" begleiten junge Disco-Besucher

06.01.2010, 11:08 Uhr | dpa

Am Wochenende wollen Jugendliche gerne ausgehen. Sie möchten Freunde treffen, auf Partys oder in einen Club gehen. Häufig gibt es aber in ihrer Umgebung nicht viele Treffpunkte wie Discotheken, Kneipen und Bars. Dann werden zum Beispiel Bushaltestellen, Plätze oder Bahnhöfe zu Treffs der Teenager. Nicht selten kommt es dort zu Konflikten. Diesem Problem haben sich die "Nachtwanderer" angenommen, eine Gruppe Freiwilliger, die am Wochenende nachts durch Bremens Straßen patrouillieren.#

Gefühl von Sicherheit vermitteln

Es ist ein ungemütlicher Samstagabend in Bremen. Seit Stunden regnet es fast ununterbrochen. Dazu weht ein kühler Wind. Doch davon lassen sich die drei Frauen und zwei Männer nicht abschrecken. Sie streifen ihre dunkelblauen Regenjacken über, stecken Taschenlampen und Handys ein und überprüfen den Inhalt eines kleinen Rucksacks mit einer Erste-Hilfe-Ausrüstung. Dann treten sie hinaus in die Dunkelheit. Bis spät in die Nacht werden sie durch die Straßen marschieren, Bushaltestellen abklappern und Plätze aufsuchen, die bei jungen Menschen beliebt sind. Und das freiwillig. "Wir sind auf den Wegen der Jugendlichen unterwegs", sagt Annette Horn. Dadurch wollen die "Nachtwanderer", wie sich die Gruppe nennt, vor allem dafür sorgen, dass die Jugendlichen sicher in die Disco, auf Partys und zu Freunden kommen - und wieder nach Hause. Allein mit ihrer Anwesenheit wollen die Freiwilligen den Teenagern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, sind Ansprechpartner und Kummerkasten für sie und rufen in brenzligen Situationen auch mal die Polizei.

Projekt nach schwedischem Vorbild

2004 hatte Horn mit einigen anderen Eltern nach schwedischem Vorbild die "Nachtwanderer" in Bremen-Nord gegründet, als bundesweit erstes Projekt dieser Art. Mittlerweile gibt es auch im Bremer Stadtteil Huchting, in Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein solche Gruppen. Im Norden der Hansestadt beteiligen sich 35 bis 40 Ehrenamtliche an der Initiative. Durchschnittlich einmal im Monat schlägt sich jeder von ihnen die Nacht um die Ohren.

Problemorte werden gezielt besucht

Jedes Wochenende patrouilliert eine Gruppe von vier bis sechs "Nachtwanderern" durch den Bezirk. Sie gehen bewusst dorthin, wo es Probleme geben könnte. Ihre Route führt sie an diesem Samstag als erstes zum Busbahnhof, der häufig zum Schauplatz von Gewalt wird. Dort hängen bereits einige Jugendliche gelangweilt herum und warten auf den Bus. Bremen-Nord liegt etwa 20 Kilometer vom Zentrum entfernt. Abends ist hier nicht viel los. Zum Ausgehen gibt es für junge Leute nur einige wenige Kneipen und die Partys der Tanzschule. "Darum sind ja auch so viele auf der Straße", erläutert Kerstin Peters-Bindernagel, die ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehört. Im Sommer treffen sich die Jugendlichen am Weserufer, um zu trinken. Aber auch im Winter lassen sie sich oft aus lauter Langeweile in Parks und an Bushaltestellen voll laufen.

"Nachtwanderer" sind bei Jugendlichen akzeptiert

Wer mehr erleben will, muss mit dem Bus über die Landesgrenze nach Niedersachsen fahren oder eben in die Innenstadt. Bei den Jüngeren ist vor allem eine Disco in Ihlpohl beliebt - und genau dort wollen auch die "Nachtwanderer" hin. "Der Weg ist nicht besonders gemütlich. Es ist ziemlich dunkel", erklärt Peters-Bindernagel. Als sie in den Bus steigen, werden sie von einigen Fahrgästen freundlich begrüßt. "Hey, Nachtwanderer", ruft ein junger Mann, der wie seine Freunde ein Bier in der Hand hält. Wegen ihrer dunklen Jacken mit dem gelben Namensschriftzug sind die "Nachtwanderer" mittlerweile fast überall bekannt. "Immer wieder werden wir von den jungen Leuten angequatscht", erzählt Horn. "Die freuen sich, dass jemand zuhört und sich für sie interessiert."

Bei Schlägereien wird die Polizei gerufen

Vor der Disco kommen die Erwachsenen sofort mit drei Mädchen ins Gespräch, die in knappen Tops und Hosen vor dem Eingang stehen. "Na, ist es voll?", fragt Hilde Birn, die dritte Frau in der Gruppe. "Nicht besonders", antwortet eine Blondine. Autos rollen vor, aus denen junge Frauen in kurzen Röcken und muskelbepackte Kerle in engen T-Shirts steigen. "Das letzte Mal, als wir hier waren, hat ein Krankenwagen eine Schnapsleiche abgeholt", sagt Peters-Bindernagel. Manchmal kommt es auch zu Schlägereien zwischen Betrunkenen. Doch dann gehen die "Nachtwanderer" nicht dazwischen, sondern rufen mit ihren Handys die Polizei. Das kommt aber nur wenige Male im Jahr vor.

"Ihr seid echt cool"

Auch an diesem Abend bleibt es ruhig - bis zur Rückfahrt. Im hinteren Teil des Busses hat es sich eine Gruppe Jugendlicher bequem gemacht. Sie trinken Alkohol und rauchen Zigaretten. Der Fahrer ermahnt sie laut. Die jungen Männer pöbeln zurück. Schnell setzen sich Horn, Birn, Peters-Bindernagel und ihre zwei männlichen Kollegen zu ihnen und verwickeln den lautesten Schreihals in eine harmlose Plauderei. Die Situation entspannt sich merklich. Als die Teenager aussteigen, verabschieden sie sich brav. "Ihr seid echt cool", ruft einer von ihnen den fünf Erwachsenen hinterher.



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