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ZDFneo-Doku: Das Bauernhof-Projekt im Jugendknast

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Jugendknast: Leben auf dem Bauernhof?

26.03.2010, 11:09 Uhr | mmh, ZDF

ZDFneo-Doku: Das Bauernhof-Projekt im Jugendknast . Gefangener in der Jugendstrafanstalt Neustrelitz. (Bild: ZDF)

Gefangener in der Jugendstrafanstalt Neustrelitz. (Bild: ZDF)

Jungs, die mit Hunden toben, Pferde striegeln, Kaninchen streicheln, Schweine misten: Kein Abenteuerurlaub, sondern ein Jugend-Knast. ZDFneo begleitete drei Teilnehmer bei einem bundesweit einmaligen Bauernhof-Projekt in der Jugendstrafanstalt Neustrelitz: Der Film heißt"Harte Hunde - schwarze Schafe" heißt der Film. Hier werden harte Jungs ganz weich. Brutale Schläger lernen im Umgang mit den Tieren Gefühle, jugendliche Gewalttäter werden auf das Leben nach dem Knast vorbereitet. Der Filmemacher Jan Frerichs hat gelernt, dass die "harten Hunde" eigentlich "arme Schweine" sind.

Harter Vollzug macht hart

Die Antwort auf Gewalttaten muss hart sein, sagen viele und fordern höhere Strafen für jugendliche Gewalttäter. Aber harter Vollzug, sagen Experten, macht vor allem eines: härter - und sie empfehlen "weiche Maßnahmen". Wie das aussehen kann, zeigt ZDFneo mit der Reportage "Harte Hunde - schwarze Schafe". Die Jugendstrafanstalt Neustrelitz gehört zu den modernsten Gefängnissen in Deutschland, es verfügt über ein großes Gelände mit mehreren Hafthäusern, jeweils mit vier Wohneinheiten mit je etwa 15 Häftlingen. Wer dort einsitzt, hat bereits mehrfach den Jugendrichter gesehen. Erst wenn Verwarnungen und Sozialstunden nichts mehr bringen, kommen jugendliche Gewalttäter zwischen 14 und 24 Jahren nach Neustrelitz. Schlägereien, Raub, Mord oder andere Vergehen haben sie hinter Gitter gebracht. Jetzt sollen sie lernen, ein normales Leben zu führen. Was die Jugendlichen aus ihrem bisherigen Leben nicht kennen, entdecken sie in Neustrelitz im Umgang mit Tieren: Mitgefühl und Zuneigung. Innerhalb der hohen Gefängnismauern mit Stacheldraht und Überwachungskameras ist dafür ein Bauernhof eingerichtet worden. Die Verantwortung für Ziegen, Schafe, Schweine und Pferde übernehmen die jungen Straftäter.

ZDFneo-Doku: Das Bauernhof-Projekt im Knast

Etwa zehn Jugendliche arbeiten im Tierzuchtbereich, sie kümmern sich um Schweine, Ziegen, Pferde, Hasen und Hunde. Im Grunde ist es ein ergo-therapeutisches Projekt, also Beschäftigungstherapie. Und das ist eine der Maximen im Jugendstrafvollzug: Wir beschäftigen die Gefangenen, bevor sie uns beschäftigen. Rudi, Felix und Benjamin sind drei davon, der Film begleitet sie sechs Tage lang.

Gefühle lernen

"Die sollen wieder Emotionen haben, manche sind doch zu hause nur geprügelt worden, die sind eiskalt", sagt Hundeausbilder Ingo Brossen. Da sitzt ein großer Junge im Stall und kuschelt mit einem riesigen echten Hasen - der soll Menschen brutal zusammengeschlagen haben? Da ist einer ängstlich, wenn ein Pferd tänzelt - der soll Wehrlose getreten haben? Da weint einer, weil die süßen Schweinchen, von ihm gehegt, gefüttert, ausgemistet, zum Schlachthof gefahren werden - der soll wiederholt Diebstahl begangen haben? Der Film zeigt Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten sind, die ein neues normales Leben führen wollen. Die Tiere sollen helfen. Sozialarbeiter arbeiten mit ihnen daran, die Erfahrungen zu überdenken.

In Opfer einfühlen

Sozialarbeiter Steffen Bischoff spricht mit den Jugendlichen über ihre Familien, über ihre Opfer. "Kann sich Benjamin in seine Opfer hineinversetzen, denen er bei Schlägereien Kiefer und sonst was gebrochen hat? Warum ist er überhaupt so aggressiv geworden? Und wie konnte es soweit kommen, dass er am Ende für 47 nachgewiesene Autodiebstähle in den Knast gewandert ist - für systematischen Diebstahl und Hehlerei. Nichts, aber auch gar nichts an dem unsicher hin- und herblinzelnden 19-Jährigen, der da vor mir sitzt, deutet rein äußerlich auf so eine kriminelle Karriere." Das schreibt Autor Jan Frerichs in sein "Knasttagebuch".

Neue Chancen

Wer trainiert hier wen? Das fragt man sich, wenn man die Bilder von den Insassen und Teilnehmern am Bauernhof-Projekt sieht. Einer macht sogar sogar eine Ausbildung zum Tierpfleger hier. Drei Jugendliche hat Filmemacher Jan Frerichs begleitet: Zum Beispiel Rudi, 21 Jahre, der bald seine Strafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt haben wird. Er übt mit aggressiven Hunden. Der Hundezwinger ist die Endstation für die ganz harten Fälle. Rudi wird seinen Lieblingshund Kasper mitnehmen, wenn er in wenigen Monaten den Knast verlässt. Kasper galt im Tierheim als aggressiv und schwer vermittelbar, hierin ähneln sich Herrchen und Hund, jetzt haben beide eine neue Chance. Rudi hofft auf eine Lehre als KFZ-Mechaniker und will nie wieder in Haft, Kasper hat ein neues Herrchen. Er lernte hier, ein guter Hund zu sein, einer der sich einfügt und sich im Zaum hält. Das soll auch seinem Herrchen in Zukunft gelingen.

Gar nicht so cool

Sozialarbeiter Steffen Bischof sagt über das Projekt und den Sinn dahinter: "Letztlich geht es um Selbstbewusstsein, dass den jugendlichen Gewalttätern in Wahrheit fehlt. Mithilfe von Gewalt versuchen sie, Selbstbewusstsein zu gewinnen, indem sie ihre Opfer unterdrücken und es ihnen nehmen." So gehe das oft über Generationen, ein Kreislauf der Gewalt, der im Knast durchbrochen werden soll, aber es fehle an Personal, an Zeit und vor allem an Perspektive, denn wer kümmere sich um die Jungs, wenn sie wieder draußen sind? "Die Tiere sind im Grunde nur Mittler, so eine Art Kommunikationsbeschleuniger, um an die Jungs ranzukommen", sagt Bischoff. Die harte Fassade bröckelt in den Gesprächen ein bisschen. Rudi gibt den Blick frei auf seine Geschichte, die damit beginnt, dass sein Vater Krebs bekommt und seine Mutter mit den Kindern überfordert ist. Sie endet mit Saufgelagen und gefährlicher Köperverletzung und schließlich Knast. Einer sagt: Du schlägst zu, damit du nicht das Opfer bist", ein anderer: "Man ist gewalttätig, weil man cool sein will, irgendwann ist das zu viel". Oder "Das wurde immer mehr, das wurde zum Beruf, irgendwann ist es zu spät zum Aufhören."

Tiere statt Väter hören zu

Einer der Jugendlichen sagt: "Ich habe mich hier geändert, ich bin nicht mehr so protzig, ich habe hier festen Boden gekriegt und feste Regeln, auch Tiere haben ihren festen Tagesablauf, die sind ja nicht doof." Tiere hören ihnen zu, das haben sie erst belächelt, jetzt wissen sie es. Jetzt hören ihnen die Tiere zu, die sie zärtlich streicheln. Sie lernen hier Geborgenheit, Empathie, Zuneigung, etwas, das die wenigsten in ihrer Kindheit erfahren haben.

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