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Turbo-Abitur  

"Turbo-Abi" erregt die Gemüter

01.04.2010, 09:21 Uhr | Sabine Caron

"Turbo-Abi" erregt die Gemüter. Unmut über Turbo-Abi.

Viele Deutsche fordern eine Wahlmöglichkeit zwischen achtjährigem und neunjährigem Gymnasium. (Bild: Imago)

Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach unter Deutschen zeigt deutlich, welchen Unmut das achtjährige Gymnasium hervorruft, vor allem im Westen. Eine klare Mehrheit von 71 Prozent der Westdeutschen sprach sich dabei für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium oder ein paralleles Angebot neun- und achtjähriger Gymnasialzüge aus. Grund ist, dass die Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre (G8) noch immer zu großen Sorgen bei den Eltern und Pädagogen führt. Viele Eltern befürchten, dass die Ergebnisse der G8 Schüler schlechter ausfallen werden als die von G9 Schülern. Die Kultusminister lehnen eine Rückkehr zu G9 ab. Woher kommt die Unzufriedenheit? Wie wird auf die Kritik reagiert? 

Warum ein "Turbo-Abi"?

Der Hauptgrund für die Einführung des "Turbo-Abis" war, dass deutsche Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu anderen Ländern zu alt seien, wenn Sie nach Beendigung des Studiums Stellen suchen. Deutsche Absolventen müssten wettbewerbsfähig gemacht werden, "in unserer globalen Welt" müsse der Berufseinstieg früher erfolgen, wie einst der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärte.

Die Umstellung in den Ländern

In fast allen Bundesländern wurde flächendeckend auf das achtjährige Gymnasium umgestellt. Das Saarland begann im Schuljahr 2001/2002 mit der Umstellung, es folgte Bayern, die anderen Bundesländer zogen nach. Die Jahrgangsstufe zehn fiel weg, der Stoff aber blieb in der Regel gleich. Um zu vermeiden, dass zwei komplette Abiturjahrgänge (bei Einführung 2005 im Jahr 2013 ) in die Universitäten und auf den Lehrstellenmarkt drängen, wurde die Einführung von G8 in Hessen auf zwei Jahre aufgeteilt. Ausnahmen stellen die Bundesländer Sachsen und Thüringen dar, die das zwölfjährige Abitur gleich nach der Wende beibehalten haben, allerdings unter der Auflage die Pflichtstundenzahl zu erhöhen.

Ausnahme: Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz führte das G8 Gymnasium als eines der letzten Bundesländer erst im Schuljahr 2008/2009 ein und stellt insofern eine Ausnahme dar, als die Umsetzung zunächst auf einige Modellschulen begrenzt und mit dem Ganztagskonzept verbunden wurde. Erfahrungen zur Belastung und Leistungen von Schülern allerdings gibt es hier noch nicht, weil die bisher vier Jahrgangsstufen sieben bis zehn auf drei Jahre verkürzt werden. Die ersten siebten Klassen mit G8 Schülern wird es erst im kommenden Schuljahr 2010/2011 geben. Dennoch scheint das Konzept durchdacht: Das Thema Hausaufgaben wird in der Schule erledigt, es gibt Gestaltungsmöglichkeiten bei den Lernzeiten und ab Jahrgangsstufe sieben ist die Ganztagsschule verpflichtend.

"Planlose Umsetzung"

In den meisten anderen Bundesländern aber erschien und erscheint diese Reform weniger durchdacht, Kritiker nennen sie "planlos", die Liste der Kritikpunkte ist lang. Bemängelt wird vor allem die hohe Belastung für die Kinder durch einen dichten Stundenplan und Hausaufgaben. Dabei bleibt wenig Freizeit, so berichten viele Eltern. Alles drehe sich nur noch um Schule. Auch Lehrkräfte bemängeln, dass ihnen wenig Zeit bleibt, zu Üben oder zu Wiederholen. 

Kaum Leistungsunterschiede im Saarland

Im Saarland waren an das Ministerium Befürchtungen herangetragenen worden, dass in den gemeinsamen Kursen von G8 / G9 Schülern die G8er "reihenweise massiv einbrechen" oder sogar die Schule verlassen müssten (www.bildungsklick.de). Die Ergebnisse zeigen laut dem Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur des Saarlandes, dass sich die Befürchtungen im Hinblick auf schlechtere Ergebnisse bei G8 Schülern nicht bewahrheitet haben. Im Durchschnitt über alle Fächer und Kurse beträgt der Unterschied zwischen G8ern und G9ern weniger als einen halben Punkt im 15 Punkte-Notensystem.

Bayern: Anweisung bei Noten nachzuhelfen?

Mit Bayern kommt im nächsten Jahr im zweiten Bundesland ein G8 Jahrgang zum Abitur. Auch hier befürchten viele Eltern einen Leistungsknick von G8 Schülerinnen und Schülern gegenüber G9 Schülerinnen und Schüler. Um diesen Sorgen zu begegnen, veröffentlichte der bayerische Kultusminister Spaenle eine Erhebung, laut der die Elftklässler des G8 in den Halbjahreszeugnissen in der Regel besser abschnitten als die Zwölftklässler des letzten G9 Jahrgangs (www.bildungsklick.de). Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel, warf dem Kultusminister vor, versteckte Nachweisungen gegeben zu haben, bei den Noten der G8 Schülern nachzuhelfen. Auch die mündlichen Noten seien aufgewertet worden, um ein besseres Abschneiden zu erreichen. Spaenle wies den Vorwurf zurück.

Nur sieben Prozent der Westdeutschen zufrieden

Die Landtags-SPD in Bayern machte sich für eine teilweise Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) stark. Schülerinnen und Schüler sollten die Wahl haben, ob Sie in acht oder neun Jahren Abitur machen. Auch der überwiegende Teil der Deutschen spricht sich mit 71 Prozent für ein solches Modell aus, so dass Ergebnis einer neuen Allensbach-Umfrage unter den Deutschen. Weitere 22 Prozent denken, dass es vorübergehende Anpassungsprobleme gibt. Nur sieben Prozent betrachten die Verkürzung des Gymnasiums als gelungen.

Ostdeutsche sind zufriedener

Die Einschätzung der Ostdeutschen sieht dagegen anders aus. Dort gibt es das achtjährige Gymnasium schon länger. Nur ein Drittel plädiert hier für eine Einführung des Gymnasiums oder die Wahlmöglichkeit zwischen achtjährigem und neunjährigem Gymnasium. Verbesserungsbedarf bei den Lehrplänen sieht ebenfalls ein Drittel, das restliche Drittel ist zufrieden. 

Nachbesserungen und Forderungen

Den Vorschlag, zu G9 zurückzukehren, haben die Kultusminister bei einem Treffen im März 2010 in Berlin ausgeschlossen ebenso wie eine Reduzierung der Pflichtstundenzahl. G8 sei der richtige Weg. Nachgearbeitet aber werden soll bei den Lehrplänen. Übungs- und Vertiefungsstunden ebenso wie Projektarbeiten sollen stärker angerechnet werden dürfen, entschieden die Kultusminister.

Run auf Gesamtschulen

Die hohe Unzufriedenheit mit dem verkürzten Abitur wird auch daran deutlich, dass sich ein regelrechter Run auf die Gesamtschulen abzeichnet. Diese Schulform, in der potentielle Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten gemeinsam unterricht werden, wurde in der Vergangenheit sehr kritisch betrachtet. Befürchtet wurde vor allem, dass leistungsstarke Kinder und Jugendliche nicht ausreichend gefördert werden könnten und hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben.

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