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Obdachlose Jugendliche: Zahlen steigen alarmierend

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Obdachlose Jugendliche  

"Direkter Fall ins Nichts"

16.02.2010, 09:51 Uhr | dapd

Obdachloser Jugendlicher in Abbruchhaus.Wegen Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch reißen Jugendliche aus. (Bild: Imago) Sie sind gegangen, weil sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten haben - oder ihre Eltern haben sie rausgeworfen. Sie übernachten mal bei diesem, mal bei jenem Freund, in Abbruchhäusern oder wo sie sonst so unterkommen für die Nacht. Sie stehlen, betteln oder prostituieren sich, um Geld für das tägliche Überleben zu bekommen. Die Rede ist nicht von Slumkindern in der sogenannten Dritten Welt - sondern von Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, auf der Straße leben.


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Gesellschaftliche Katastrophe

Eine gesellschaftliche Katastrophe, die es für viele gar nicht gibt, weil es sie eigentlich gar nicht geben dürfte. Wie viele solche sogenannten Straßenkinder in Deutschland leben, das weiß niemand so genau, da keine offizielle Statistik sie erfasst. Doch die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe beobachtet, dass in den vergangenen Jahren der Anteil der jüngeren Obdachlosen, die ihre Hilfseinrichtungen aufsuchen, ständig gestiegen ist. Die Initiative "Off Road Kids" geht auf der Grundlage der Vermisstenstatistik des Bundeskriminalamts davon aus, dass pro Jahr zwischen 1500 und 2500 Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zumindest zeitweise auf die Straße geraten. Etwa 300 davon werden ihrer Einschätzung nach zu Straßenkindern, die längerfristig ohne festes Dach über dem Kopf leben. "Es war mir unerträglich, dass es in Deutschland überhaupt Straßenkinder gibt - ein Zustand, der für einen damaligen G-7-Staat einfach nicht tragbar war", erklärt Markus Seidel, was ihn zu Beginn der 90er Jahre dazu brachte, den Verein "Off Road Kids" zu gründen, der Straßenkinder zurück in die Normalität holt. "Ich war davon ausgegangen, dass die Jugendhilfe in Deutschland weltweit die effektivste und am besten ausgestattete ist, und dass es hierzulande eigentlich kein Kind und keinen Jugendlichen geben darf, der durch das Jugendhilfesystem durchrutscht."

Ausreißer kennen Streetworker aus dem Fernsehen

Einen seltsamen Trend beobachtet Seidel in den letzten Jahren. Immer, wenn RTL die Sendung "Die Ausreißer" sende, kämen offenbar recht viele Jugendliche auf die Idee, von zu Hause auszureißen. Bewerten möchte Seidel dies jedoch nicht. "Vielleicht kommt ein verzweifelter Jugendlicher dann eher auf die Idee abzuhauen als zu resignieren oder sich das Leben zu nehmen. Wenn er im Fernsehen sieht, da gibt es einen Streetworker, da kannst du hin, dann ist das anders, als wenn er davon nie etwas hört."

Familie oft "aus dem Lot geraten"

Die Gründe, warum jemand bereits in jungen Jahren obdachlos wird, liegen laut Seidel oft in familiären Problemen. Üblicherweise seien die familiären Strukturen "aus dem Lot geraten" und meistens nur noch fragmentarisch vorhanden. Nach den Erfahrungen der Hilfsinitiative haben junge Obdachlose häufig bereits Erfahrungen mit der Jugendhilfe. Auf der Suche nach Geborgenheit fliehen sie vor Vernachlässigung, Beziehungslosigkeit, Gewalt oder Missbrauch. Die meisten Straßenkinder stammen nicht aus den Großstädten, in denen sie sich größtenteils aufhalten, sondern sie nutzen deren Anonymität, um nicht entdeckt zu werden. Dass die Zahl der jüngeren Obdachlosen seit einigen Jahren steigt, dafür haben die Experten vor allem eine Erklärung: "Als einen wichtigen Grund sehen wir die Einführung des Sozialgesetzbuchs (SGB) II im Jahr 2005", erklärt Werena Rosenke von der BAG Wohnungslosenhilfe. Die spezifischen Regelungen für Leistungsbezieher unter 25 Jahren führten zu Problemen beim Auszug bei den Eltern, die den "direkten Fall ins Nichts" nach sich zögen. Denn wer als Empfänger von ALG II jünger als 25 Jahre ist, dessen Verhalten wird stärker sanktioniert als das von Älteren, wie Rosenke erklärt. Ziel soll sein, diese Altersgruppe vermehrt zur Arbeitsaufnahme zu bringen. Konkret bedeutet das, dass bereits bei der ersten Pflichtverletzung - wenn etwa ein Termin mit der Arbeitsagentur nicht eingehalten wird - die Regelleistung vollständig gestrichen werden kann. Bei wiederholten Pflichtverletzungen kann auch die Kostenübernahme für Unterkunft und Heizung für drei Monate entfallen.


Hilfe den Menschen anpassen - statt umgekehrt

Vor allem aber werden die Wohnkosten überhaupt nur dann übernommen, wenn der kommunale Träger dies vor Abschluss des Mietvertrags auch zugesichert hat. Und genau hier liegt laut Rosenke das Hauptproblem: "Gerade bei dieser Klientel kommt es ja meist nicht zu geordneten Auszügen bei den Eltern", erklärt sie. "Häufig werden sie von den Eltern rausgeworfen, oder sie gehen irgendwann von selbst, weil sie es zu Hause nicht mehr aushalten, vor allem Mädchen." Da bleibt keine Gelegenheit, zuerst einmal zu klären, dass die Kosten für eine eigene Unterkunft bezahlt werden. Darum ist auch die wichtigste Forderung der Experten an die Politik, dass dieses "Auszugsverbot" gestrichen und die Sanktionspraxis nicht so wie bisher fortgeführt wird. "Es geht bei diesen Wohnungslosen ja nicht einfach um Jobvermittlung, sondern oft auch um eine Vielzahl anderer Probleme", sagte Rosenke. "Man muss zusehen, dass auch die Jugendhilfe, die ja eigentlich für Hilfen in diesem Alter zuständig ist, sich stärker auf diese Klientel einstellt. Es kann nicht sein, dass sich immer die Menschen den Hilfen anpassen müssen - die Hilfe muss sich den Menschen anpassen."




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